Historisches Jahr in der Gartenkultur
Im Jahr 2003 jährt sich für den Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landespflege ein denkwürdiges Ereignis. Vor 50 Jahren, genau am 09. Mai 1953, versammelten sich in Coburg "Münchner Hofbräu", die Delegierten der Gartenbauvereine (Obstbauvereine) aus dem Stadt- und Landkreis zu einer historischen Jahreshauptversammlung. Das war 8 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Aus dem Protokoll:

"Mit dieser Hauptversammlung ist ein neuer Abschnitt für die Geschichte des Kreisverbandes angebrochen. Denn es kam einstimmig zum Ausdruck, dass der frühere Zustand wieder hergestellt werden soll, dahingehend, dass der jeweilige Landrat Vorsitzender des Kreisverbandes für Obst- und Gartenbau sein soll, um eine segensreiche Zusammenarbeit zwischen Kreisverband und Fachberatung zum Wohl unseres heimischen Obstbaues zu gewährleisten."

Und so geschah es auch, Landrat Rudolf Kaemmerer wurde einstimmig zum Verbandsvorsitzenden gewählt.
Nachdem Landrat Dr. Gerhard Derks 1943 zum Militärdienst einberufen wurde, führte bis zum Kriegsende 1945 der 2. Vorsitzende Julius Popp die Verbandsgeschäfte. Als "Vater des Rosengarten" ist er in die Geschichte der Coburger Gartenkultur eingegangen. In Coburg erinnern heute ein Gedenkstein im Rosengarten sowie die Julius-Popp-Straße an sein segensreiches Wirken.

Von 1945 - 1953 war Oberlehrer Max Roth, Untersiemau, kommissarischer Verbandsvorsitzender. Er nahm sich in dieser schwierigen Zeit vordergründig dem Neuaufbau von Verband und Vereinen an. Sein Hauptverdienst, eine wahre Pionierleistung, war aber zweifellos die Einrichtung einer Kreisbaumschule in Gleußen. Einer seiner damaligen Mitarbeiter, Gärtnermeister Herbert Wegner, berichtete, dass von 1946 - 1956 ca. 15.000 Obstbäume dem Coburger Land zur Verfügung gestellt werden konnten. Das war auch dringend nötig, hatte doch der extrem kalte Winter 1939/40 große Lücken in den wirtschaftlich genutzten und landschaftsprägenden Obstbaumbestand des Coburger Landes gerissen. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren waren kaum Obstbäume zu bekommen, um diese Frostausfälle zu ersetzen. Weiter unterhielt der Kreisverband in Coburg im Hahnweg noch in den Nachkriegsjahren eine Obstkelterei. Ein weiterer Beitrag zur Ernährungssicherung war die Unterstützung der Gemüsesamen- und Gemüsepflanzenverteilung im Landkreis Coburg. Max Roth führte den Verband während dieser Zeit bis 1953 mit "uferlosen Idealismus" wie das schon zitierte Protokoll vermerkt. Schließlich darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen werden, dass Max Roth bald nach Kriegsende vom damaligen kommissarischen Landesverbandsvorsitzenden Pfarrer Korbinian Aigner gebeten wurde, den Bezirksverband Oberfranken für Obst- und Gartenbau wieder zu beleben. Max Roth entsprach dieser Bitte und war dann von 1947 - 1953 auch Bezirksverbandsvorsitzender.

Wer waren nun die "Männer der ersten Stunde", welche in dieser historischen Jahreshauptversammlung vor 50 Jahren in die Kreisverbandsführung gewählt und sich für einen Neubeginn aussprachen?
 
Vorstandsmitglieder:

1. Vorsitzender Landrat Rudolf Kaemmerer, Coburg
2. Vorsitzender Julius Popp, Coburg
Schriftführer Emil Luthardt, Meeder
Kassierer Bernhard Wenzel, Coburg

Ausschussmitglieder:

Hugo Fischer, Sonnefeld
Willi Gertloff, Meeder
Vitus Stammberger, Creidlitz Alfred Steinhäuser, Rodach b. Coburg
Albert Süßenguth, Neustadt b. Coburg
Alfred Wohlleben, Einberg Mächtig gewachsen ist der Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landespflege in dem vergangenen halben Jahrhundert. Gehörten ihm 1953 40 Gartenbauvereine mit 1.919 Mitgliedern an, sind es 2003   70 Gartenbauvereine mit 10.782 Mitgliedern.

Friedrich-Carl Conze

Im Jahr 1950 belebten verantwortungsbewusste Idealisten auf Initiative von Oberlehrer Roth aus Untersiemau nicht nur das Verbandsgeschehen des Kreisverbandes Coburg, sondern auch die Aktivitäten des Bezirksverbandes.
(Das Bild zeigt von links nach rechts: Landwirtschaftsrat Kindshoven, den Landesverbandsvorsitzenden in den Kriegsjahren, Fritz Schuberth (nächste Person unbekannt) und Max Roth
  
Pfarrer Korbinian Aigner war ein weitbekannter Pomologe und ein hervorragender Obstsortenkenner. Eine seiner Sorten der Korbiniansapfel steht auch im Obstmuttergarten in Einberg 1947 übernahm er das Amt des Landesverbandsvorsitzenden. Auf seinen besonderen Wunsch wurde Max Roth mit der Wiederbelebung des Oberfränkischen Bezirksverbandes beauftragt. Max Roth entsprach dem Wunsch und war von 1947 -1953 auch Bezirksverbandsvorsitzender