Apfelsorten in Hülle und Fülle Sächsischer Obstpapst Wilfried Müller unbekannten Sorten auf der Spur
(TN) Obwohl der trockene und heiße Jahrhundertsommer den Äpfeln und Birnen schwer zu schaffen machte, konnte 1. Vorsitzender Landrat Karl Zeitler eine gut bestückte Apfelausstellung in der Gruber Turnhalle eröffnen. Die Grußworte der Gemeinde überbrachte Bürgermeister Bernreuther. Durchgeführt wurde die Veranstaltung als Coproduktion des OGV Grub am Forst und des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege.

Fast 200 Sorten aus Coburger, oberfränkischer und bayerischer Herkunft wurden von Kreisfachberater Thomas Neder und den Mitgliedern der ortsansässigen Gartenbauvereins zusammengetragen und konnten von den Sortenliebhabern aus nah und fern bewundert werden. Eine Zwischenlagerung im feucht-kalten Ebersdorfer Fledermauskeller half bei vielen Sorten dabei, die kritischen Wochen zwischen Ernte, bzw. Fruchtfall und Ausstellung zu überstehen.
 
Von Cleopatra bis zum Lavanthaler Bananenapfel
Riesig groß im Vergleich zu den rudimentären Resten des aktuellen Handelssortiments erschien so manchem Besucher das ausgestellte Sortenspektrum, das so klangvolle Sorten wie z.B. Geflammter Kardinal, Lavanthaler Bananenapfel, Schweizer Orangenapfel, oder Cleopatra präsentierte. Auch die früher weit verbreiteten Reichsobstsorten, nämlich Rheinischer Bohnapfel, Jakob Lebel und Ontario, die 1922 durch die deutsche Obstbaugesellschaft zum Anbau empfohlen wurden, fanden Ihren Platz in der Ausstellung. Plausibel erscheint die breite Sortenpalette früherer Zeiten durch die damals üblichen mannigfaltigen Verwendungsarten. Frisch vom Baum essen, kochen, backen, trocknen, pressen, ,destillieren - kaum ein ""Aggregatszustand" der ausgelassen wurde. Auch die Geschmacksnerven dürften noch empfänglicher für die zarten Unterschiede gewesen sein.

Daneben wurden aber auch die stolzen Ergebnisse moderner Pillnitzer Resistenzzüchtung den Coburger Gartenfreunden vorgestellt, die gerade durch ihre Toleranz gegenüber den üblichen Krankheiten für einen naturgemäßen Anbau im Hausgarten von großem Interesse sind.

"Angeregt durch diese ungeheure Vielfalt heimischer Apfelsorten und der Möglichkeit des Anbaus vor Ort, muten die riesigen Wegstrecken die ein Handelsapfel von den Anbauländern bis in die heimischen Supermärkte auf sich nehmen muss, geradezu grotesk so Kreisfachberater Thomas Neder" . Herkünfte aus Neuseeland, Argentinien, Chile, seien schon die Regel, Anbauregionen wie Spanien, Italien, Frankreich wirkten schon fast heimisch, Äpfel aus deutscher Produktion suche man oft vergebens in den Regalen.
 
Meisterhafte Sortenbestimmung
Ein wahrer Besuchermagnet war natürlich der als "sächsischer Obstpapst" bekannte Sortenspezialist Wilfried Müller aus Aue in Sachsen. Trotz des mächtigen Andrangs und der langen Schlange vor seinem Beratungsstand erwies er sich als Meister seines Faches und konnte in vielen Fällen zielsicher und schnell die mitgebrachten Sorten bestimmen auch wenn manche "harte Nuss" nicht geknackt werden konnte. Bei den ca. 1400 beschriebenen Kultursorten, die sich oft nur in Nuancen unterscheiden, eine wahre Meisterleistung, die an die Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes erinnert.

Das fachliches Rahmenprogramm bestritt engagiert Herr Schlosser als Vertreter des Landesbundes für Vogelschutz, die Gruber Imker und die Keltereigruppe. Für die kulinarische Abrundung sorgten die vielen aktiven Mithelfer der Gruber Gartenfreunde.
 
An die Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes erinnerte die gekonnte Bestimmung unbekannter Apfelsorten durch den sächsischen "Apfelpapst" Wilfried Müller.
Trotz schwieriger klimatischer Rahmenbedingungen konnte LR Karl Zeitler eine bestens bestückte Ausstellung eröffnen.

Von links: 1. Bgm. Bernreuther, Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes Karl Lemser, 1. Vorsitzender Landrat Karl Zeitler, und 1. Vorsitzende des OGV Grub am Forst Rosa Hein.