Was gibt es zu sehen im Obstlehrgarten?
 

(TN) Der Obstlehrgarten des Kreisverbandes Coburg für Gartenkultur und Landespflege e.V. steht unter dem Motto: „Obstanbau für kleine Hausgärten“ und ist nicht nur als Lehr- sondern vor allem auch als Lerngarten konzipiert. Gerade in klimatischen Grenzregionen wie am Fuße des Thüringer Waldes mit rauerem Klima und teils schweren Böden, sind Sorten- und Anbauempfehlungen aus klimatisch begünstigten Gebieten nur mit Einschränkungen verwertbar. Nachdem im Coburger Raum eine derartige Anlage bisher gefehlt hat, möchte der Kreisverband den Gartenfreunden eine Informationsquelle vor der Haustüre zur Verfügung stellen, zum Besuch einladen und die gesammelten Praxiserfahrungen an interessierte Gartenfreunde weitergeben.

Naschobst auf 1000 m2
Das etwa 1000m² große Areal liegt eingebettet zwischen einer bestehenden Wildgehölzhecke und einem gut eingegrünten Erdwall und wird von einem Schotterweg eingerahmt. Die Fläche ist mit einem modifizierten fränkischen Staketenzaun mit 4 Eingangstoren eingefasst. Durch 4 Rosenbögen betritt der Besucher den Lehrgarten. Der Zaun ist etwas zurückgesetzt. Die vorgelagerte Fläche ist extensiv mit Stauden bepflanzt, so dass der Zaun spielerisch eingegrünt wird. An den durch erhöhte Pfosten geführten Spanndrähten wachsen Weinreben, Kiwis, Tayberrys, Weinbeeren, Dorman Red und andere Kletterpflanzen als Gestaltungselemente.

Moorbeet
Die Hauptwege aus Schotter sind in Kreuzform angelegt und treffen in der Mitte auf ein erhöhtes Rondell, welches das Zentrum der symmetrischen Anlage darstellt. Es ist mit einer Trockenmauer eingefasst und mit einer Moorbeetsubstratmischung für die Kultur von Heidelbeeren, Preiselbeeren und Cranberrys gefüllt. Eine weitere Rarität sind Allackerbeeren aus dem Norden Schwedens und Finnlands. Die Mischung des Moorbeetes besteht aus Weißtorf (ca. 60%), Rhodohum (ca. 30%), Blähschiefer (ca. 10%) und zusätzlich etwas Radigen (Spurenelemente

Eine konzentrische Beetreihe um das zentrale Rondell wird mit einer neuen Generation von Säulenbäumen bei Kirsche, Zwetsche und Apfel eingefasst. Sie wurden zum Teil von der FH Geisenheim zur Verfügung gestellt. Darunter gedeiht die bodendeckende Erdbeersorte `Florika`, eine Kreuzung aus Monatserdbeere und Gartenerdbeere. Sie trägt ihre aromatischen Früchte über dem Laub, ist damit relativ unempfindlich gegen die gefürchtete Botrytis Pilzkrankheit und kann etwa 8 Jahre stehen bleiben.

Vom zentralen Längsweg führen „fischgrätenartig“ etwas schmalere Wege durch die einzelnen Beete. Zur Erleichterung der Pflege werden sie mit Beeteinfassungen begrenzt und mit Mulch abgedeckt. Die geschwungenen Randflächen sind mit Großsteinpflaster eingefasst.

Automatisierte Bewässerung
Um auch in Trocken- und Urlaubszeiten eine regelmäßige Versorgung mit Wasser zu gewährleisten, ist die Bewässerung weitgehend automatisiert. In 5 Bewässerungsstationen aufgeteilt, übernimmt das Parrot- Steuerungsgerät HP8 kombiniert mit dem Regensensor Rain Check weitgehend die Gießarbeiten. Die Tropfschläuche Dripline TA 30 sind mit Rindenmulch abgedeckt. Das System hat sich bisher bewährt. Eine regelmäßige Kontrolle und ein gelegentliches Nachstellen ist allerdings notwendig. Einmal eingefahren, ist die Anlage rel. wartungsarm. Ab Ende Oktober werden die Magnetventile ausgebaut und frostfrei eingelagert.

Neues und altes Wildobst
Eine interessante frühe Obstart, die mit den Erdbeeren reift, sind die Maibeeren. Als vitaminreiches Naschobst, das auch in der Blüte sehr frosthart ist und mit den Erdbeeren reift, kann es für sonnige bis halbschattige Standorte empfohlen werden. Vielseitig verwertbar sind die anspruchslosen Apfelbeeren. Die großfruchtigen Auslesen der Kornelkirsche `Jolico` und `Kasanlaker` warten wie die roten, schwarzen und weißen Früchte des Holunders auf ihre häusliche Verwertung. Reich fruchtet schon die Mispel, eine Obstart, die schon vor 2000 Jahre über die Alpen zu uns kam. Sie wurde früher bei der Apfelweinherstellung verwendet. Wegen ihres hohen Pektingehaltes verleihen die Früchte Marmeladen eine ausgezeichnete Gelierfähigkeit. Hervorragend zum Brennen eignen sich die als Wildhecke angelegten Haferschlehen im Eingangsbereich. Zeller Haselnuss, Sanddorn und die großfruchtige Felsenbirne `Ballerina` stehen in der Nachbarschaft.

 

Preiselbeeren haben die gleichen Ansprüche wie Heidelbeeren. Sie können als fruchtende Bodendecker verwendet werden. Sie bringen zwei Ernten, eine geringere im Juli und eine üppige im Oktober.

Piros ist ein saftiger Frühapfel mit fruchtigem Aroma. Er kommt aus dem Zuchtprogramm von Dresden Pillnitz.

Kirschen können durch die Verwendung schwach wachsender Unterlagen wie GiSelA5 oder WeihRoot in der Höhe begrenzt werden. Sie haben auch in kleineren Gärten noch Platz.

Heidelbeeren sind Heidekrautgewächse und fühlen sich nur in saurem Boden unter pH 5 wohl. Sie leben in Symbiose mit einem Wurzelpilz (Mykorrhiza), der sich in einem Substrat mit viel Holzanteil wohl fühlt.


Die sog. Erdbeerwiese mit der Sorte Florika entstand 1986 aus einer Kreuzung zwischen Monatserbeeren x Gartenerdbeere. Bereits im 1. Jahr entsteht ein dichter Bestand durch ganzjährige Ausläufer.

Die Brombeersorte Chester Thornless reift spät Anfang September. Sie ist ideal zur Saisonverlängerung.


 

Die Traubensorte Boscoso gehört zu den neuen Traubensorten. Sie zeichnet sich durch sehr große Früchte aus und gilt auch in rauheren Lagen noch als anbauwürdig.