Die Eibe – Wiederentdecktes Ziergehölz, alter Nutzbaum, vielversprechende Medizinpflanze
 

(TN) Besonders in der schräg stehenden Wintersonne leuchten die roten Samenmäntel der Eiben besonders schön. Den roten Samenmantel findet man nur bei weiblichen Exemplaren, denn Eiben sind zweihäusig getrennt geschlechtliche Nacktsamer, was bedeutet, dass weibliche und männliche Blüten auf getrennten Pflanzen wachsen. Heute wird die Eibe vor allem als immergrünes Ziergehölz im Garten verwendet, das fast jeden Schnitt mit stoischer Ruhe mitmacht. Die Verwendung ist vielgestaltig. Sei es streng geschnitten in Anlehnung an geometrische Formen des Rokoko, natürlich wachsend, oder als wintergrüne Beimischung in einer laubabwerfenden Blütenhecke.

Unter ganz anderen Aspekten wurde der Baum in vergangenen Zeiten betrachtet. Besonders geschätzt war sein festes aber nachgiebiges Holz bei den Bognern zur Fertigung von Armbrüsten und Bögen. Auch Robin Hood soll einen Langbogen aus dem Holz der Eibe besessen haben. Bis zum Ende des Mittelalters ließen deshalb die Burgherren rings um ihre Wehranlagen Eiben pflanzen, um genügend Rohrstoff für die Waffenherstellung in der Nähe zu haben. Nürnberger Händler sollen zwischen 1531 und 1590 etwa eine halbe Million Bögen aus Eibenholz nach England verkauft haben, nachdem die Eibenbestände in Schottland und England schon fast geplündert waren.

Bis auf den roten Samenmantel sind alle Teile der Eibe giftig. Die Giftigkeit beruht auf dem Stoff Taxin, einer Mischung unterschiedlicher Alkaloide. Während Wiederkäuern die Eibennadeln nicht schaden, sind z.B. für Pferde größere Mengen gefährlich. Bei Kelten und Römern war der Baum den Todesgöttinnen geweiht. Die Kelten verwendeten Giftpfeile, deren Spitzen mit einem Absud aus Eibengrün getränkt waren.

In der Neuzeit werden z.B. in Japan die Nadeln der Japanischen Eibe (Taxus cuspidata) gegen Diabetes eingesetzt. Die Nadeln der Pazifischen Eiben (Taxus brevifolia) finden in der Krebsmedizin Verwendung.

Eiben können sehr alt werden. Das älteste Exemplar soll bereits über 2000 Jahre alt sein. Es steht im schottischen Fortingall.