Blick über den Gartenzaun erwünscht
Gartenbesitzer öffnen Schatzkammern jahrelanger Gartenerfahrung
 

Pünktlich zur Rosenblüte öffneten zum Tag der offenen Gartentür acht ausgewählte Gartenparadiese ihre Pforten. Ist der Blick über den Gartenzaun für den passionierten Gartenfreund manchmal eher unangenehm, war er diesmal sogar ausdrücklich erwünscht. Ganz nach englischem Vorbild kamen sich die engagierten Gartenfreunde an diesem beliebten Gartenevent wieder mal ein ganzes Stück näher und öffneten im Fachgespräch ihre Schatzkammern jahrelanger Gartenerfahrung, über die auch mancher Fachmann nur so staunen kann.

Japanische Gartensymbolik
Offiziell eröffnete 3. Vorsitzende Annette Eppler, Kreisfachberater Thomas Neder und Bgm. Forkel die Veranstaltung im Garten der Familie Schnellhardt in Oberlauter. Üppige tiefblaue Ritterspornblüten und mild duftende Blüten der Strauchrose `Westerland` luden zum Flanieren in dem mit viel Liebe gepflegten Garten der Familie Schnellhardt ein. Lauschige Sitzplätze, ein kleiner Pool zum Abkühlen und ein japanisches Kiesbeet mit viel Symbolik bilden die Hauptstrukturen des staudenreichen Hausgartens. Die Ideen kommen nach Worten der Gartenbesitzerin aus Gartenzeitschriften und anderen Gärten und haben sich im Laufe von 30 Jahren Stück für Stück wie ein Mosaik ergeben.

Winterharte Gartenkakteen
Aus der Not eine Tugend gemacht hat Familie Dressel. Da beim Hausbau vor 22 Jahren die Kasse knapp war, wurde bis auf die Rosen und Koniferen fast alles selbst gezogen. Die einst bleibstiftstarke Trauerweide hat sich mittlerweile zu einem imposanten Hausbaum entwickelt unter deren schattigen Ästen man gerne verweilt. Eine Rarität sind die winterharten Kakteen der Gattung Opuntia auf die der Gartenbesitzer sehr stolz ist. Gelb und rot blühen Opuntia phaecantha und rhodantha. Seit 5 Jahren überstehen sie an der Hausmauer ohne Winterschutz die kalte Jahreszeit. Besonders zwei kleine Gartenteiche, in denen bewusst auf Fische verzichtet wird, tragen zum besonderen Flair bei.

Biedermeier pur
Wohl einzigartig im Landkreis Coburg ist der Biedermeier Garten der Fam. Rückert. Eingefasst mit Buchshecken ist der Garten als erweitertes Wohnzimmer im Übergang zur freien Landschaft konzipiert und wurde vor einigen Jahren nach originalen Katastervorlagen wiederhergestellt. Hochstammrosen in weiß, rosa und rot , den Lieblingsfarben von Friedrich Rückert, kombiniert mit Taglilien, Phlox, Pfingstrosen, Frauenmantel und Salbei geben den geometrischen Beeten einen duftigen Charakter. Neben dem Garten konnte dank der Gastfreundschaft von Fam. Rückert auch das Rückert Museum besucht werden.

Stauden werten öffentliche Gebäude auf
Etwas abweichend zu den privaten Gärten wurden nach Aussagen von Kreisfachberater Thomas Neder bewusst auch zwei Staudenpflanzungen vor öffentlichen Gebäuden mit aufgenommen. Sie sollen demonstrieren, dass vor allem die viel frequentierten Eingangsbereiche durch stimmige Staudenpflanzungen extrem aufgewertet werden können und zum positiven Erscheinungsbild mit beitragen. „Einmal eingewachsen, müssen sie nicht viel mehr Pflege als Kleingehölzpflanzungen verursachen“, so der Planer Garten- und Landschaftsarchitekt Klaus Kaiser. Um die Wirkung zu verstärken, wurden die Stauden nicht einzeln wie in einer Wiese verteilt, sondern in Gruppen, die sich aus im Wuchsverhalten und der Blütezeit ergänzenden Stauden zusammensetzen.

Bobby James gibt den Ton an
Nicht zu übersehen ist die wuchtige weiße Rambler-Rose `Bobby James`, die vor dem Firmengebäude der Familie Brehm in einer wuchtigen Blütenmauer von sieben auf fünf Metern zur Zeit ihre volle Pracht entfaltet und die Besucher begrüßt. Ein großer flacher Naturteich, gespeist vom frischen Quellwasser, Nisthilfen für Hautflügler, Fassadenbegrünung und ein stimmungsvoller Hang mit Obstbäumen, weisen die Gartenbesitzer als große Naturfreunde aus. Der Garten ist als Genuss für die Seele konzipiert. Hierzu trägt auch ein schattiger, kreativ gestalteter Sitzplatz, der zum Regenerieren und zum Beobachten einlädt, bei. Auch für die Kunst haben die zwei Gartenliebhaber ein offenes Ohr. Die großformatigen Ergebnisse eines Workshops „Experimentelle Malerei mit Acrylfarben“ gaben dem weitläufigen Naturgarten eine besondere Note.

Ein Meisterwerk in Sachen Restauration präsentierte der Föderverein Heimatpflege Grub am Forst mit dem Reichenbach Haus, das sich in unmittelbarer Umgebung befindet und zu einer beeindruckenden Zeitreise in das Alltagsleben unserer Vorfahren einlädt.

Auf den Spuren von Sepp Holzer und Ruth Stout
Neue Wege der Gartennutzung beschreitet die Familie Grell in Rossach. Wuchtige Hügelbeete, in Kombination mit Bäumen und blühendem Unterwuchs untergliedern die Hangfläche. Auch hier haben Schwierigkeiten mit der konventionellen Nutzung zum Experimentieren angeregt. Ein nasser, schwerer Boden hat im Frühjahr die erste Bestellung weit ins Jahr verzögert. Um diesem auszuweichen, wurde mit Hügelbeeten experimentiert und die Art der Bestellung für gut empfunden. Ziel ist es, möglichst viel zu säen und wenig zu pflanzen. Die Pflanzen sollen hier selbst entscheiden dürfen, wann und wo sie wachsen wollen. Auch auf das Gießen soll weitgehend verzichtet werden.

Dachbegrünung statt Ziegeln
Dass man mit einfachen Mitteln auf einer Gartenhütte eine schicke und zugleich pflegleichte Dachbegrünung realisieren kann, zeigt Familie Scholz ebenfalls in Rossach. Sedum Arten und trockenheitsverträgliche Gräsern zaubern eine stimmungsvolle Note, wo sonst monotone Ziegeln dominieren.

 

Sitzplätze für jede Tages- und Jahreszeit sind ein wichtiges Inventar im
grünen Reich der Fam. Dressel.

Zentral im Garten dominiert Ende Juni die Strauchrose Westerland das
Bild des Gartens von Fam. Dressel

Gut geplante Staudenpflanzungen werten das Bild öffentlicher Gebäude
wesentlich auf und sollten öfter zum Einsatz kommen. Hier in Kombination die hellblaue
Schönaster (Kallimeris incisa `Blue Star`) und die Blütenstände des
Paukenschlegel Lauchs( Allium rosenbachianum `Album`) . Im Hintergrund das heranwachsende Reitgras (Calamagrostis acutiflora `Karl Förster`)

Beeindruckende Ausmaße hat die Rambler Rose Bobby James im Garten
der Fam. Brehm erreicht.


Auf den Spuren von Sepp Holzer und Ruth Stout begibt man sich im Naturgarten
von Fam Grell. Wuchtige Hügelbeete durchziehen den Hang.


Wie attraktiv Dachbegrünung sein kann, zeigt die stimmungsvolle
Bepflanzung der Gartenhütte von Fam. Scholz



Biedermeier pur liefert die geometrische Gartenanlage im Rückert Garten