Stippe und Glasigkeit beim Apfel

Wichtigste nicht parasitäre Schäden im Apfelanbau
 

(TN) Stippe und Glasigkeit gehören bei den Äpfeln zu den häufigsten Schäden, die nicht durch Schädlinge oder Schadorganismen verursacht werden. Es handelt sich hierbei um Stoffwechselstörungen, die von Jahr zu Jahr variieren können und sortentypisch auftreten. Während die Stippe auf einen Calcium Mangel in Frucht beruht, hat die Glasigkeit ihre Ursache in einer Störung des Zuckerstoffwechsels.
Behandlungen sind im Hobbyanbau nach der Ernte leider nicht möglich. Das Wissen über die Ursachen und pflanzenbaulichen Maßnahmen können aber dabei helfen, das zukünftige Auftreten einzuschränken.

Stippigkeit
Stippigkeit äußert sich in Form kleiner 3- 10 mm großer dunkelgrüner bis brauner Punkte im Fruchtfleisch dicht unter der Schale. Die braunen Stellen sind abgestorbene trockene Zellgruppen mit bitterem Geschmack. Die Ursache dieses Schadens scheint darin zu liegen, dass Calcium nach der Aufnahme durch die Wurzel nicht in ausreichender Menge zur Frucht gelangt. Ein Zusammenbruch wichtiger Zellpartien ist die Folge. Dies muss – um es vorweg zu nehmen – nicht zwangsläufig bedeuten, dass im Boden zu wenig Calcium vorhanden ist. Das Problem ist die Verteilung. Die Schäden treten vor allem an Äpfeln im höheren Kronenbereich, auf der Schattenseite der Früchte und in Kelchnähe auf.


Für das Entstehen von Stippesymptomen ist ein ganzer Ursachenkomplex verantwortlich. Nachfolgend einige Ursachen:
Zu hohe Kalium (K)- und/oder Magnesium (Mg)-Gehalte, bzw. ein zu hohes K/Ca- und Mg/Ca-Verhältnis in der Pflanze. Der Calcium-Transport erfolgt vorwiegend zu stark verdunstenden Organen wie Blätter und Triebspitzen. Die Früchte verdunsten wenig und bekommen deshalb nur wenig vom Calcium. Dies ist vor allem in der Hauptwachstumszeit nach der Blüte und bei geringem Behang mit großen Früchten der Fall. Ein sehr starkes vegetatives Wachstum mit vielen kräftigen Neutrieben und Blättern fördert Stippe zudem.


Entsprechend der Menge an Ursachen gibt es einige Gegenmaßnahmen:

· Wahl geeigneter Sorten. Berlepsch und Idared sind z.B. sehr wenig anfällig. Cox Orange und James Griebe gelten als anfällig.
· Bewässerung während der Hauptwachstumsphase der Früchte. Dies wird bei den Hitzeperioden im Sommer immer wichtiger.
· Durch Erziehung und Schnitt auf ein ausgewogenes Blatt/Frucht-Verhältnis achten.
· Sommerschnitt durchführen, um vegetatives Wachstum zu bremsen, die Beschattung der Früchte zu verringern und ihre Verdunstung zu erhöhen.
· Unterdrückung der Alternanz (Ertrag alle 2 Jahre) durch Fruchtausdünnung nach dem Junifruchtfall (vor allem bei Spindelbäumen möglich)
· Gegebenenfalls Spritzung mit Calciumchlorid (CaCl2) oder Calciumnitrat (CaNO3): 0,5-0,8 %ige Lösung, 6-8 Spritzungen ab Mitte Juni/Anfang Juli bei windstillem, warmem, niederschlagsfreien Wetter und geringer Strahlungsintensität; 4-5 Spritzungen im August/September vor der Ernte gelten am effektivsten.
Mit diesen Kulturmaßnahmen lässt sich nicht nur die Stippe einschränken, sondern es werden auch die Lagerfähigkeit verbessert und verlängert sowie andere Störungen, wie Korkfleckigkeit, Fleischbräune und Glasigkeit eingeschränkt.

Glasigkeit
Glasigkeit tritt schon vor der Reife am Baum auf und äußert sich durch glasige Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, wo normalerweise nur Luft sein dürfte. Ursache ist vor allem der Zuckeralkohol Sorbit, der durch seinen hohen osmotischen Druck bewirkt, dass Zellsaft und Wasser in die Zellzwischenräume fließt. Die Folge ist Sauerstoffmangel und Gärung mit Bildung von Alkohol und Acetaldehyd. Geschmackseinbußen und das Auftreten von Fleischbräune können die Folge sein. Je mehr Blätter rein rechnerisch auf eine Frucht kommen und je stärker die Sonnenscheindauer und Sonnenintensität (hierdurch schnellere Reife), desto höher scheint auch der Anteil glasiger Früchte zu sein.


Zur Verringerung von Glasigkeit empfiehlt sich eine Reihe von Gegenmaßnahmen:

· Verzicht auf besonders anfällige Sorten wie Alkmene, Cox Orange, Fuji, Gloster, Goldparmäne
· Durch Erziehungs- und Schnittmaßnahmen einen mittleren Fruchtbehang mit ausgewogenem Blatt/Frucht-Verhältnis anstreben
· Rechtzeitige Ernte, d. h. Äpfel nicht zu lange am Baum belassen
· Für ausreichende Ca-Versorgung der Früchte sorgen
· Glasige Äpfel nach Ernte bei 10-15 °C bis zu 10 Tage zwischenlagern, erst danach ins kühle Lager; Früchte mit mehr als 30 % Glasigkeitsanteil überhaupt nicht lagern.




 

Glasigkeit

Glasigkeit



Stippe

Stippe