Gehölzblüte im November – spielt die Natur verrückt?
 

(TN) Noch vor einigen Jahrzehnten konnte man mit dem ersten Schnee ab Anfang November und dem Zugefrieren des Bodens und damit dem Ende der Vegetationsperiode ab Mitte des Monats rechnen. Heute wird es zunehmend schwieriger, den Verlauf der Witterung und damit den Zyklus der Pflanzen genau vorherzusagen.

Bedingt durch die ausgebliebenen stärkeren Fröste entwickeln sich z.B. Rosenblüten weiter und liefern sogar noch den einen oder anderen bunten Strauß für die Vase. Dies ist im Grunde nichts Außergewöhnliches. Es handelt sich hier auch nicht um einen vorgezogenen Frühling, wie mancherorts vermutet wird, sondern lediglich um das Ausreifen bereits angesetzter Blütenanlagen, die sukzessive noch zur Entfaltung kommen. Besonders aus südlichen Regionen stammende Pflanzen nutzen diese Launen des Wetters zur Verlängerung ihrer Vegetationsperiode.

Eine Pflanze, die hingegen sogar richtig auf den Winter wartet um zu blühen ist z.B. der aus Nordchina stammende Winter-Duftschneeball (Viburnum fragrans). Er blüht bereits im Spätherbst mit dem Laubfall bzw. zu Winterbeginn. Erst wenn die Temperaturen unter Minus 10 Grad fallen, erleiden die Blüten sichtlichen Schaden. Lässt der Frost wie in diesem Jahr auf sich warten, darf man sich über eine umso üppigere Blütenpracht freuen.

Viele Gehölze sind an das kalte Klima im Winter so angepasst, dass ihr erneuter Austrieb von einer bestimmten Summe an Kältegraden abhängt. Kälte wird bei Gehölzen bereits unter 4 Gras plus als Triebimpuls für das Frühjahr empfunden. Aber erst wenn die notwendigen Kältesummen, die bei jeder Gehölzart etwas variieren, erreicht sind, wird es auch bei den Gehölzen wieder richtig Frühling und das neue Treiben, Blühen, Fruchten und Samenbilden beginnt erneut.