Der Speierling
Selten gewordener Wildobstbaum – Größtes heimisches Rosengewächs
 

(TN) Attraktive rote Backen tragen die kleinen Früchte des Speierlings (Sorbus domestica) zu Beginn des Herbstes. Der Spierapfel, wie er auch regional genannt wird, ist in Deutschland mittlerweile sehr selten geworden. Alte Expemplare findet man z.B. noch in Unterfranken. Wegen seines nur noch begrenzten Vorkommens das selten gewordene Wildobst 1993 zum Baum des Jahres gewählt und sporadisch auch im Coburger Land wieder gepflanzt. Der Speierling besitzt ein extrem ausgeprägtes Lichtbedürfnis und ist in dieser Hinsicht in der natürlichen Konkurrenz vielen Baumarten unterlegen. Bei Neupflanzungen kommen daher vor allem lichtreiche Standorte in Frage.
Genießbar sind die 2 bis 4 cm großen apfel- bis birnenförmigen Früchte nur im überreifen Zustand. Der an Gerbstoffen reiche Saft wurde vor allem im Frankfurter Raum in geringen Mengen (1 bis 3%) dem Apfelwein zugefügt um ihn zu klären, seine Haltbarkeit zu verlängern und ihn bekömmlich zu machen. Auch bei vielerlei Krankheiten wurden die Früchte früher angewendet. Sei es bei allgemeinen Schwächezuständen, zur Vitalisierung, bei Magenproblem oder z.B. als Stärkungsmittel im Winter.
Der Speierling besitzt übrigens das schwerste heimische Holz und war früher vor allem für den Bau von Zahnrädern, in der Möbelindustrie und zum Bau von Musikinstrumenten sehr begehrt. Sebastian Bach war der Klang von Speierlingsholz wohl vertraut, da schon damals Orgelflöten und Schalmeien aus dem Holz hergestellt wurden.
In der Natur wird der Speierling je nach Standort etwa 10 bis 20m hoch, wobei auch stolze Exemplare mit 30m Höhe und 600 Jahren bekannt sind. Die Früchte werden von Vögeln und vom Wild als Winternahrung geschätzt.

 
 
Attraktive rote Backen tragen die kleinen Früchte des Speierlings (Sorbus
domestica) zu Beginn des Herbstes.

Fotos: Thomas Neder