Ziersträucher, Rosen und Obstgehölze fachmännisch schneiden
 

(TN) Einen weiten fachlichen Bogen vom Ziergehölzschnitt, dem Schnitt der verschiedenen Rosen- und Clematisgruppen bis hin zum Beeren-, Stein- und Kernobst spannte der theoretische und praktische Teil des Schnittkurses des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V.

Den natürliche Habitus der Gehölze respektieren
Wie wichtig praxisnahes Wissen vor allem beim Ziergehölzschnitt ist, erläuterte Kreisfachberater Thomas Neder anhand zahlreicher Fallbeispiele aus den Hausgärten. Bei den allermeisten Ziersträuchern sei eine kontinuierliche Verjüngung durch ein Herausnehmen alter Triebe an der Basis die beste Möglichkeit, um Habitus und Vitalität des Strauches zu erhalten. Ein fachgerechtes seitliches Ableiten sei zwar eine akzeptable Möglichkeit, um die Breite eines Strauches etwas zu reduzieren, letztlich komme es aber gerade bei der Pflanzenauswahl darauf an, die zukünftige Größe bewusst auf die Platzansprüche abzustimmen. Hier sei Beratung und Fachwissen von großer Bedeutung. Bei edlen Solitärgehölzen wie Magnolien oder Zaubernussarten lasse man am besten die Schere ganz bei Seite. Sommerblühende Clematis Sorten der sog. Viticella Gruppe könnten, vor allem wenn sie in Kombination mit Rosen verwendet werden, im Frühjahr stark zurückgeschnitten werden, um einen kompakten Aufbau bis zur Blütezeit im Sommer zu erreichen. Die Rosen stünden dadurch auch etwas luftiger und blieben länger gesund. Da auch Schnecken die jungen Triebe der Clematis sehr zu schätzen wissen, solle man hier besonders aufpassen. In diesem Fall sei es dann besser, nicht ganz bodennah zurückschneiden, so Neder. Keinen großen Gefallen mache man sich, wenn Frühjahrsblüher wie Clematis montana oder Clematis alpina im Spätwinter zurückgeschnitten werden. Hier würden dann die Blütenansätze für das Frühjahr der Schere zum Opfer fallen. Wenn überhaupt, dann solle man eher nach der Blüte eingreifen, um einen Blütenansatz für das nächste Jahr zu ermöglichen.

Schwache Unterlagen für kleine Gärten
Für kleine Hausgärten seien im Bereich des Kern- und Steinobstes gerade die schwach wachsenden Unterlagen von großer Bedeutung. Während beim Hochstammapfel nach wie vor das System der 3 Leitäste und einer Leitastverlängerung sinnvoll sei, müsse man bei den Spindelformen umdenken. Weniger Schneiden, viel Formieren und den Baum ruhig halten, laute hier die Devise. Welch unterschiedliche Erziehungsvarianten es bei Apfel, Kirsche, Zwetschge, Süß- und Sauerkirsche gibt, zeigte ein Gang durch den winterlichen Lehrgarten.
Auch barocke Erziehungstypen wie die Verrier-Palmette wurden praxisnah erläutert. Mut machte der Kreisfachberater den Teilnehmern, an geschützten Südwänden der Häuser wieder mal Wein anzubauen. Dies komme auch der Pflege des Ortsbildes sehr entgegen. Hier habe sich in Sachen Resistenzzüchtung in den letzten Jahren viel getan und man brauche an guten Standorten in Kombination mit einer robusten Sorte den falschen und echten Mehltau nicht mehr zu fürchten.

Pflegeleiche „columnare“ Apfelbäume
Wer kein Freund großer Schnittaktionen sei, könne mittlerweile auf columnare d.h. Säulenformen der Äpfel zurückgreifen. Im Gegensatz zu den ersten Sorten erreiche ein Teil der Neuzüchtungen durchaus schon Tafelapfelqualität. Bei Kirschen werde mit dem Begriff Säulenkirsche noch etwas übertrieben. Die Sorten seien zwar schmaler wachsend, aber noch keine richtigen Säulen. Das gleiche gelte auch für die sog. Säulenzwetschgen. Als sehr gut habe sich die Sorte `Pruntop` herausgestellt, die bei guter Fruchtqualität regelmäßig fruchte und nur wenig Schnitteingriffe erforderlich mache.

 
 
Einen weiten fachlichen Bogen vom Ziergehölzschnitt, dem Schnitt der verschiedenen Rosen- und Clematisgruppen bis hin zum Beeren-, Stein- und Kernobst spannte der Schnittkurs des Kreisverbandes.
Fotos: Thomas Neder