Pappeln – Ungeliebt aber wirkungsvoll
 

(TN) Sie ist so etwas wie das schwarze Schaf unter den viel gelobten heimischen Laubbäumen – die vielgeschmähte Pappel.

Der schlechte Ruf und der zweifelsohne relativ hohe Pflegeaufwand entlang viel bestandener Straßen haben dazu geführt, dass sie mittlerweile schon zu einer echten Rarität geworden sind - die mächtigen Pappelalleen oder Pappelreihen, die als Landmarken vielerorts auch das Coburger Land prägten und charakterisierten. Zum Glück gibt es sie an einigen Stellen des Landkreises noch.

Kaum eine Baumart wächst in kurzer Zeit so schnell wie die Pappel. Als Pioniergehölz erreichen sie schon nach kurzer Zeit eine beachtliche Höhe. Aus diesem Grund soll schon Napoleon entlang seiner Heerstraßen in regelmäßigen Abständen Pappeln gepflanzt haben um seinen rückkehrenden Truppen die Orientierung zu erleichtern.

Einige Kritikpunkte gegenüber Pappeln sind natürlich nicht von der Hand zu weisen. Der Totholzanteil ist gegenüber anderen Baumarten hoch, der Pflegeaufwand daher intensiv, das Holz recht brüchig, die Wurzeln bereiten öfter Ärger und die Lebenserwartung ist gegenüber einer langlebigen Linde eher bescheiden.

Andererseits sprechen einige Punkte auch für den Erhalt der Pappeln. So schätzen viele Vögel die sichere Höhe der Baumriesen als Schlafstätten oder wählen sie als Brutplätze. Das Laub der Pappeln raschelt schon beim kleinsten Windhauch angenehm mild und bringt Leben auch in die drückende mittägliche Sommerhitze.
Die Pyramidenpappelallee am Ortseingang von Lahm, die vom ortsansässigen Gartenbauverein Anfang der 80er Jahre gepflanzt wurde, zeigt, wie positiv Ortseingänge durch Pappeln begleitet werden können. Das Gleiche gilt für die Pappelallee an der Rothenburger Straße in Seßlach. Für die Seßlacher ist sie ein markantes Wahrzeichen Seßlachs, wenn man vom Süden kommt. Markant trennt noch eine mächtige Pappelallee von Ortsrand von Sonnefeld von der Peripherie Weidhausens und auch das Buchenroder Flurbild trägt die Handschrift einer langen wuchtigen Pappelzeile entlang einer verfüllten Hohlgasse.

Pappel ist nicht gleich Pappel. Auch hier gibt es zahlreiche Arten. Die ausladende Schwarzpappel (Pupulus nigra) liebt nährstoffreiche und gut mit Wasser versorgte Standorte. Dort wächst sie im Laufe weniger Jahrzehnte zu einem wahren Giganten heran. Schlank und grazil wächst die Pyramidenpappel (Populus nigra `Italica`). Sie vermittelt dank ihres extrem schlanken Wuchses schon fast ein wenig Toskana Flair.
Mächtige Bäume bildet die Kanadische Holzpappel (Populus canadensis). Sie wurde vielerorts während und nach dem 2. Weltkrieg als Nutzholzbaum gepflanzt. Problematisch wegen der zahlreichen Ausläufer kann die Zitterpappel (Populus tremula) im eigenen Garten werden. Schon der leichteste Windhauch reicht aus um ihr zartes Laub zittern und rauschen zu lassen. Stark weißfilzig ist das 3-5 lappige Blatt der Silberpappel (Populus alba). Auch sie bildet zahlreiche Wurzelsprosse, weshalb sie sich in kurzer Zeit stark ausbreiten kann.

 

Die Pappelallee an der Rothenburger Straße in Seßlach ist ein markantes Wahrzeichen der historischen Altstadt.


Die Pyramidenpappelallee am Ortseingang von Lahm, die vom ortsansässigen Gartenbauverein gepflanzt wurde, zeigt, wie positiv Ortseingänge durch Pappeln trotz ihrer "Problematik" begleitet werden können.
   

Markant trennt eine mächtige Pappelallee den Ortsrand von Sonnefeld von der Peripherie Weidhausens.



Auch das Buchenroder Flurbild trägt die Handschrift einer langen wuchtigen Pappelzeile entlang einer ehemaligen Hohlgasse.

 
Fotos: Thomas Neder