„Erste Hilfe“ für den Apfelbaum
 

(TN) Nicht selten kommt es an Stämmen von Apfelbäumen zu größeren Schäden - sei es durch Mäuse- und Hasenfraß, Krebsbefall, mechanischen Verletzungen oder durch Frostrisse.

Eine mangelhafte Versorgung der Krone, Wuchsdepressionen oder gar der Ausfall des Baumes können die Folge sein.

Man kann es fatalistisch sehen und es der Vitalität des Baumes überlassen, ob er den Schaden übersteht oder nicht. Passionierten Gärtnern fällt dieses stoische Abwarten aber schwer und so suchen sie nach Möglichkeiten, dem Baum zu helfen.

Eine traditionelle Methode der ersten Hilfe, mit der man in einer Art „by-pass“ größere Wunden am Stamm überbrücken kann, ist die Technik des seitlichen Einspitzens von Stammausschlägen oder das Einspitzen von Edelreisern. Die „Ammen“, wie man die Veredlungsbrücken auch nennt, sorgen nach dem Anwachsen für eine bessere Versorgung der betroffenen Kronenpartie, indem sie den Nährstoff- und Wasserfluss, der durch die Wunde blockiert ist, zumindest teilweise übernehmen. Je nach Größe der Wunde sind eine oder mehrere über die Wunde gelegte Brücken möglich und sinnvoll.

Zuvor sollten Krebsstellen sauber ausgeschnitten und Wundränder mittels Hippe geglättet werden. Obwohl sich die moderne Baumpflege gegen Wundverschlussmittel ausspricht, ist es kein Geheimnis, dass so mancher erfahrener Obstbauberater fungizidhaltige Wundverschlussmittel nach dem Ausschneiden von Krebswunden empfiehlt. Anwender und Kenner Effektiver Mikroorganismen stellen aus dem sog. EMa und EM-X-Keramikpulver eine Paste her und streichen damit den die Wundflächen ein und berichten von guten Erfolgen

Das seitliche Einspitzen gelingt am besten, wenn die Rinde des Baumes löst. Die Zeit kurz vor oder während der Blüte ist dafür gut geeignet.

Die Länge des Veredlungsreises ergibt sich aus der Größe der Wunde. Das Einspitzen erfolgt ins gesunde Holz ca. 5-8 cm über und unter der Wundfläche. Da das Reis beim Einsetzen leicht gebogen wird, können zur Längenbestimmung des Reises ruhig einige cm dazu gegeben werden.

Zum Einpassen des Edelreises erfolgt ca. 5-8cm ober- und unterhalb der Wunde ein T-Schnitt. Unterhalb der Wunde als normales T. Oberhalb der Wunde steht das T bildlich gesehen auf dem Kopf. Einem ca. 3cm langen senkrechten Schnitt folgt ein etwa 2cm breiter waagerechter Schnitt. Zusammengesetzt ergeben sie die Form eines T. Der Schnitt sollte sauber und fest mit einem scharfen Veredlungsmesser mit glatter Klinge durchgeführt werden, damit die Rinde auch vollständig durchtrennt ist. Bei schon etwas dickerer Rinde ist hierzu etwas Kraftaufwand nötig. Mit Hilfe des Messers oder eines Holzstöckchens lassen sich die Rindenflügel vorsichtig aufklappen und sind nun bereit für die Aufnahme des Edelreises.

Um einen guten Kontakt des Reises mit dem freigelegten Kambium zu ermöglichen, ist vor allem bei dickerer Rinde noch ein Zusatzschnitt nötig. Hierbei wird auf dem waagerechten Teils des T noch ein halbmondförmiger Schrägschnitt in Richtung Reis angebracht.

Der Schnitt am Edelreis geschieht als langgezogener glatter Kopulationsschnitt jeweils am oberen und unteren Ende.

Nach dem Einsetzen des Reises - die Augen des Reises zeigen beim Einsetzen nach oben – wird am besten mit einem Veredlungsband straff verbunden. Mögliche Hohlräume zwischen Veredlungsband und Rinde werden noch mit einem Veredlungswachs (z. B. Maywax) versiegelt, damit kein Regenwasser in die Wundeflächen laufen kann. Ist das Reis nach dem Einpassen zu stark gewölbt, kann es mit einer Schnur in der Mitte der Wunde fixiert und wieder etwas Richtung Stamm gezogen werden. Hierdurch wird der Kontakt am T-Schnitt noch erhöht.

Nach 3-4 Monaten sollte das Edelreis und der Stamm verwachsen sein und man kann vorsichtig damit beginnen, das Veredlungsband zu lösen.

Bei Stammwunden dicht am Boden bildet der Baum oft von sich aus neue Stammaustriebe. Diese können im jungen Zustand sehr gut alternativ zu Edelreisern verwendet werden. Hier ist dann nur noch ein T- Schnitt über der Wunde zum Einspitzen des stammbürtigen Austriebs notwendig.

Manchmal verheilen größere Wunden nach einigen Jahren von selbst, so dass die Ammen wieder entfernt werden können. Sie können aber auch bleiben und verwachsen dann oft von Jahr zu mehr und mehr mit dem Baum.

(Ammenveredlungen wurden z. B. im Obstmuttergarten des Kreisverbandes am Ortsrand von Einberg, Richtung Blumenrod, durchgeführt. Der Obstmuttergarten ist frei zugänglich)

 
Eine traditionelle Methode der ersten Hilfe, mit der man in einer Art „by-pass“ größere Wunden am Stamm überbrücken kann, ist die Technik des seitlichen Einspitzens von Stammausschlägen oder das Einspitzen von Edelreisern.
 
Das seitliche Einspitzen gelingt am besten, wenn die Rinde des Baumes löst. Die Zeit kurz vor oder während der Blüte ist dafür gut geeignet.

 

Fotos: Thomas Neder