Die Mistel – mehr als ein weihnachtliches Glückssymbol
 

Lebensweise
Die Mistel (Viscum album), ein Sandelholzgehölz, zählt zu den parasitischen Blütenpflanzen. Da sie in der Lage ist, durch Photosynthese organische Substanz selbst herzustellen, aber von Ihrem Wirt das Wasser und die Nährstoffe benötigt, zählt sie zu den Halbparasiten.
Ihre Verbreitung wird zum einen von der Winterkälte begrenzt, zum anderen richtet sich Ihre Verbreitungsintensität nach dem Vorkommen der Wirtsbäume. Häufig findet man sie auf Pappel, Weide, Linde, Vogelbeere und Birke. Selten kommt sie auf Eiche, Esche, Hainbuche, Birne und Kirsche vor.
Als aufsitzender Sprossparasit vermindert die Mistel die Vitalität des Wirtes und kann sogar zum vorzeitigen Absterben führen. Neuerdings wurde in Gebieten mit starken Waldschäden eine deutliche Zunahme des Befalles mit Misteln festgestellt.

Verbreitet werden die Samen der Misteln durch Vogel. Gefressene Samen durchlaufen den Verdauungstrakt der Vögel und werden andernorts wieder ausgeschieden oder werden am Schnabel, bzw. am Gefieder haftend an Ästen abgestreift.

Brauchtum und Mythologie
Im Brauchtum der Kelten und Germanen kommt der Mistel eine zentrale Bedeutung zu. Auch die Gallier verehrten sie. Neben Eisenkraut, Bärlapp und Bilsenkraut zählte die Mistel zu den wichtigsten Heilpflanzen der Druiden. Wie hoch die Mistel in der Gunst unserer Vorfahren stand, mögen die Zeilen von Gaius Plinius Secundus (23-79 n. Chr.) belegen: „Nicht zu vergessen ist hierbei die hohe Mistelverehrung bei den Galliern. Nichts habe die Druiden was ihnen heiliger wäre als die Mistel und der Baum auf dem sie wächst. Schon an sich suchen sie Haine mit Wintereichen auf und sie verrichten keine heilige Handlung ohne deren Blätter ...“ Nach Plinius galt die Mistel, die im Haus und im Stall aufgehängt wurde, auch als Schutz gegen böse Geister und Blitzgefahr. Um ihre Wirksamkeit zu behalten, musste sie mit einem Pfeil abgeschossen oder mit Steinen heruntergeworfen werden und durfte beim Herabfallen die Erde nicht berühren.

Die heidnische Verehrung der Mistel fiel auch mit den christlichen Feiern der Weihnachts- und Neujahrszeit zusammen. Als Symbol der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels ist sie sehr viel älter als der Tannenzweig und der Tannenbaum, dessen Vorkommen sich erst im 16. bzw. 18. Jahrhundert nachweisen lässt.
In Gebieten, in denen sich noch Rudimente altkeltischer Überlieferung nachweisen lassen, ist die Mistel als Glücksbringer geschätzt. „No mistletoe, no luck” (kein Glück ohne Mistelzweig) heißt es z.B. noch immer in England, wo vor allem an Weihnachten und Neujahr ein Mistelzweig ins Zimmer gehängt wird.

Die Mistel als Heilpflanze
Als Heilpflanze hat die Mistel eine lange Geschichte. Bereits der griechische Arzt Hippocrates (460-377 v. Chr.) verwendete sie gegen Milzsucht. Im Mittelalter wurde sie gegen Epilepsie eingesetzt und fehlte bis ins 18. Jahrhundert in keinem Kräuterbuch. In der heutigen Zeit wird sie z.B. gegen Bluthochdruck, Altersbeschwerden und Arteriosklerose eingesetzt. Auch in der Homöopathie und der antroposophisch orientierten Medizin hat sie Eingang gefunden.


 

Die Mistel (Viscum album), ein Sandelholzgehölz, zählt zu den parasitischen Blütenpflanzen. Da sie in der Lage ist, durch Photosynthese organische Substanz selbst herzustellen, aber von Ihrem Wirt das Wasser und die Nährstoffe benötigt, zählt sie zu den Halbparasiten.
Foto: Neder