Äpfel in beeindruckender Vielfalt
Kreisverband und OGV Elsa verführen Besucher in die Welt des Apfels
 

(TN) Weit mehr als 1000 Apfelsorten sind inzwischen bekannt, genau bestimmt und mit teilweise klangvollen Namen benannt. `Roter Astrachan` als leuchtend rote Frühsorte, `James Grieve` als rot gestreifter Frühapfel, oder `Harbarts Renette` als schmackhafter Winterapfel sind nur einige Beispiele des reichhaltigen Sortiments alter Apfelsorten. Sehr bescheiden nimmt sich dagegen das übliche Handelssortiment an Äpfeln aus, das fast schon geschmacksnivelliert nur einen engen Korridor an Geschmacksnuancen widerspiegelt.

Etwa 70 lokale Apfelsorten zeigte eine Apfelausstellung rund um den Apfel, die der OGV Elsa zusammen mit dem KV Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V. als stimmungsvollen Ausklang des Gartenjahres 2010 veranstaltete. 1. Vorsitzender, Landrat Michael Busch zeigte sich in seiner Eröffnungsrede beeindruckt vom ansprechenden Ambiente der Ausstellung, die der OGV Elsa mit seiner 1. Vorsitzenden Ute Schade vorbereitet hatte. Sein Dank galt den vielen Helferinnen und Helfern, die nicht nur die Ausstellung, sondern auch ein umfangreiches Rahmenprogramm rund um den Apfel vorbereitet hatten. Neben Kürbiswettbewerb, offener Gartenpforte, Infos zum Lautenbau, Drechselarbeiten aus Holz und einem Holzlehrpfad, gab es auch frisches Gemüse und Obst aus heimischem Anbau. Der LBV Bad Rodach informierte mit einem Stand über Möglichkeiten des Vogelschutzes im Hausgarten. Leckere veredelte Obstprodukte wie z.B. köstlichen Himbeer-Limes oder schmackhaften Gelee aus der urgesunden Apfelbeere hatten die Damen des OGV für die Gäste vorbereitet. Auch frische Maronis durften jetzt im Herbst nat. nicht fehlen.

Wer wollte, konnte eine Reihe von Re- und Pi-Sorten aus dem Obstlehrgarten des Kreisverbandes am Landratsamt Coburg verkosten und sich rechtzeitig zur Pflanzzeit einen realistischen Eindruck von der geschmacklichen Wertigkeit der neuen Sorten verschaffen.

Leuchtend gelb zog in der Apfelausstellung die seltene Sorte `Galloway Pepping`, der tiefrote `Danziger Kantapfel` oder die edle `Goldrenette von Blenheim` die Blicke der Besucher auf sich.

Eine besondere Attraktion der Veranstaltung war die Sortenbestimmung durch Dr. Werner Schuricht aus Jena, der als einer der besten Sortenkenner in Deutschland gilt. Er hatte alle Hände voll zu tun, denn die Besucher brachten nicht nur zwei oder drei, sondern gleich körbeweise Apfel- und Birnensorten mit und warteten in langer Schlange geduldig und mit viel Neugier auf die Namenstaufe ihres mitgebrachten Apfels. Dank seines über Jahrzehnte geschulten Blickes für die verräterischen Details eine Apfels, wie Stil, Kelch, Schale, Geruch, Konsistenz, Form oder Farbe gelang dem Fachmann auch in erstaunlich vielen Fällen eine sichere Bestimmung. Klappte diese manchmal auf den ersten Blick, wurde in hartnäckigen Fällen auch mal der Kern, eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale des Apfels, freigelegt und mit Akribie begutachtet und bewertet. Ab und zu musste man sich auch mal mit einem Fragezeichen begnügen, was aber die Schwierigkeit der Sortenbestimmung nur verdeutlichte.

Die Ausstellung und Bestimmung mitgebrachter Äpfel demonstrierte eindruckvoll, wie facettenreich und variabel das Sortiment fränkischer Streuobstwiesen sein kann. Der Erhalt dieser genetischen Vielfalt war schon immer ein Anliegen der Coburger Obst- und Gartenbauvereine. Auch dem Kreisverband liegt die Bewahrung alter lokal wertvoller Sorten sehr am Herzen. Eine jährlich stattfindende Edelreiseraktion und ein Veredlungskurs unterstützen die Verbreitung und den Erhalt erhaltenswürdiger Sorten praxisnah. Reiserlisten für die eigene Veredlung werden zum Jahresende an die Vorsitzenden der Obst- und Gartenbauvereine verteilt oder können von nicht organisierten Mitgliedern bei Kreisfachberater Thomas Neder am LRA Coburg angefordert werden.

 

Neben der Apfelausstellung konnten eine Reihe von Sorten aus dem Obstlehrgarten verkostet werden. Besonderen Anklang fanden hierbei die vollreifen Bayernkiwis, die zwar wesentlich kleiner als ihre großen Verwanden sind, es aber in Sachen Geschmack locker mit ihr aufnehmen können.

Wie facettenreich das Sortiment heimischer Apfelsorten sein kann, zeigte die Apfelausstellung in Elsa, die mehr als 70 Apfel- und Birnensorten präsentierte.
(von links. 1. Vorsitzende OGV Elsa Ute Schade, 1. Vorsitzender Landrat Michael Busch, Dr. Werner Schuricht, Altlandrat Karl Zeitler, Monika Zeitler, 2. Bürgermeister Axel Dorscht.)
Foto: Neder