Die Rebblaus ist zurück
Der Schrecken der Winzer treibt wieder sein Unwesen
 

(TN) Ob es nun der Klimaerwärmung zuzuschreiben ist, oder ob nun andere Faktoren daran schuld sind, ist eigentlich sekundär. Das Schlimme daran ist, dass die Reblaus auch in unseren Regionen dabei ist, sich wieder auszubreiten und sich bei uns zu etablieren. Ganz verschwunden war sie zwar nicht wirklich, konnte sich aber wegen der Verwendung von Pfropfreben nie epidemieartig ausbreiten. Im Jahr 2009 ist die Reblaus an Hausreben in Franken wieder aufgetreten. Ganz besonders jetzt zu Beginn der Pflanzzeit sollte man darauf achten, nur veredelte Weinreben zu pflanzen.

Schon kurz nach ihrer Einschleppung aus Amerika, die wohl um das Jahr 1860 zusammen mit dem Import bewurzelter Wildreben erfolgt sein dürfte, brachte die „verwüstende Blattvertrocknerin“, wie man die Reblaus damals auch nannte, den europäischen Weinbau an den Rande des Zusammenbruchs.

Als man Mitte des 20. Jahrhunderts den Weinbau konsequent auf robuste Pfropfreben (Pflanzen bestehend aus Unterlage und Edelsorte) umstellte, wurde das Problem zusehends geringer. Seit Beginn der der 90 Jahre ist der gefürchtete Schädling jedoch wieder auf dem Vormarsch.

Als Schadbilder sind oberirdisch knötchenartige Verdickungen auf der Unterseite sich entfaltender Blätter typisch. Später entwickeln sich hieraus tropfenförmige Blattgallen. Die Blätter können nach dem Befall verkrüppeln. An den Wurzeln findet man zum einen birnenförmige Verdickungen und zum anderen lokale Schwellungen des Rindengewebes hinter den Wurzelspitzen. Während robuste amerikanische Unterlagen veredelter Weinreben den Befall gut verkraften, kommt es bei unveredelten, aus Steckhölzern vermehrten europäischen Reben, schnell zu Fäulnis, wodurch die Wurzel zerstört wird.

Komplexer Vermehrungszyklus
Wegen der unterschiedlichen ober- und unterirdischen Symptome vermutete man früher zwei verschiedene Lausarten. Heute weiß man, dass die Reblaus sowohl über, als auch unter der Erde ihr Unwesen treibt. Der Vermehrungszyklus ist kompliziert. Der unterirdische Zyklus beginnt mit an der Wurzel überwinternden Wurzelläusen. Ab etwa 20 Grad Bodentemperatur werden bis zu 800 gelbe Eier abgelegt. Die schlüpfenden Jungläuse saugen an den Wurzeln und verursachen Schwellungen. Damit einhergehen oft Wurzelfäule, was zum Absterben der Pflanzen führen kann. Ein Teil der Wurzelläuse überwintert im Wurzelbereich, ein anderer Teil verlässt im Sommer die Erde und verbreitet sich mittels Flügel, die bei dieser Generation entstehen, im Bestand der Reben. Aus den Eigelegen entstehen nun männliche und weibliche Tiere. Nach der Begattung legt das Weibchen ein einziges Winterei auf das Holz mehrjähriger Weinreben. Nach dem Winter schlüpft im April/Mai die Junglaus und verursacht an den Blättern die sog. Maigalle. Dort legt sie bis zu 1200 leuchtend gelbe Eier. Die schlüpfenden Junglarven verlassen die Galle und wandern zu den Triebspitzen. Dort entstehen im Laufe des Sommers in einem ungeschlechtlichen Zyklus bis zu sechs Generationen. Durch die Saugtätigkeit wird vor allem die Blattentwicklung gestört und damit die Assimilationsleistung stark herabgesetzt.

Nur noch Pfropfreben pflanzen
Nachdem im Hausgarten keine offiziellen Mittel zur Bekämpfung zugelassen sind, bleibt vor allem nach wie vor nur die Verwendung von Pfropfreben mit einer robusten Wurzelunterlage das Mittel der Wahl. Der Vollständigkeit wegen muss aber auch erwähnt werden, dass die Widerstandsfähigkeit der Unterlagen ihre Grenzen hat. Eventuelle Unterlagenausschläge und Edelreiswurzeln sollte man auf jeden Fall entfernen. Zudem sollte man beim Kauf darauf achten, dass das verwendete Pflanzgut reblausfrei ist. Steckholzvermehrte Weinstöcke, wie sie kürzlich im Handel aufgetaucht sind, sollten nicht mehr gepflanzt werden. Natürliche Feinde der Rebläuse sind z. B. Florfliegenlarven, Marienkäfer, Schwebfliegen, Wanzen oder Spinnen.

Coburger Weinlese am 1. Oktober
Informationen zu den Weinrebsorten, die im Obstlehrgarten des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V. angebaut werden, gibt es anlässlich der „Coburger Weinlese“ am 1. Oktober im Obstlehrgarten am Landratsamt Coburg. Ab 14 Uhr können von interessierten Gartenfreunden die im Lehrgarten angebauten Weinrebsorten verkostet und beurteilt werden.

 

Informationen zu den Weinrebsorten, die im Obstlehrgarten des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V. angebaut werden, gibt es anlässlich der „Coburger Weinlese“ am 1. Oktober im Obstlehrgarten am Landratsamt Coburg. Ab 14 Uhr können von interessierten Gartenfreunden die im Lehrgarten angebauten Weinrebsorten verkostet und beurteilt werden.



Im Jahr 2009 ist die Reblaus an Hausreben in Franken wieder aufgetreten. Ganz besonders jetzt, zu Beginn der Pflanzzeit, sollte man darauf achten, nur veredelte Weinreben zu pflanzen.
(Im Bild: Mitarbeiter einer Rebbaumschule beim Veredeln)

Fotos: Neder