Blütensinfonie in weiß gelb und rosa - Der Auwald blüht
 

(TN) Der Auwald ist ein einzigartiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Bevor das grüne Laubdach seinen dichten grünen Schirm schließt und das Licht nur noch gedimmt auf den Boden fällt, ist der humose lockere Waldboden des Bürgerparks Hain im Bamberg mit fast endlosen Blütenteppichen überzogen. Rosa, gelb und weiß leuchtet das Blütentrio bestehend aus Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Waldwindröschen (Anemone ranunculoides) und Lerchensporn (Corydalis cava) schon aus der Ferne. Die kleinen Blütenzwerge haben es alle eilig. In einem Wettlauf mit der Zeit geht es darum, das energiereiche Licht, das jetzt noch fast ungebremst auf den Waldboden trifft, zu nutzen und in kürzester Zeit vom Austrieb bis zur Blüte und Samenbildung alle Entwicklungsstadien zu durchlaufen, bevor es wieder in die lange Sommerpause geht.

Wirken im Hausgarten ständiges Laubharken, Hacken und Bodenbearbeitungsmaßnahmen dem Ausbreitungsdrang der Mullbodenkriecher, zu denn vor allem die Anemonen gezählt werden, entgegen, können Sie sich im Auwald ungehindert ausbreiten. Herab fallendes Laub schützt in der kalten Jahreszeit die empfindlichen Rhizome und liefert durch allmählichen Zerfall eine langsam fließende, mild wirkende Nährstoffquelle.

Nach dem Winterling haben Lerchensporn und Windröschen ihren großen Auftritt. Der 20 bis 30 cm hohe Lerchensporn (Corydalis cava) ist in seiner Blüten recht variabel. Weiß, rosa und purpurn leuchten die zart duftenden Blüten. Auffällig ist vor allem ein zwei bis drei cm langer gekrümmter Blütensporn. Hierin befindet sich reichlich Nektar, der vor allem langrüsselige Insekten anlockt und zur Bestäubung der Blüten verführt. Hierbei gibt es aber auch richtige Nektarräuber wie kurzrüsselige Hummeln, die kurzerhand den Sporn durchbeißen um an die süße Kostbarkeit zu kommen, da ihr Rüssel nicht bis zur süßen Schatzkammer reicht. Dies ist nat. nicht im Sinne der Pflanzen, da der Nektarraub ohne Bestäubung vonstatten geht. Die Samen des Lerchensporns entwickeln sich in blassgrünen schotenförmigen Kapselfrüchten und reifen im Mai. Ameisen, die durch die fettreichen Anhängsel am Samen angelockt werden, sorgen für deren Verbreitung. Die Pflanze überdauert bis zum erneuten Austrieb in einer walnussgroßen kugeligen Knolle. Diese umfasst einen Hohlraum, in dem sich bei ausgewachsenen Exemplaren Tochterknollen entwickeln können. Diese Eigenart führte auch zur Namensgebung „Hohler Lerchensporn“.

Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides) findet man oft in lockeren Verbänden mit dem Lerchensporn. Das Buschwindröschen kommt zum einen häufiger vor und ist auch was seinen Standort angeht, anpassungsfähiger. Neben Auwäldern findet man größere Bestände der Windröschen in Buchen-Mischwälder, Eichen-Hainbuchenwäldern oder unter Heckenzügen. Beide Windröschen sind typische Mullbodenkriecher. Nach der Samenbildung, die in gelblichgrüner Balgfrüchte reifen und anschließend verstreut werden, überdauert die Pflanze in einem etwa 30 cm langen kriechenden Wurzelstock, der die Nährstoffe speichert. Während das eine Ende des Rhizoms aus einer Schuppe wieder austreibt, stirbt es am anderen Ende wieder ab.

Will man Windröschen im Garten dauerhaft ansiedeln, muss die Laubschicht unter den Sträuchern unbedingt erhalten bleiben und eine Bodenbearbeitung unterbleiben.

Fotos: Thomas Neder