Comeback des Alpenveilchens

 

(TN) Modetrends kommen, Modetrends gehen. Alpenveilchen wurden schon seit weit über 100 Jahren kultiviert. Um 1620 sollen die ersten Exemplare nach Paris gekommen sein. 1881 sorgte die erste deutsche Sorte `Rosa von Marienthal` für große Bewunderung.

Vor einigen Jahren noch galt Cyclamen persicum, wie es botanisch genannt wird, als „verstaubt“ und nicht mehr „en vogue“. Dank einer ganzen Palette gefälliger Neuzüchtungen mit attraktiven Farbtönen erlebt die alte Topfpflanze eine echte Renaissance. Gefranste oder gewellte Blütenblätter im Biedermeierlook, kleine pfiffige Sorten als „Midis“, opulente Exemplare als stattliche XXL Pflanzen oder auch zweifarbige Duette im Topf haben das Image des Alpenveilchens wieder ordentlich aufpoliert.

In den letzten Jahren wurden vermehrt Wildalpenveilchen mit den großblütigen Kulturformen gekreuzt. Das Ergebnis kann sich in Form sog. „Miniaturhybriden“ sehen lassen. Besonders vorteilhaft sind die straff aufrecht wachsenden Blüten und der geringe Platzbedarf der „Midis“. Sie sind zwar kälteresistenter, aber im Freiland nicht winterhart.

Weit mehr als eine Wegwerfpflanze
Das Alpenveilchen (Cyclamen persicum) ist weit mehr als nur eine Wegwerfpflanze mit vorprogrammiertem Verfallsdatum. Respektiert man seine Ansprüche, kann man es über viele Jahre vital und gesund halten.

Kühl und hell-schattiger Standort
Ein kühler und hell-schattiger Platz wird vom Alpenveilchen besonders geschätzt. Grelle Sonne mag die Kulturform gar nicht. Bei Temperaturen. zwischen 12 und 18 Grad fühlt sich das Alpenveilchen so richtig wohl und man hat viel länger Freude an den herrlichen Blüten, als an einem viel zu warmen Platz über der Heizung. Die Pflanze bleibt deutlich vitaler und erschöpft nicht so schnell. Früher gab man ihm übrigens einen Platz zwischen den Doppelfenstern an der Nordseite des Hauses.

Weiterkultur nach der Blüte
Alpenveilchen sind ausdauernde Pflanzen, die mit Hilfe von Knollen widrige Jahreszeiten überdauern können. Diese Eigenschaft hat es Ihnen als Wildpflanzen ermöglicht, in ihren heißen und trockenen Heimatgebieten am Mittelmeer und in Kleinasien mit Sommertemperaturen von über 40 Grad zu überleben. Wird es ihnen zu heiß, nehmen sie sich einfach eine wohlverdiente „Auszeit“, ruhen in der Hitze des Sommers und wagen sich erst wieder mit Beginn der kühleren und feuchteren Jahreszeit aus der Deckung. Erst dann fangen die Blätter, die nach der Blüte allmählich vertrocknen, wieder an zu wachsen.

Diese für Wildalpenveilchen typische Auszeit braucht man bei den Kulturtypen nicht zwingend einzuhalten. Öfter haben eingezogene Kulturpflanzen Probleme, im Spätsommer wieder richtig in Schwung zu kommen.

Wichtige Pflegetipps
Abgeblühtes und gelbe Blätter werden laufend mit einem kurzen Ruck ausgezupft. Ansonsten hält man die Pflanze in der Regel weiterhin flott in Kultur und sorgt auch im Sommer stets für eine schwache Feuchtigkeit. Ab Ende Mai kann man dem Alpenveilchen einen halbschattigen Platz im Freien gönnen. Nach dem Topfen sollte die Knolle 1/3 bis 2/3 aus der Erde herausragen.
Das Gießen verlangt etwas Fingerspitzengefühl. Am besten sorgt man stets für eine leichte Feuchtigkeit. Die Erde sollte nicht ganz austrocknen, aber auch keinesfalls zu nass sein. Hierauf reagieren die aparten Winterblüher besonders empfindlich und werden dann schnell von Pilzen befallen. Gegossen wird keinesfalls direkt auf die Knolle, sondern in den Topfrand oder auch in den Untersetzer. Nicht aufgesaugtes Wasser schüttet man weg. Mit dem Gießen kann man während der Blütezeit alle 1-2 Wochen einen Flüssigdünger ausbringen.

Fotos: Thomas Neder