Winterschäden an Obstbäumen
 

(TN) Wenn die Sonne langsam wieder an Stärke zunimmt und auf die ungeschützte Südseite der Obstbaumstämme scheint, steigt die Gefahr von Frostrissen. Grund hierfür ist der große Temperaturunterschied zwischen der sonnenbeschienenen und der sonnenabgewandten Seite des Baumes. Schaderregern wird durch Frostrisse Tür und Tor geöffnet und häufig besiegeln große Risse im Stamm den Anfang vom Ende eines Obstbaumes.

Um dies zu vermeiden oder zu reduzieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Effektiv sind handelsübliche Weißanstriche, mit denen die Stämme spätestens jetzt bis in den Kronenansatz eingestrichen werden sollten. Je nach Produkt, muss der Anstrich alle paar Jahre wiederholt werden, da die Farbe sukzessive vom Regen wieder abgewaschen wird. Wer sich eine Kalkmilch für den Stammanstrich selbst herstellen will, kann folgendes Rezept versuchen: 10l Wasser, 2,5 kg Branntkalk und 250 g Kasein (in Drogerien erhältlich) zur besseren Haftung.

Durch die helle Farbe werden die Sonnenstrahlen reflektiert und die Temperaturunterschiede zwischen Stammvorder- und Rückseite reduziert. Die Gefahr von Frostrissen nimmt hierdurch ab. Oft hilft auch einfach ein Brett, das man als Schattierung an die Südseite stellt. Auch die handelsüblichen Anti-Knapp Fraßschutzmanschetten, die junge Bäume vor Hasenfraß schützen, wirken zumindest etwas schattierend. Ein zusätzlicher Weißanstrich ist ideal.

Aus der Trickkiste alter Obstbauern
Kleine Frostrisse wurden von alten Obstbauexperten mit einem Pressverband behoben. Dieser hat den Zweck, ein weiteres Aufreißen des Stammes zu verhindern und eine Verheilung zu fördern. Hierzu legt man, oberhalb der Wunde beginnend und bis unterhalb der Wunde führend, einen festen Schnurverband an. Die Schnurbahnen sollten hier etwa 3-4 cm auseinander liegen. Neben einer festen Schnur kann der Pressverband auch mit 1-2cm breiten Gummibändern hergestellt werden. Der Schnurverband kann entfernt werden, wenn der Wundkallus den Frostriss überwachsen hat

Sind größere Frostrisse oder Frostplatten aufgetreten, kann man es mit einem weiteren traditionellen Rezept versuchen. Alte Obstbauern berichten von guten Erfolgen, nachdem sie aufgetretene Risse mit einer Mischung aus Lehm, dem eine Portion frischer Kuhfladen beigemischt wurde, verstrichen und mit Sackleinen umwickelt haben. Dies mag u.a. auch an den sog. Auxinen (Wachstumshormonen) liegen, die im Kuhmist enthalten sind und den Überwallungsprozess fördern sollen. Auch Zusätze von Schachtelhalmbrühe und Steinmehl sollen sich fördernd auf die Heilung der Wunde auswirken.

Das gleiche Rezept hat man früher auch nach harten und schneereichen Wintern angewandt, wenn bei jungen Obstbäumen die Rinde von hungrigen Hasen und Kaninchen abgeknappert wurde. Die Erfolgsaussichten steigen, wenn die Rinde zumindest nicht ringsum zerstört wurde und noch einige Leitungsbahnen intakt sind.

Eine andere Variante der ersten Hilfe, die man ausprobieren kann, ist das Einbinden der geschädigten Baumpartie mit einer schwarzen Folie. Die Wundpartien können vorher mit feuchtem Moos ausgekleidet werden. In Ermangelung gut wirksamer Alternativen sind die geschilderten Maßnahmen zumindest einen Versuch wert.

„By-bass“ überbrückt Wundflächen
Wer geschickt im Veredeln ist, kann größere Wundflächen mittels Tittelpfropfung überbrücken, indem er mit einem oder mehreren Reisern quasi einen „bypass“ über die Wunde legt.

Fotos: Thomas Neder

 
Junge ungeschützte Apfelbäume sind für hungernde Hasen in harten Wintern eine willkommene Nahrungsquelle.

Durch die helle Farbe des Weißanstrichs werden die Sonnenstrahlen reflektiert und die Temperaturunterschiede zwischen Stammvorder- und Rückseite reduziert. Die Gefahr von Frostrissen nimmt hierdurch ab.
Mit etwas Veredlungsgeschick können größere Wunden an Stämmen mit einer einem "by-pass" überbrückt werden. Große Temperaturunterschiede zwischen Sonnen- und Schattenseite des Stammes verursachen häufig Frostrisse.