„Kiesgärten“ im Trend
 

(TN) Die Tendenz zu geringeren Niederschlägen in den Sommermonaten lassen im privaten Bereich verstärkt den Wunsch nach pflegeleichten Gärten ohne großen Gießaufwand wachsen. Aber auch Gartenbauvereine nutzen bei Pflanzungen im halböffentlichen oder öffentlichen Grün mit Erfolg verstärkt diese die Verwendung trockenheitsverträglicher Pflanzungen. Häufig wird der Begriff Kiesgarten aber falsch interpretiert. Damit die Sache auch wirklich klappt, gilt es einiges zu beachten:

Standort:
Der sog. Kiesgarten ist auch in kleiner Dimension möglich. Ein wenig Kies auf der Oberfläche verteilt, macht allerdings noch keinen richtigen Kiesgarten! Hierzu muss der Untergrund in der Regel vorbereitet werden. Der Umfang hängt von der Art des Bodens ab. Am besten eignen sich Flächen, die zur Sonne exponiert sind. Leichte, durchlässige Böden, in denen das Regenwasser leicht versickert, lassen sich relativ einfach vorbereiten. Ist eine Grasnarbe vorhanden, wird diese abgeschält und der Boden tiefgründig gelockert. Sind Wurzelunkräuter vorhanden, müssen diese so sorgfältig wie möglich (am besten mit einer Grabgabel) entfernt werden. Event. kann der Boden mit Splitt noch etwas abgemagert werden.

Bodenvorbereitung:
Schwere tonige Böden machen die Sache kompliziert und erfordern einen Bodenaustausch. Liegt die Fläche an einem Süd- oder Südwesthang, an dem das Wasser ablaufen kann, mag sich der Aufwand lohnen. Ansonsten ist in solchen Fällen das Projekt Kiesgarten eher fraglich. Bei schweren Böden muss der Untergrund ausgetauscht und durch ein geeignetes Substrat ersetzt werden. Mittlere Böden können auch mit Splitt abgemagert werden. Je tiefer der Bodenaustausch, umso vorteilhafter - 40 cm sollten es aber schon sein. Nach dem Auskoffern ist es angebracht, den Boden darunter noch aufzulockern. Event. kann es bei Besatz mit tief wurzelnden Wurzelunkräutern, wie z.B. Winden, sinnvoll sein, zwischen dem Untergrund und dem neu aufzutragenden Substrat ein wasserdurchlässiges festes Vlies einzubauen. Dies erschwert es den Unkräutern zumindest durchzuwurzeln.

Substrate:
Das Substrat sollte durchlässig, unkrautfrei sein und den Pflanzen die notwendigen Nährstoffe liefern. Eine Möglichkeit ist die Mischung von Splittgemischen (2-32mm) und unkrautfreiem Kompost. Je höher der Kompostanteil, desto üppiger wachsen die Pflanzen. Mehr als 20% sollte der Kompostanteil nicht ausmachen. Alternativ kann man bei kleinen Flächen auf fertige Dachgartensubstrate zurückgreifen und diesen ebenfalls etwas Kompost oder unkrautfreien Unterboden beimischen. Hier ist etwas Experimentierfreude angesagt und nicht verboten. Der empfohlene Anteil an Kompost erscheint vielleicht gering, aber schon nach wenigen Jahren haben viele Stauden die aufgetragene Schicht durchwurzelt und holen ihre Nährstoffe zusätzlich aus dem anstehenden Untergrund.

Pflanzung:
Das Frühjahr ist für die meisten Stauden die beste Pflanzzeit. Vor dem Pflanzen werden die Pflanzen gründlich gewässert und event. Unkrautbesatz auf der Oberfläche entfernt. Den Verlauf von Pflanzgruppen, die man sich vorher überlegen sollte, kann z.B. mit Sand auf der Pflanzfläche übertragen werden. Sinnvoll ist es, zuerst die Leitstauden, dann die Begleiter und dann die flächendeckenden Stauden auszulegen. Die Anzahl der Stauden pro Quadratmeter variiert je nach Boden und Pflanzenart und liegt zwischen 5 und 12. Ist an eine Abdeckung mit mineralischem Mulch gedacht, sollten die Pflanzen nicht so tief wie normal gepflanzt werden. Die Mulchschicht kann sowohl während, als auch nach dem Pflanzen aufgebracht werden. Eine mineralische Abdeckung erschwert die Keimung von Unkrautsamen und reduziert die Verdunstung. Sie kann aus Kies, Blähschiefer, Splitt oder Recylingmaterial bestehen. Verwendet werden kann Material der Körnung 5-8 mm oder 8-16mm. Feinanteile sollte man vermeiden, da sie das Keimen von Samen erleichtern. Die Schichtdicke beträgt ca. 5-8 cm.

Pflege:
Etwas Pflege ist auch im Kiesgarten notwendig. Hierzu gehört der Rückschnitt, der vor allem nach dem Winter notwendig ist um ein frisches Austreiben zu ermöglichen. In der Regel erfolgt er dicht über dem Boden. Ausnahmen bilden Halbsträucher wie Lavendel, Blauraute, Gewürz-Salbei, Schleifenblume, Sonnenröschen, die nur etwa um ein Drittel eingekürzt werden. Die Frage, inwieweit man durch Rückschnitt nach der Blüte das Ausstreuen der Samen verhindern sollte, muss jeder individuell beantworten. Manchmal kann es reizvoll, manchmal lästig sein, Sämlinge ungebremst wachsen und gedeihen zu lassen. Darin liegt aber auch der Reiz die Natur zu lenken oder auch gewähren zu lassen.

Fotos: Thomas Neder


Die Blüten von Alpen- und Edeldistel sind ein wahres Insektenmagnet. Wie wirken aber nicht nur zur Zeit der Blüte, sondern durch ihre Struktur auch in den kalten Wintermonaten.

Geschickt bepflanzte Kiesgärten wirken jetzt im Sommer fast wie Gemälde. Sie sind nicht nur für das Auge eine Wohltat, sondern werden auch gerne von Insekten aller Art besucht.