„Eiszeit“ in den Hausgärten
 

(TN) Sehr zeitig herausgelockt von der warmen Frühjahrssonne, hat der zügige Vegetationsfortschritt durch die starken Spätfröste der letzten Tage einen kräftigen Dämpfer erhalten. Dies mindert die Vorfreude auf eine reiche Ernte bei Walnüssen, Kirschen, Weinreben und Kiwis erheblich. Aber auch der Frucht- bzw. Blütenansatz bei Beerenobst, wie Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Erdbeeren wurde je nach lokalklimatischer Lage stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei Laubgehölzen hat es vor allem die zarten Austriebe des Trompetenbaums, des Tulpenbaums und der Esche erwischt. Aber auch Jungtriebe von Buchs, Eiben, Rosen und dem Maiglöckchenstrauch sind verbräunt. Bei Stauden erlitten z. B. die zarten Jungtriebe von Farnen und Taglilien Frostschäden. Nicht viel anderes sieht es bei Balkonkästen aus, die etwas ungeschützt aufgestellt, bereits mit frischem Sommerflor bestückt wurden.

Auch wenn die sog. Eisheiligen manchmal ausfallen oder zeitlich versetzt auftreten, ist mit Kälterückschlägen im Mai auch im Zeichen des sog. Klimawandels immer zu rechnen. Die zweimal erreichten -4 Grad Celsius im Coburger Land sind dann aber doch unerwartet heftig ausgefallen. Wie es sich immer mehr andeutet, wird wohl mit extremen Temperaturentwicklungen während des ganzen Jahres vermehrt zu rechnen sein. Dies stellt Hobbygärtner bei der Kultur ihrer Pflanzen in den Hausgärten vor zunehmend schwierigere Aufgaben.

Während sich professionelle Obstbauern bei sich ankündigenden Frostnächten mit einer sog. Frostschutzberegnung schützen, ist dies in den Hausgärten nicht realisierbar. Einräumen, oder das Auflegen eines hauchdünnen Vlieses, wie es im Gemüsebau seit Jahren zur Verfrühung oder Ernteverlängerung eingesetzt wird, kann zumindest bei Balkon- und Kübelpflanzen, Gemüsekulturen oder Erdbeeren erfolgreich eingesetzt werden. Der Einsatz eines schützenden Vlieses gilt demnach heute mehr denn je, als Maßnahme der „ersten Hilfe“ bei einer sich ankündigenden temporären „Eiszeit“ in den Hausgärten.

Fotos: Thomas Neder


Bayernkiwis sind zwar nach dem Laubfall frosthart, aber durch den frühen Austrieb der zarten Blätter sehr spätfrostempfindlich. Nach den heftigen Spätfrösten sehen sie nun wie verbrannt aus.

Auch die meisten Jungfrüchte bei Kirschen sind verbräunt und werden wohl nicht zur Reife kommen.

Viele Fruchtansätze von Johannisbeeren und Stachelbeeren sind so stark geschädigt, dass sie abfallen werden.

rostschäden bei Erdbeerblüten äußern sich durch die schwarze Mitte. Links und rechts geschädigt - in der Mitte noch intakt.
 
  TNWein: Viele der weichen Jungtriebe der Weinstöcke sind quasi "gefriergetrocknet". Zum Glück weisen ältere Stöcke ein gutes Regenerationsvermögen auf.