Wenn Kirschen reich blühen und schlecht fruchten
 

(TN) Zum Genießen der Kirschblüte braucht man nicht nach Japan zu reisen. Dort ist die einsetzende Blüte der Kirschbäume fast schon ein Nationalfeiertag. Auch das Frankenland hat gerade jetzt in dieser Hinsicht viel zu bieten.

Süßkirschen sind allerdings anspruchsvoll an den Standort und die Kultur. Die launenhaften Diven blühen auf guten Böden und zusagenden Standorten zwar oft wunderbar und fruchten trotz guter Witterung und Bienenflug dennoch nicht gut. Dies stellt Freizeitgärtner oft vor ein großes Problem. Abgesehen davon, dass auf Sämlinge veredelte Bäume einige Jahre brauchen, bis sie gut tragen, oder Spätfröste öfter die Blüten zerstören, kann mangelnder Fruchtansatz mit der Bestäubung zu tun haben.

Die meisten alten Süßkirschensorten sind selbstunfruchtbar. Sie sind auf eine Fremdbestäubung durch andere Süßkirschen angewiesen. Neuere Sorten wie `Sunburst`, `Sweetheart`, `Samba` oder `Skeena` gelten als selbstfruchtbar.

Verkompliziert wird das Problem der mangelnden Bestäubung noch durch das Thema der sog. „Intersterilität“, d.h. der Unfähigkeit mancher Kirschsorten, sich gegenseitig zu befruchten.

In der Regel sind in Häusgärten zahlreiche Sorten benachbart. Bei isolierten Lagen oder untereinander sterilen Nachbarbäumen sieht dies anders aus. Dies kann mit einem kleinen Trick behoben oder zumindest gemindert werden. Hierzu bindet man zur Blütezeit einen oder mehrere Eimer mit einer Reihe von blühenden Zweigen unterschiedlicher Süßkirschenbäume in die Krone des Baumes und sichert so mit etwas Glück die Befruchtung. Eine andere Möglichkeit ist das gezielte Veredeln passender Befruchtersorten in den Baum Dies setzt allerdings gärtnerisches Können voraus.

Soweit keine Intersterilität vorliegt, gelten die Sorten `Schneiders Später Knorpel`, `Van` und `Hedelfinger` allgemein als gute Befruchter.

Für die in der letzten Zeit oft gepflanzte Frühsorte `Burlat` ist z. B. die `Große Prinzessinenkirsche` oder `Hedelfinger` eine gute Befruchtersorte. Die immer noch beliebte `Große Schwarze Knorpelkirsche` wird z. B. von `Büttners Rote Knorpelkirschen`, der `Prinzessinenkirsche` oder der `Sorte Hedelfinger` gut bestäubt.

Die Reife der Kirschen ist nach Kirschwochen unterteilt:

1. Kirschwoche (24.5.–6.6.),
2. Kirschwoche (8.6.–18.6.),
3. Kirschwoche (20.6.–30.6.),
4. Kirschwoche (2.7.–12.7.),
5. Kirschwoche (14.7.–24.7.),
6. Kirschwoche (26.7.–8.8.),
7. Kirschwoche (10.8.–20.8.).

Wegen des starken Befallsdrucks durch die Kirschfruchtfliege sind in naturgemäß gepflegten Hausgärten vor allem Frühkirschen wie `Burlat`; Merton Glory`, `Kassins Frühe`, `Frühe Rote Meckenheimer`, `Coburger Maikirsche` oder neuerdings `Naprumi` interessant, so man die Frucht ohne, bzw. mit wenig „Fleischbeilage“ sprich Maden der Kirschfruchtfliege genießen möchte.

Theoretisch kann über Kirschbäume auf sehr schwachwachsenden Unterlagen, wie z.B. Weiroot 72 als Schutz vor der Kirschfruchtfliege auch ein Gemüseschutznetz gezogen werden.

Fotos: Thomas Neder

 

Ein Eimer von blühenden Zweigen unterschiedlicher Süßkirschenbäume in die Krone des Baumes gehängt, kann dabei helfen, die Befruchtung zu verbessern.


So wünscht man sich den Fruchtansatz bei Kirschen. Leider sieht die Realität bei isoliert stehenden Kirschbäumen oft anders aus.