Tomaten selbst veredeln – eine kleine gärtnerische Herausforderung
 

(TN) Das Thema „Veredlung“ verbindet man im Freizeitgartenbau vor allem mit dem Obstgarten. Seit einiger Zeit wird aber auch im Tomaten- und Auberginenanbau kräftig veredelt. Die im Handel angebotenen, nicht ganz billigen veredelten Tomatenpflanzen sind auch für den Hobbygärtner interessant. Eine kleine gärtnerische Herausforderung ist es, wenn man es selbst probiert.

Vorteile veredelter Pflanzen
Häufig besteht der Irrglaube, dass veredelte Tomatenpflanzen resistent gegen die gefürchtete Kraut- und Braunfäule sind. Dies trifft leider nicht zu. Die verwendeten Unterlagen in der Tomatenveredlung sorgen für starken Wuchs, sind kältetoleranter und resistent gegen eine Reihe bodenbürtiger Krankheiten. Gegen Blattkrankheiten schützen sie leider nicht. Ein weiteres Hauptargument für die Verwendung veredelter Pflanzen ist die deutliche Ertragssteigerung, die vor allem im geschützten Anbau zu beobachten ist.

Wegen des starken Wuchses ist es empfehlenswert, die Pflanzen entsprechend weit auseinander zu pflanzen. Ein doppelter Pflanzabstand im Vergleich zu normalen Pflanzen ist durchaus realistisch. Alternativ kann man die Pflanzen auch mehrtriebig ziehen. Bedenken sollte man den höheren Bedarf an Wasser und Nährstoffen.

Warum selbst veredeln?
Nachdem der Handel ein relativ bescheidenes Sortiment veredelter Sorten anbietet, macht es durchaus Sinn, seine eigenen Favoriten in veredelter Form zu testen und sich selbst ein Urteil zu bilden, ob sich der Aufwand und die Mühe lohnt. Einen Versuch ist das Veredeln aber allemal wert, Spaß macht es in der Regel auch.

Im Profi-Tomatenbau findet eine ganze Reihe von Sorten Verwendung. Für den Freizeitgartenbau werden vor allem die Unterlagen `Vigomax F1` und `Spirit F1` angeboten. Auf diese Unterlagen lassen sich nicht nur Tomaten, sondern auch Auberginen veredeln.
Dürr Samen liefert z.B. ein Set aus Unterlagensamen und Kunststoffclips, W. Nixdorf versendet Unterlagensamen und Clips auch getrennt.

Kopf ab – neuen Kopf aufsetzen
Im März sät man in eine nährstoffarme Aussaaterde zunächst die Samen der Unterlage aus. 5 bis 10 Tage später folgt die eigentliche Sorte. 18-24 Grad sind für eine zügige Keimung optimal. Die Keimung setzt nach 8 bis 12 Tagen ein. Pikiert (vereinzelt) werden Edelsorte und Unterlage nach etwa 20 Tagen. Hierfür eignen sich kleine Töpfchen oder größere Multitopfplatten. Die Keimblätter liegen hierbei auf dem Substrat auf. Veredelt wird bei einer Stieldicke von etwa 2-3 mm. Die Pflanzen sind dann je nach Licht und Temperatur etwa 5-7 cm groß.

Zunächst wird der Kopf der Unterlage in etwa 2,5 cm Höhe im Winkel von 25 bis 45 Grad mit einer frischen Rasierklinge abgeschnitten und verworfen. Der gleiche Schnitt erfolgt bei der eigentlichen Sorte oder Edelsorte, von der man nur den „Kopf“ verwendet.

Als künstliches Bindeglied, bzw. Stütze zwischen Unterlage und Edelsorte dienen Plastikclips. Der Veredlungsclip wird zunächst bis zur Hälfte auf den abgeschnittenen Stängel aufgesetzt. Anschließend steckt man die Edelsorte auf. Beide Partner sollten möglichst passgleich zur Deckung kommen, damit sie gut verwachsen. (Manche Firmen liefern alternativ auch hauchdünne Keramikstifte mit, die je zur Hälfte in die Unterlage und die Edelsorte gesteckt werden).

„Reha“ im Minigewächshaus
Mit Hilfe eines Holz-Spießes kann man die veredelte Pflanze durch das zweite Röhrchen des Plastik-Clips fixieren. Da der Wasserhaushalt der frisch veredelten Pflanze stark beeinträchtigt ist, stellt man sie unter eine Kunststoffhaube oder ein Mini Gewächshaus. Es sollte zwar hell stehen, aber nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein. Zusätzlich sollte man die Veredlungen mehrmals täglich leicht mit Wasser besprühen. Nach 7 -10 Tagen sind die beiden Partner, wenn die „Operation“ gut verlaufen ist, verwachsen. Mit Ausfällen ist natürlich zu rechnen, aber auch hier gilt: „Übung macht den Meister“

Wer sicher gehen will, pflanzt nach nach den sog. Eisheiligen aus. Wer die Gunst eines Gewächshauses nutzt oder Vlies verwendet, kann nat. je nach Risikofreudigkeit nat. ein ganzes Stück früher mit der Kultur beginnen.

Bezugsquellen:

W. Nixdorf
www.garten–wn.de
Tel.: 09343 3465

Dürr Samen
www.duerr-samen.de
Tel.: 07121 63799

Bruno Niebelung
www.niebelung.de
Tel.: 02661 9405284




Zunächst wird der Kopf der Unterlage in etwa 2,5 cm Höhe im Winkel von 25 bis 45 Grad mit einer frischen Rasierklinge abgeschnitten und verworfen.


Der gleiche Schnitt erfolgt bei der Edelsorte, von der man nur den „Kopf“ verwendet.


Als künstliches Bindeglied, bzw. Stütze zwischen Unterlage und Edelsorte dienen Plastikclips.



Da der Wasserhaushalt der frisch veredelten Pflanze stark beeinträchtigt ist, stellt man sie unter eine Kunststoffhaube oder ein Mini Gewächshaus.