„ Grüner Nachwuchs“ hat es immer schwerer
Neupflanzungen leiden unter Sonnennekrosen und Frostrissen
 

(TN) Die vielfältigen ökologischen und gestalterischen Funktionen von Bäumen in Siedlungsgebieten sind ausreichend bekannt. Obwohl angesichts der sich verschärfenden Klimaproblematik die Bedeutung von Bäumen auch in den Siedlungsgebieten immer wichtiger wird, hat es der grüne Nachwuchs in den Dörfern und Städten oft nicht leicht. Haben junge Bäume nicht schon mehr als genug mit den sehr eingeschränkten Standortverhältnissen und widrigen Wachstumsbedingungen zu kämpfen, treten an vielen neu gepflanzten Bäumen seit einigen Jahren zusätzlich verstärkt Stammschäden auf. Diese führen zu einer verminderten Vitalität, einer stark verkürzten Lebensdauer und in manchen Fällen leider auch zum kompletten Ausfall des Baumes, was nicht unerhebliche Kosten im Falle einer Nachpflanzung mit sich zieht.

Sonnenbrandnekrosen und Frostrisse
Thermische Schäden durch Sonneneinstrahlung gelten nach Meinung der Wissenschaftler als Hauptursache. Dies sind zum einen Sonnenbrandnekrosen durch eine Zunahme der Strahlung in den letzten Jahren und Frostrisse während der kalten Jahreszeit. Desweiteren kann auch ein Befall durch den bodenbürtigen Verticillium Pilz mit dafür verantwortlich sein. Eine Vermeidung dieser Schadursache gilt als schwierig und steckt noch in den Kinderschuhen. Die genetische Ausstattung der gepflanzten Bäume und die Anzuchtbedingungen in den Baumschulen können weiterhin zu Schäden nach erfolgter Pflanzung beitragen. Aber auch ein ungeeigneter Untergrund macht den Bäumen zu schaffen.

Schilfrohrmatten ersetzten Lehm-Jute Verband
Im Falle der thermischen Schadursachen bieten sich die seit längerem bekannten Schilfrohrmatten oder neuerdings auch Weißanstriche an. Der alte Lehm-Jute Verband gilt als überholt. Werden Schilfrohrmatten angebracht, sollten diese mindestens fünf Jahre am Stamm bleiben. Der Abstand der einzelnen Schilfrohre in der Matte sollte mindestens 0,2 bis maximal 1,0 cm betragen. Um einen Luftaustausch zu ermöglichen, sollten die Matten nur locker und nicht dicht um den Stamm gebunden sein. Baumanbindungen sind auszusparen. Eventuell ist eine zweite Matte oberhalb der Baumverankerung anzubringen. An der Nordseite sollte die Matte überlappend gelegt werden, um für das Dickenwachstum des Baumes und einer damit einhergehenden neuen Befestigung eine Materialreserve zu haben. Wird aufgeastet, sollten nach den Empfehlungen der FLL freigelegte Astbereiche in gleicher Weise geschützt werden.

Weißanstrich als effektive Gegenmaßnahme
In Anlehnung an positive Erfahrungen aus dem Obstbau zur Vermeidung von Frostrissen, wird seit kurzem auch im Bereich des Großgrüns auf einen Weißanstrich wie z.B. Arboflex zurückgegriffen. Die weiße Farbe reflektiert die Sonnenstrahlen und reduziert die Stammtemperatur vor allem auf der Süd- und Südwestseite. Entscheidend ist, dass die Farbe möglichst lange an der Rinde haften bleibt. Um den Erfolg der Maßnahme sicher zu stellen, sollte beim Anstrich die Temperatur über 5°C liegen. Auf gefrorenen und nassen Stämmen haftet die Farbe nur unzureichend. Je nach Hersteller ist eine vorhergehende Reinigung des Stammes mittels Schleifvlies oder Drahtbürste und ein darauf folgender Voranstrich empfehlenswert, bevor die eigentliche Farbe bis in den Kronenbereich aufgetragen wird. Während die Farbe in den ersten zwei Jahren noch kräftig weiß leuchtet, verblasst sie in den nächsten Jahren allmählich. Dies stellt aber einen guten Übergang an den späteren Normalzustand ohne Stammschutzfarbe dar.
Besonders wichtig erscheinen die vorgenannten Maßnahmen an dünnrindigen und für Sonnennekrosen anfälligen Baumarten wie Rosskastanie, Linde oder Ahorn. Birken können sich durch ihre weiße Stammfarbe gut selbst schützen. Eichen scheinen gegenüber derartigen Schadsymptomen relativ robust zu sein.

Fotos: Thomas Neder

Thermische Schäden durch Sonneneinstrahlung gelten nach Meinung der Wissenschaftler als Hauptursache für Stammschäden. Dies sind zum einen Sonnenbrandnekrosen durch eine Zunahme der Strahlung in den letzten Jahren und Frostrisse während der kalten Jahreszeit
In Anlehnung an positive Erfahrungen aus dem Obstbau zur Vermeidung von Frostrissen, wird seit kurzem auch im Bereich des Großgrüns auf einen Weißanstrich wie z.B. Arboflex zurückgegriffen. Die weiße Farbe reflektiert die Sonnenstrahlen und reduziert die Stammtemperatur vor allem auf der Süd- und Südwestseite