Den Gartenboden kalken oder nicht?"
 

(TN) Früher war es gute gärtnerische Praxis, alle 3 bis 4 Jahre eine Erhaltungskalkung durchzuführen. In der Regel lautete die Empfehlung, auf einem mittelschweren Boden im Gemüsegarten etwa150- 200g kohlensauren Kalk pro m2 zu verabreichen.

Keine Düngung aus dem „Handgelenk“
Nachdem man heutzutage Bodenproben leicht in Auftrag geben kann und diese nicht sonderlich ins Geld gehen, sind pauschale Düngungsrezepte eigentlich veraltet. Ein guter Kultivateur mag den Stichstoffbedarf einer Kultur vielleicht noch gut abschätzen können, beim Rest liegt aber auch er nicht selten daneben. Jeder Gartenbesitzer sollte sich daher vor einer geplanten Düngung darüber informieren, welche Bodenart vorliegt, wie hoch der pH-Wert und der Humusgehalt seines Bodens sind. Darüber hinaus gehört auch die Ermittlung des Gehaltes an Phosphor, Kalium und Magnesium zu den Grundinformationen. Nur anhand dieser Analysewerte lässt es sich im Grunde genommen seriös düngen. Für eine Bodenprobe reicht 500g gut durchmischte Erde. Sie wird an 10-15 Stellen eines einheitlich genutzten Gartenareals (Gemüse-, Obstgarten oder Rasen) aus einer Tiefe von 0 bis 30cm mit dem Spaten oder einem speziellen Bohrstock entnommen. Das zeitige Frühjahr ist für die Probenahme ein guter Zeitpunkt. Auf Wunsch wird im Zuge der Bodenanalyse eine Düngeempfehlung ausgesprochen. Alternativ kann man die Ergebnisse z.B. in ein EDV Programm wie z.B. DIG eingeben. Es steht als kostenloser download unter: http://www.hswt.de/fgw/wissenspool/software/eigene-produkte/dig-duengung-im-garten.html zur Verfügung.

Wie wirkt Kalk?
Kalk hat verschiedene Wirkungen. Chemisch beeinflusst Kalk den pH-Wert (Säuregrad) des Bodens. Physikalisch fördert Kalk die Krümelstruktur und verbessert die Luft- und Wasserführung. Liegt der pH-Wert im Optimum, fühlen sich die Mikroorganismen wohl, welche wiederum für lockere und lufthaltige Böden sorgen. In der Pflanze selbst gewährleistet Calcium eine physikalische und strukturelle Stabilität des Pflanzengewebes

pH-Wert und Bodenart
Der optimale pH-Wert im Gemüsegarten hängt von der Bodenart ab. Ist der Boden leicht und sandig, ist ein Wert von 5,5 – 6,5 als erstrebenswert. Bei schweren Böden strebt man einen höheren Wert von etwa 6,0 bis 7,5 an.

Ist der pH-Wert zu niedrig, verlangsamt sich die Aktivität der Mikroorganismen, die Bodenstruktur wird schlechter und die Nutzbarkeit von Magnesium, Phosphor und Molybdän sinkt. Bei zu hohem pH-Wert werden oft Spurenelemente wie z.B. Eisen im Boden fixiert und sind dann nicht pflanzenverfügbar. Dies äußert sich oft in Form von Chlorosen (Blattvergilbungen).

Wie äußert sich Kalkmangel?
Typische Kalkmangelerscheinungen an Pflanzen sind z.B.: Stippigkeit und Fleischbräune bei Äpfeln, Blütenendfäule von Tomaten, Schwarzherzigkeit bei Sellerie und Innenblattnekrosen von Salat.

Echter und latenter Mangel?
Oft ist es so, dass der Schein leider trügt. Obwohl die Symptome eindeutig auf Kalkmangel hindeuten, ist oft genug Kalk im Boden vorhanden. Man spricht dann von einem induzierten Mangel.
Kalk (Calcium) wird mit dem Transpirationsstrom in der Pflanze nach oben transportiert. Oft tritt ein Mangel dort auf, wo Pflanzenteile, wie Früchte oder innere Blätter nicht genügend transpirieren, oder wenn infolge ungleichmäßiger Wasserversorgung der Transport nicht hinreichend gegeben ist. Dies kann auftreten bei einer erhöhten Salzkonzentration im Boden, bei hoher Luftfeuchtigkeit oder bei zu starkem Wachstum infolge zu hohen Stickstoffangebots. Auch ein sog. Gegenspieler Effekt (Antagonismus) ist möglich. So kann auch ein hoher Kali und Magnesium Gehalt die Calcium Versorgung gefährden. Der umgekehrte Fall kann ebenso eintreten.

Kalk ist nicht gleich Kalk
Für den Hausgarten kommen vor allem der mild und langsam wirkende Kohlensaure Kalk, Dolomitkalk oder z.B. Algenkalk in Frage. Stellt man bei seiner Bodenuntersuchung fest, dass schon ausreichend oder zu viel Magnesium im Boden ist, sollte man keine magnesiumhaltigen Kalkformulierungen, sondern die reine Form verwenden. Ein guter Zeitpunkt der Ausbringung ist das zeitige Frühjahr. Kalk sollte wenigstens einige Wochen vor der Aussaat oder der Anpflanzung appliziert werden.

Mit der Anwendung von Branntkalk, der bis zu 20% Stickstoff enthält, sollte man im Hausgarten vorsichtig sein. Er wirkt in seiner „Cyanamidphase“ pflanzengiftig und tötet Unkrautsamen oder heranwachsenden Pflanzen ab. Der Einsatz ist eigentlich nur dann vertretbar, wenn Probleme mit Bodenkrankheiten oder Bodenschädlingen akut sind.

Kompost als Kalkdünger
Wer regelmäßig und dosiert Kompost ausbringt (ca. 2l pro m2/ Jahr im Gemüsegarten) bringt die für die Erhaltungskalkung notwendige Menge Kalk meist schon automatisch mit ein.

Fotos: Thomas Neder

Typische Kalkmangelerscheinungen an Pflanzen sind z.B. die Stippigkeit und die Fleischbräune bei Äpfeln und die Blütenendfäule an Tomaten. Oft liegt hier aber nur ein "induzierter" Mangel vor vor.