Neue Erziehungsformen bei Johannisbeeren
 

(TN) Kein Garten ist zu klein für Johannisbeeren. Ist er nicht komplett verschattet und extrem den Spätfrösten (z. B. in ausgeprägten Talsenken) ausgesetzt, findet man auf jedem noch so kleinen Grundstück einen geeigneten Platz für das robuste und zugleich urgesunde Beerenobst. Auch die Kultur im Container auf der Terrasse oder dem Balkon ist leicht möglich.

Johannisbeeren gibt es mittlerweile in weiß, gelb, rosa, rot und schwarz (Ribes nigrum), wobei besonders neue Spielarten, wie z. B. die rosa Sorte. `Rosalinn` den Reiz des Neuen verbreiten und den Beerenobstliebhabern schnell ins Auge springen.

Johannisbeeren reifen je nach Sorte von Ende Juni (z. B. `Primus`) bis in den August (z. B. `Augustus`) hinein und liefern, frisch vom Strauch gepflückt, über einen erfreulich langen Zeitraum täglich ein Stück Gesundheit, das man für sich zum Nulltarif nutzen kann.

Auch für die „Spätlese“, was vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint, sind einige Sorten gut geeignet. Die Beeren schmecken vor allem bei roten Sorten dann etwas säureärmer und milder.

Erziehungsformen
Klassisch werden Johannisbeeren als Busch, Fuß- oder als Hochstämmchen erzogen. In den letzten Jahren hat sich vor allem im Erwerbsobstanbau die Heckenerziehung etabliert. Sie lehnt sich an die Spindelerziehung des Baumobstes an. Die unterschiedlichen Varianten dieser Erziehungsform sind auch für Hausgärten sehr interessant.

Neuere Erziehungsformen sind z.B.
• die Einasthecke bzw. Spindelerziehung
• die Zweiasthecke bzw. die Erziehung als V
• und die Dreiasthecke.

Die Varianten der Heckenerziehung haben eine Reihe von Vorteilen:
• Verbesserung der Fruchtqualität
• Längere Trauben und größere Einzelfrüchte
• Verringerung des Verrieselns (Verlust eines Teils der Beeren in der Traube)
• Minderung des Einflusses von Spätfrösten in erdnahen Zonen
• Leichtere Ernte
• Gesündere Pflanzen durch luftigere Kronen/ Triebe
• Gestalterische Wirkung

Pflanzabstände
Die Abstände von Pflanze zu Pflanze hängen von der Erziehungsform ab. Grobe Richtwerte sind:
0,5 m bei der Einasthecke oder der Spindelerziehung
0,6 oder 0,8 m bei der Zweiasthecke bzw. der V-Erziehung
1,0-1,5 m bei der Dreiasthecke
1,3-1,5 m bei der Erziehung als Busch

Heckenerziehung
Ausgangsmaterial für die Heckenerziehung, sei es die Ein-, Zwei, oder Dreiasthecke, ist im Erwerbsobstanbau kräftiges Pflanzmaterial mit 60 bis 80 cm Trieblänge. Der Hobbyanbauer muss hier etwas improvisieren, da eintriebige Ware kaum im Handel zu erhalten ist. Eine Möglichkeit ist die eigene Vermehrung durch Stecklinge oder Steckhölzer. Sie gelingt leicht. In der Gartenpraxis wird man auf einen normalen Johannisbeerbusch zurückgegriffen. Bei diesem belässt man je nach Erziehungswunsch einen, zwei oder drei kräftige Triebe – idealer Weise in einer Ebene. Sie sollten nicht aus einem Quirl entstehen. Der Rest der Triebe wird einfach bodennah entfernt.

Zur Heckenerziehung ist die Errichtung eines Gerüstes aus Pfählen und mehreren Spanndrähten sinnvoll. 3 Drähte in einer Höhe von 60, 120 und 170 reichen hierbei aus. Der Abstand zwischen den Pfählen beträgt ca. 4- 5m. Die Schenkel der Pflanzen kann man leicht mittels Bindezange oder andern praxisüblichen Bindematerialien z. B. an Tonkinstäben befestigen.

Für die Heckenerziehung eignen sich weiße, gelbe, rosa, rote und schwarze Sorten. Je stärker wüchsig die Sorte und optimaler die Kulturführung ist, desto schneller erreicht man das obere Ende der Hecke, das auch in 2 m Höhe liegen kann.

Versuchsweise wurde am Obstlehrgarten in Coburg die ein- und dreitriebige Erziehung mit einer ganzen Reihe von Sorten wie `Primus`, `Rolan`, `Detvan`, Telake, `Viking`, `Ometa` oder `Kristin` versucht. Alle erreichten nach einigen Jahren letztendlich die Endhöhe von 2m.

Eintriebig gezogen, entwickelt sich die sog. Einasthecke ähnlich wie eine schlanke Spindel mit kurzen Seitenästen.

Bei der Zweiasthecke, die in Form eines V gezogen wird, beträgt der Winkel zwischen den beiden Schenkeln ca. 45 Grad.

Bei der Dreiasthecke erweitert man den Winkel zwischen den zwei äußeren Paaren je nach Platz und Geschmack auf ca. 60 bis 90 Grad. Der dritte Trieb steht sozusagen als Winkelhalbierende in der Mitte. Im Erwerbsobstanbau werden die beiden äußeren Schenkel nach einem kurzen schrägen Anlauf - etwa nach dem Erreichen des ersten Drahtpaares - in einer Entfernung von ca. 50 cm zum Mitteltrieb oft wieder senkrecht nach oben gerichtet. Im Hobbybereich, in dem es ja nicht auf wirtschaftliche Höchsterträge ankommt, kann man mit Ausrichtung der Winkel auch etwas spielen und seine eigenen Erfahrungen sammeln.

Die ideale Pflanzzeit ist Oktober bis November, da Johannisbeeren sehr früh austreiben. Im Gegensatz zur Buschkultur sollte bei der Heckenerziehung nicht zu tief gepflanzt werden. Zu tiefes Pflanzen würde nur die Bildung zahlreicher Neutriebe fördern, was bei der Heckenerziehung nicht erwünscht ist. Überflüssige Jungtriebe werden am besten schon im krautigen Zustand entfernt. Ein Herrausreißen ist länger anhaltend, als ein einfaches Abschneiden, da die jungen Triebe hier nur noch verstärkt nachwachsen würden.

Um ein zügiges Hochwachsen der Haupttriebe zu gewährleisten, sollten sie nicht angeschnitten werden. Konkurrenztriebe werden entfernt. Man kann auch die unteren 4-5 Augen im Frühjahr blenden, d.h. mit dem Fingernagel ausknipsen. Zu Beginn der Erziehung werden Seitentriebe idealerweise bis auf eine Höhe von 50 cm aufgeputzt d. h. entfernt und die restlichen sich entwickelnden Seitentriebe stark eingekürzt, damit die Triebverlängerung sich zügig weiterentwickelt.

Fotos: Thomas Neder


Johannisbeeren als Hecken oder als eintriebige Spindel gezogen, liefern exzellente Fruchqualiltät und lassen sich leicht beernten.