Zwei ganz „Süße“

Zuckersüßes Honigkraut – Natürlich Süßen wie die Guarani Indianer

 

(TN) Der Kräutergarten hat nicht nur herb aromatische und würzige, sondern auch zuckersüße Kräuter zu bieten. Hierfür sorgt seit einiger Zeit das Honigkraut oder Honigblatt aus Südamerika, das fast kalorienfrei als Alternative zu Zucker und Süßstoff verwendet werden kann. Im Gegensatz zu Zucker beeinflusst es den Blutzuckerspiegel nicht negativ und verursacht keine Karies, da es so gut wie keine Kalorien hat.

Stevia rebaudiana, wie die Pflanze botanisch auch genannt wird, ist im nordöstlichen Paraquay uns den angrenzenden Gebieten Brasiliens beheimatet. Dort wird sie von den Guarani und Mato-Grosso Indianern schon seit langer Zeit als Süßstoff und in der Medizin verwendet. Klassisch süßt man dort z. B. den viel getrunkenen, leicht bitteren Mate Tee. Je nach Klima und Gegend ist das Blatt 10-30 mal (!) so süß wie Zucker. Das süßende Geheimnis liegt in einem komplexen Molekül mit dem Namen Steviosid verborgen.

Das Süßkraut gedeiht von Mitte Mai bis Ende September auch in unserem Klima und ist eine interessante Ergänzung unseres bekannten Kräutersortiments. Im Haus als Topfpflanze kann man das Honigkraut auch während des ganzen Jahres kultivieren. Da es frostempfindlich ist, sollte man es erst nach den Eisheiligen an einen vollsonnigen Platz ins Freie pflanzen oder als Balkonpflanze kultivieren.

Stevia, die zur Familie der Korbblütler zählt, wird etwa 60 bis 100 cm hoch, hat weiße Blütendolden und 2-3 cm lange haarige Laubblätter. Zur Anzucht aus Samen sind Temperaturen von 21-23 Grad notwendig. Der Samen sollte nur hauchdünn abgedeckt werden. Eine Vermehrung durch krautige Stecklinge gelingt in der Regel gut. Die Überwinterung von Stevia gilt als heikel. Manche Gartenfreunde überwintern sie ähnlich wie Geranien –die Pflanzen treibt nach dem Winter dann mit etwas Glück aus dem Wurzelstock wieder aus – oder man kultiviert sie warm und hell durch.

Verwendet werden von der Stevia die zerkleinerten und getrockneten Blätter der jungen Triebe. Kurz vor der Blüte ist der Gehalt an Steviosid am höchsten. Natürlich kann auch laufend, je nach Bedarf geerntet werden. Die Blätter lassen sich entweder frisch verwenden, oder bei 40 Grad trocknen. Dann sind sie fast unbegrenzt haltbar. Alternativ können sie in einer Kaffeemühle auch zu einem grünen Pulver zermahlen werden. Im Gegensatz zum handelsübliche weißen Pulver enthält es dann noch alle Mineralien und Vitalstoffe. Manche stellen aus dem wässrigen Extrakt einen Sirup hier und verwenden diesen zum Süßen-

Eine einfache Verwendung ist die Zugabe zu Kräutertees, Grünem Tee oder Mate Tee. Man kann hier entweder die Stevia Bätter mitziehen lassen oder man gibt das gemahlene Pulver mit in den Tee. Stevia gibt es auch in Pulverform oder als Tabs.
Saatgutbezugsquelle: http://www.poetschke.de

Lippia dulcis – Das Atztekische Süßkraut
Das zweite ganz „Süße“ im Bunde, wenn auch weniger bekannt. ist das Atztekische Süßkraut (Lippia dulcis). Auch dieses in Mittelamerika beheimatete Kraut ist um ein Vielfaches süßer als Zucker.
Die Blätter enthalten den Süßstoff Hernandulein. Zum Süßen müssen die Blätter frisch verwendet werden, denn im getrockneten Zustand verlieren sie ihre Süße.

Die Pflanze zählt zur Familie der Eisenkrautgewächse. Der kriechende Halbstrauch wird etwa 20-30 cm hoch und blüht weiß. Die Pflanze verströmt einen honigmelonenartigen und minzigen Geruch. Wegen des flachen Wuchses und den langen sparrigen Trieben eignet es sich besonders gut als dekorative Ampelpflanze. In der Kultur gilt es insgesamt als etwas robuster als Stevia. Neben der süßenden Eigenschaft wird es in Südamerika als Aromapflanze und als eine Art Universalheilmittel verwendet. Vorwiegend wird es bei Husten, Bronchitis und Erkältungen eingesetzt.
Lippia lässt sich auch als Zimmerpflanze kultivieren und als solche überwintern. Die Vermehrung durch Stecklinge gelingt leicht.
Saatgutbezugsquelle: http://www.as-garten.de


Fotos: Thomas Neder


Der Kräutergarten hat nicht nur herb aromatische und würzige, sondern auch zuckersüße Kräuter zu bieten. Hierzu gehören das Atztekische Süßkraut (links) und die Stevia (rechts)


Eine einfache Verwendung ist die Zugabe frischer Blätter zu Kräutertees, Grünem Tee oder Mate Tee.