Äpfel für Allergiker im Test
 

( TN) Glaubt man neuesten Untersuchungen, leiden etwa 20 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Ländern unter einer Apfelallergie. Für sie ist der genussvolle Biss in einen knackigen saftigen Apfel mit ungenehmen Nebenwirkungen verbunden. Reizung der Schleimhäute, ein Kribbeln in der Nase oder dem Mund, ein Anschwellen der Zunge, Atemnot … die Liste der Unannehmlichkeiten ist lang und lästig.

Schuld daran ist eine ganz bestimmte Sequenz von Aminosäuren, die für die Allergie verantwortlich ist. Während rohe Äpfel für Allergiker ungeeignet sind, gibt es mit verarbeiteten Äpfeln, z. B. in Form von Apfelmus oft keine oder weniger Probleme, da die Eiweißbausteine zerstört wurden. Vermutet wird allerdings auch, dass der Chemieeinsatz im Apfelanbau mit bisher noch unklaren Interaktionen im Körper verknüpft ist und ein Beitrag für allergische Reaktionen sein könnte.

Umfragen zufolge wurde weiterhin festgestellt, dass viele alte Sorten, wie `Altländer Pfannkuchenapfel`, `Berlepsch`, `Jamba`, `Weißer Winterglockenapfel` oder `Prinz Albrecht von Preußen` zwar nicht immer ohne Nebenwirkungen sind, Allergikern aber zumindest weniger Problem bereiten sollen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang scheinbar die in den Äpfeln enthaltenen Polyphenole. Diese Inhaltsstoffe sind in älteren Sorten in viel größeren Mengen vorhanden, als in neuen Sorten. Wegen des säuerlichen Geschmacks und den durch sie verursachten Bräunungseigenschaften älterer Apfels wurden sie bei den neueren Sorten weitestgehend weggezüchtet. Eine Ausnahme bildet offensichtlich die neue Apfelsorte `Santana` – eine robuste und schmackhafte Kreuzung aus `Elstar` und `Priscilla`. Sie soll nach Angaben von Allergikern keine oder nur wenig Reaktionen auslösen. Als Sorte mit hoher Allergenität zählt z. B. die Sorte `Golden Delicious`.

Möglicherweise sind Reaktionsprodukte der Polyphenole in der Lage, mit Allergenen zu Strukturen zu verschmelzen, wodurch deren Bindungs- und damit Reaktionsfähigkeit gemindert wird.

Man vermutet, dass eine Apfelallergie in vielen Fällen einer bereits vorhandenen Sensibilisierung gegenüber Birkenpollen folgt. Schätzungsweise sind 50-75% aller Birkenpollenallergiker auch von einer Allergie gegen Äpfel betroffen. Der Grund dafür mag darin liegen, dass die Allergene einen ähnlichen Aufbau besitzen und von den gleichen Antikörpern erkannt werden.

Um der Eignung dieser Allergiker Äpfel auf den Grund zu gehen, werden im Obstmuttergarten einige dieser Sorten aufgepflanzt. Landrat Michael Busch, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V., der selbst unter einer Apfelallergie leidet, und Kreisfachberater Thomas Neder pflanzten hierzu einen Hochstamm der alten Sorte `Prinz Albrecht von Preußen`. Die Probe aufs Exempel mit dieser Sorte machte Landrat Michael Busch bereits bei der Obstausstellung des Kreisverbandes in Bad Rodach. Dort erfolgte mit spannungsvoller Erwartung ein herzhafter Biss in die ausgestellte Sorte `Prinz Albrecht von Preußen `. Der Test viel übrigens vielversprechend aus.

Da Hochstämme leider mit der Ernte länger auf sich warten lassen, wurde bereits im letzten die Sorte `Santana` auf der früh im Ertrag stehenden Unterlage M9 Jahr im Obstlehrgarten gepflanzt.


In diesem Zusammenhang wird deutlich, welche praktische Bedeutung alte Apfelsorten immer noch haben. Leider sind Früchte dieser Sorten kaum mehr im Handel erhältlich. Neben der Gewinnung von Edelreisern und deren Verbreitung im Landkreis Coburg ist die Bewahrung dieses wertvollen Genmaterials eines der Ziele des Einberger Obstmuttergartens.

Foto: Thomas Neder

Aus Schlesien stammt die alte Apfelsorte `Prinz Albrecht von Preußen`. Sie soll Apfelallergikern weniger Probleme bereiten

Um der Eignung von Allergiker Äpfel auf den Grund zu gehen, werden im Obstmuttergarten einige dieser Sorten aufgepflanzt. Landrat Michael Busch und Kreisfachberater Thomas Neder pflanzten hierzu einen Hochstamm der alten Sorte `Prinz Albrecht von Preußen`.