Es leuchten die Wildkrokusse
 

TN_ Ein wogendes Blütenmeer aus himmelblauen Wildkrokussen leuchtet momentan aus so manchen in Ruhe gereiften Obstgärten. Im schütteren Rasen unter stolzen Obstveteranen, wo kein Vertikutieren, Hacken oder sonstige Bodenbearbeitung stört und sie in aller Ruhe ihre Samen ausstreuen dürfen, fühlen sich die bunten Frühlingsgeophyten so richtig wohl und danken es mit einer immensen Ausbreitungsfreudigkeit. Im dichten Wurzelfilz eines gepflegten Rasens sind sie allerdings kurzlebig und haben kaum eine Zukunftschance.
Zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Frühlingsblüher wie Winterling, Schneeglöckchen, Lenzrosen, oder der Zaubernuss leuten sie farbenfroh das neue Gartenjahr ein.

Frühlingsfeucht und sommertrocken
Vor allem die blasslavendelfarben blühende Krokusart Crocus tommansinianus eignet sich bestens zum Verwildern. Der aus Dalmatien stammende Wildkrokus setzt reichlich Samen an und verbreitet sich dadurch sehr schnell auch über größere Flächen. Die Ausbreitung wird begünstigt, da das stärkehaltige Anhängsel (Elaiosom) gerne von Ameisen entlang der Ameisenstraßen verschleppt wird.

Ideal ist ein sonniger Standort ohne große Wurzelkonkurrenz mit einer hohen Frühjahrsfeuchtigkeit. Im Sommer liebt er dagegen Trockenheit und ausgiebig Wärme. Nur so können die Knollen gut ausreifen. Deshalb sind im Sommer stets feucht gehaltene Staudenbeet als Standort gar nicht so ideal. Hier könnte man sogar überlegen, die Knollen nach dem Einziehen aus dem Boden zu nehmen und trocken und luftig bei 20 bis 25 Grad bis Ende August zu lagern.

Samen in Ruhe ausreifen lassen
Steht der Krokus im schütteren Rasen, sollte man mit der ersten Mahd warten, bis der Krokus seine Samen verstreut hat und die Blätter gelb werden. Wer nicht so lange Warten mag, kann auch größere Inseln einfach ungemäht stehen lassen.

Andere „Wilde“
Sehr früh im Jahr blüht zartblau mit gelbem Grund auch die Krokusart C. sieberi. Sie stammt aus Griechenland und Kreta. Sie vermehrt sich vor allem durch Brutknollen.

Der in der westlichen Türkei, in Bulgarien und in Griechenland beheimatete Goldkrokus (C. flavus) hingegen vermehrt sich wie Crocus tommasinianus sehr gut durch Selbstaussaat. Der später erscheinende großblütige Gartenkrokus `Großer Gelber` stammt vom Goldkrokus ab. Die Blüte ist zwar sehr üppig und auffallend, bleibt aber steril, setzt also keine Samen an. Eine Ausbreitung erfolgt nur durch Brutknollen. Der Große Gelbe gilt als einer starkwüchsigsten Sorten. Er wird schon seit dem 16. Jahrhundert in den Gärten kultiviert. Im Gegensatz zu manchen Wildarten verträgt er den Wurzeldruck von Stauden und Rasen recht gut. Während man bei Wildarten auf Düngung nicht achten muss, sind großblütige Hochzuchtsorten durchaus dankbar für eine kleine und maßvolle Düngergabe.

Auch die Art Crocus . chrysanthus gilt als sehr gartenwürdig. Sie wurde aus Südosteuropa und Kleinasien importiert. Da sie züchterisch stark bearbeitet wurde, ist die Blüte sehr variabel. Das Farbspektrum reicht von gelb, blau bis weiß.

Krokusknollen werden von August bis September in etwa 5 – 7 cm Tiefe gesteckt. Ob der Standort zusagt, merkt man leicht daran, ob sich im Laufe der Jahre entsprechend viele Sämlingspflanzen etablieren oder die Horste durch Brutzwiebeln immer größer werden.

Fotos: Thomas Neder

Im schütteren Rasen, wo kein Vertikutieren, Hacken oder sonstige Bodenbearbeitung stört und sie in aller Ruhe ihre Samen ausstreuen dürfen, fühlen sich Wildkrokusse so richtig wohl