Die Mistel – weit mehr als ein weihnachtliches Glückssymbol
 

Lebensweise
(Tn) Die Mistel (Viscum album), ein Sandelholzgehölz (Santales), zählt zu den parasitischen Blütenpflanzen. Da die Mistel in der Lage ist, durch Photosynthese organische Substanzen selbst herzustellen, aber von Ihrem Wirt Wasser, Mineralien und organische Verbindungen benötigt, zählt sie zu den Halbparasiten. Um ihren Nährstoffbedarf ganz zu decken, ist die Intensität der Transpiration sehr hoch. Dies hat zur Folge, dass sie im Laufe ihres Wachstums ihrer Wirtspflanze stetig mehr Wasser und Nährstoff entzieht. Nicht selten führt dies zum Absterben von Trieben oberhalb der Befallsstelle. Generell vermindert die Mistel als aufsitzender Sprossparasit die Vitalität des Wirtes. Bei starkem Befall kann dies auch zum vorzeitigen Tod des ganzen Baumes führen. Neuerdings wurde in Gebieten mit starken Wald- oder Baumschäden eine deutliche Zunahme des Befalls mit Misteln festgestellt.
Die Mistel ist eine Licht und Wärme liebende Pflanze Ihre Verbreitung wird zum einen von der Winterkälte begrenzt, zum anderen richtet sich ihre Verbreitung nach dem Vorkommen der Wirtsbäume. Vor allem junge Bäume mit noch dünner Rinde oder kränkelnde Bäume mit nachlassenden Abwehrkräften werden häufig befallen.

Wirtsspezifität
Bekannt sind drei Unterarten der Mistel. Die Kiefernmispel (Viscum album ssp. austriacum; Syn. Viscum laxum) kommt auf Waldkiefern (Pinus sylvestris) und Schwarzkiefern (Pinus nigra) vor. Manchmal findet man sie auch auf Fichten (Pinus abies). Die Tannenmispel (Viscum album ssp. abietis) findet man nur auf der Weißtanne (Abies alba). Am weitesten verbreitet ist die Laubholzmispel (Viscum album ssp. album). Sie wächst auf etwa 25 einheimischen und eingeführten Laubholzarten, Häufig wächst sie auf Pappel, Weide, Linde, Vogelbeere, Apfel und Ahorn. Seltener kommt sie auf Eiche, Esche, Ulme vor.

Verwandte
Weitere Vertreter der Sandelholzartigen sind z.B. die Eichenmispel (Loranthus europaeus), oder die Wacholdermispel (Arceuthobium oxycedri). Typisch für die in Amerika vorkommende Amerikanische Mistel (Phoradendron seratinum) sind die sog. Holzrosen. Die ähnlich einer schalenförmigen Rosenblüte aufgebauten Wucherungen entstehen, wenn der Parasit durch intensives Gewebewachstum des Wirtes umwallt wird. Nach dem Absterben des Parasits bleibt die für Holzrosen typische Einsenkung in der Mitte erhalten.

Blüte und Verbreitung
Erst nach etwa 5 Jahren blüht die Pflanze zum ersten mal. Mispeln sind zweihäusig. Es kommen an einer Pflanze deshalb nur männliche oder weibliche Blüten vor. Für die Bestäubung sorgen Insekten. Bei den weißen Mistelbeeren, die um Weihnachten vollreif werden, handelt es sich um Scheinbeeren. Sie werden entweder von Vögeln gefressen oder fallen zu Boden. Manchmal bleiben sie auch mehr als ein Jahr am Baum und verharren somit in einer Art „Reifestarre“

Verbreitet werden die Samen der Misteln durch Vögel, wie Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel oder Seidenschwanz. Gefressene Samen durchlaufen den Verdauungstrakt der Vögel und werden andernorts wieder ausgeschieden oder werden am Schnabel, bzw. am Gefieder haftend an Ästen abgestreift, wo sie oft gute Startbedingungen vorfinden.

Meisen hingegen zählen zu den Mistelzerstörern. Blaumeise, Kohlmeise und Kleiber picken gerne an den abgestreiften nährstoffreichen Samen und zerstören sie hierdurch.

Wachstum
Die Keimung der Samen beginnt etwa im März. Während sich fast alle Pflanzenkeimlinge dem Licht zuwenden, wächst der sich streckende Keimblattstamm der dunklen Rinde des Wirtes entgegen (negativer Phototropismus). Der sog. Primärsenker braucht mehrere Wochen, bis er die Rinde eines jungen Zweiges durchwächst. Dies geschieht durch Ausscheidung von Enzymen, welche die Rindenzellen auflösen. Die Mistel wird anschließend vom Baum umwallt. Dies führt allmählich zu einer Einbindung in die Leitungsbahnen des Baumes, wobei die Zellteilung des angrenzenden Gewebes angeregt wird. Eine Dickenzunahme des befallenen Zweiges ist die Folge. Vitale Bäume schaffen es jedoch, den einwachsenden Primärsenker zu überwallen. Hierdurch stirbt die junge Mispel ab.
Brauchtum und Mythologie

Im Brauchtum der Kelten und Germanen kommt der Mistel eine zentrale Bedeutung zu. Auch die Gallier verehrten sie. Neben Eisenkraut, Bärlapp und Bilsenkraut zählte die Mistel zu den wichtigsten Heilpflanzen der Druiden.
Auch bei Asterix und Obelix bleibt die Mistel deshalb nat. nicht unerwähnt. Sie ist dort, wie man von Miraculix erfährt, ein wichtiger Teil des geheimen Zaubertrankes.

Die heidnische Verehrung der Mistel fiel auch mit den christlichen Feiern der Weihnachts- und Neujahrszeit zusammen. Als Symbol der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels ist sie sehr viel älter als der Tannenzweig und der Tannenbaum, dessen Vorkommen sich erst im 16. bzw. 18. Jahrhundert nachweisen lässt.
In Gebieten, in denen sich noch Rudimente altkeltischer Überlieferung nachweisen lassen, ist die Mistel als Glücksbringer geschätzt. „No mistletoe, no luck” (kein Glück ohne Mistelzweig) heißt es z.B. noch immer in England, wo vor allem an Weihnachten und Neujahr ein Mistelzweig ins Zimmer gehängt wird.

Fotos: Thomas Neder

 


Im Brauchtum der Kelten und Germanen kommt der Mistel eine zentrale Bedeutung zu. Auch die Gallier verehrten sie. Neben Eisenkraut, Bärlapp und Bilsenkraut zählte die Mistel zu den wichtigsten Heilpflanzen der Druiden.


Die heidnische Verehrung der Mistel fiel auch mit den christlichen Feiern der Weihnachts- und Neujahrszeit zusammen. Als Symbol der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels ist sie sehr viel älter als der Tannenzweig und der Tannenbaum, dessen Vorkommen sich erst im 16. bzw. 18. Jahrhundert nachweisen lässt


Bei den weißen Mistelbeeren, die um Weihnachten vollreif werden, handelt es sich um Scheinbeeren. Sie werden entweder von Vögeln gefressen oder fallen zu Boden. Manchmal bleiben sie auch mehr als ein Jahr am Baum und verharren somit in einer Art „Reifestarre“