Schon bei Mose erwähnt – Die Fruchtfeige

(TN) „Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz…“ (1.Buch Mose 3, 6-7) Schon in der Bibel wird der Feige (Ficus carica) ein besonderer Platz eingeräumt. In besonders begünstigten Lagen, wie windgeschützten Innenhöfen, oder am warmen Mauerspalier mit Winterschutz ist bei uns eine Freilandpflanzung des sonnenverwöhnten Fruchtgehölzes einen Versuch wert. Dort liebt die exotische Obstart einen humosen und durchlässigen Boden. Er sollte nicht zur Vernässung neigen. Haben sich die verwöhnten Sonnenkinder am Standort etabliert, können robuste Sorten bis zu 15 Grad minus kurzzeitig ertragen. Es macht Sinn, die Feige im Winter mit Schilfmatten, dickem Vlies, Nadelholzzweigen oder einer Laubpackung zu schützen. In harten Wintern gefriert sie oft bis zum Boden zurück, treibt dann aber meist willig aus der Basis wieder aus.

In der Regel wird man die Feige als mobile Kübelpflanze halten. Da sie üppig wachsen kann, werden Containergrößen von 25 bis 100 l schnell erreicht. Im Topf gezogen, sollte sie möglichst lange an der frischen Luft bleiben. Leichte Fröste werden ertragen. Ein temporäres Rücken der Pflanzen an die Hauswand bei den ersten Kälteeinbrüchen, kann den Frischluftaufenthalt am Saisonende verlängern. Überwintern lässt sich die Pflanze kalt aber frostfrei. Die dekorativen 3-5 lappigen und bis zu 20 cm breiten Blätter werden abgeworfen. Man kann sie daher auch dunkel und kalt überwintert. Stattliche Exemplare lassen sich bei Platzmangel notfalls auch liegend über den Winter bringen. Gegossen wird in der kalten Jahreszeit nur wenig.

Wilde Feigen sind auf Fremdbestäubung durch die Gallwespenart Blastophaga angewiesen um fertile Samen zu bilden. Kultursorten sind selbstfruchtbar oder parthenocarp. Es macht daher Sinn, nur diese Sorten – sprich Sorten des adriatischen Typs zu kultivieren. Neben der sog. Bayernfeige `Violetta` gibt es z.B. robustere Sorten wie `Brown Turkey`, `Nordland Bergfeige, `Contessina Feige`, die sehr früh reifende `Rossa Rotonda` oder die großfruchtige `Perretta`. Die meisten Sorten fruchten an den im letzten Jahr gebildeten Trieben. Je mehr dieser Triebe den Winter überstehen, desto reicher wird die Ernte ausfallen. Die kleinen Früchte überwintern in den Blattachseln. Die an den diesjährigen Trieben im Frühjahr angesetzten Früchte kommen in unseren Klimazonen in der Regel nicht mehr im gleichen Jahr zur Reife. Die Früchte reifen sehr ungleichmäßig. Sie sind dann genussreif, wenn das Fruchtfleisch unter Fingerdruck sanft nachgibt. Ein Schnitt wird in der Regel nur dann notwendig, wenn die Pflanzen zu groß geworden sind. Durch ein Pinzieren im Sommer kann man für einen reichen Neuaustrieb sorgen. Dies kann sich im nächsten Jahr positiv auf den Fruchtansatz auswirken.

Will man Früchte ernten, sollte man bei der Containerkultur darauf achten, dass der Wurzelballen im Frühjahr und Sommer nicht komplett durchtrocknet. Dies führt oft zum Abstoßen der Früchte. Ebenso sollte man bei einer Überwinterung in Glasanbauten berücksichtigen, dass gut gelüftet wird und es zu keiner Überhitzung kommt. Nach derartigen Stresssituation wird der Fruchtansatz ebenfalls schnell abgeworfen.

Fotos: Thomas Neder

   


Die meisten Feigensorten fruchten an den im letzten Jahr gebildeten Trieben. Je mehr dieser Triebe den Winter überstehen, desto reicher wird die Ernte ausfallen