Großfruchtige Hagebutten als „Wildobst“

Natürliche Schönheiten, die es „in sich haben“

(TN) Es muss nicht immer die dichte Blütenfülle und der hochgezüchtete knallige Farbklecks der Blüten sein, der einer Rose ihren Charme verleiht. Wer auf Robustheit setzt, Insekten und Vögeln den Tisch für Herbst und Winter decken möchte und vor allem auch die Früchte selbst gerne in der Küche „veredelt“, ist mit Wildrosen gut bedient.

Im Gegensatz zu vielen Zuchtformen sind die Blüten der Wildrosen nicht gefüllt und weisen fünf Kronblätter auf. Die Hagebutten entwickeln sich aus den zahlreichen Staubgefäßen in der Mitte. In der `Capitulare de villis`, der Landgüterverordnung Karls des Großen, wurde der Rosenanbau auch bei uns empfohlen. Rosa gallica `Officinalis` wurde als Apothekerrose bei Wunden und Entzündungen eingesetzt. Die ökologische Bedeutung ist besonders bei den heimischen Wildrosenarten, wie z. B. der Heckenrose (Rosa canina) sehr groß. Alleine 10 Wildbienenarten sammeln im Frühsommer ihre Pollen. Im Winter dienen die Hagebutten vielen Vögeln und Säugetieren zur Ernährung. Untersuchungen haben gezeigt, dass sie 19 Säugetier- und 27 Vogelarten in der kalten Jahreszeit mit Futter versorgen.

Um sich gut zu entfalten, sollte man Wildrosen so pflanzen, dass sie sich frei ausbreiten können. Sie wirken erst dann richtig, wenn sich ihre Frucht behangenen Triebe in grazilen Böden ausbreiten können. Zur Pflege reicht ein dezenter Erhaltungsschnitt, bei dem überaltete Triebe dicht über dem Boden entfernt werden, um dem Nachwuchs Platz zu machen. Ein kräftiges Zurückschneiden würde ihnen nur ihre natürliche Schönheit nehmen. Wer ein greifvogelsicheres „Spatzenhotel“, bestehend aus dicht verwachsenen Trieben, schaffen möchte, lässt einfach der Natur freien Lauf. Dank ihrer Winterhärte kann auf einen Winterschutz weitgehend verzichtet werden. Lediglich im ersten Jahr nach der Pflanzung ist in kalten Wintern ein Schutz aus Fichtenreisig und ein Anhäufeln zweckmäßig.

Wegen ihres teilweise hohen Vitamin C Gehaltes von bis zu 1000 bis 2000 mg pro 100g Fruchtfleisch, erlangen die Wildrosen seit kurzem wieder eine große Renaissance. Außer einem hohen Anteil an Vitamin C enthalten sie die Vitamine A, B, E und K, Fruchtsäuren und Spurenelemente. Seit einiger Zeit werden besonders Vitamin C reiche Züchtungen wie z. B. PiRo3 gezielt angebaut. Kerne und Haare der Früchte werden für die Verwertung entfernt. Zum Verzehr eignen sich je nach Fruchtgröße mehr oder minder alle Hagebutten. Sie sollten allerdings nicht an stark befahrenen Straßenrändern gesammelt werden. Auch mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Rosen scheiden aus.

Hagebutten werden für Marmelade, Rumtopf oder Chutney verwendet. Auch die Blätter werden nach alten Rezepten zu Rosenmarmelade verarbeitet. Hagebuttentee hilft aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts vor allem gegen Erkältungen. In Chile gilt Kaffee aus gerösteten Hagebuttenkernen als bewährtes Mittel gegen Magenscherzen.

Nachgewiesen ist allgemein die gesundheitsfördernde Wirkung von Hagebutten. Früher sagte man: "Täglich einen Esslöffel Hagebuttenmus und die Erkältung kommt erst gar nicht ins Haus". Die Inhaltsstoffe fördern die Zellerneuerung, die Regulierung des Hautstoffwechsels, und die Regeneration der Haut. Hagebutten gelten außerdem als Früchte mit großem antioxidativem Potential und besitzen Abwehr stärkende Eigenschaften. Die Mühe beim Sammeln und dem Verwerten kann sich also lohnen. Interessant unter den großfruchtigen Arten sind z.B. die heimische Heckenrose (Rosa canina), die Vogesenrose (Rosa dumalis), die Hechtrose (Rosa glauca), die Mandarinrose (Rosa moyesii), Rosa swezingowii ´Macrocarpa`, Rosa rugosa (Kartoffelrose) und die Apfelrosa (Rosa villosa). Alle Arten werden im Obstlehrgarten des Kreisverbandes kultiviert.

Fotos: Thomas Neder

   
Wegen ihres teilweise hohen Vitamin C Gehaltes von bis zu 1000 bis 2000 mg pro 100g Fruchtfleisch, erlangen die Wildrosen seit kurzem wieder eine große Renaissance.