Die Walnuss – ein klassischer fränkischer Hofbaum
 

(TN) Ist der Standraum ausreichend groß, so ist die Walnuss mit ihrer ausladenden Krone und ihren edlen Nüssen auch heute noch ein klassischer Haus- und Hofbaum. Auch im Coburger Land prägen in vielen Ortschaften, wie z. B. in Schottenstein, Walnüsse eindrucksvoll und unverkennbar das Ortsbild.

Geschützte Standorte
Die Walnuss schätzt warme und geschützte Ortslagen. Spätfröste setzen ihr merklich zu und vernichten meist den größten Teil der Ernte, auch wenn sie nach Frostnächten willig wieder austreibt. Gute Walnussstandorte sind nach Süden oder Südwesten exponierte Hanglagen, wo die Kaltluft gut abfließen kann. Nach Norden geneigte Hänge oder Tallagen, in denen sich Kaltluftseen bilden können, sind ungeeignet.

Ausreichend Standraum
Sagt ihr der Standort zu, kann die Walnuss die 20m Höhenmarke leicht knacken. Pflanzabstände von 15x15m sind bei stark wachsenden Sämlingen durchaus angebracht. Unveredelt werden Walnüsse bis zu 150 Jahre alt. Veredelte Pflanzen, bei denen die Veredlungsstelle das Altern und den Abgang beschleunigt, schaffen in der Regel aber auch ca. 70 bis 80 Jahre.

Sämlinge und veredelte Pflanzen
Früher erfolgte die Vermehrung vorwiegend durch Aussaat. Sämlingspflanzen wachsen jedoch stärker als veredelte Varianten, tragen meist kleinere Nüsse und sind oft auch anfälliger gegen Blattkrankheiten. Heute wird als Unterlage für Veredlungen vielfach der Typ Geisenheim Nr. 26 verwendet. Versuche mit der Schwarznuss als Veredlungsunterlage waren nur teilweise befriedigend. Auch wenn diese Veredlungen nur ca. 80% so stark wachsen wie Sämlingspflanzen, sterben die veredelten Pflanzen meist nach ca. 40 Jahren wieder ab.

Sortenwahl
Geht es um die Sortenwahl, ist das sog. „Geisenheimer Sortiment“ noch immer ein guter Anhaltspunkt. Hier wurden bereits in den 30er Jahren etwa 1600 Edelreiser von Sämlingspflanzen gesammelt und eingehend getestet. Die „Sieger“ dieser Sichtung sind noch heute im Handel. Sie tragen keine Namen, sondern nur Nummern, wie z.B. Weinsberg Nr. 1, Nr. 120 oder Nr. 139. Interessant wegen ihres kleineren Wuchses sind z.B. auch die Rote Donaunuss Nr. 1239, Red Rief oder die ebenfalls nur mittelstark wachsende Esterhazy II. Wer eine Walnuss für einen kleinen Garten sucht, kann es z.B. mit der Sorte Hansen oder Metcalfe versuchen. Sie wurden von der Baumschule Westhof selektiert und sollen nur 6 m hoch (und breit) werden - für eine Walnuss schon fast zwergenhaft.

Die Walnussblüte
Die Blüten der Walnüsse sind einhäusig, aber getrennt geschlechtlich. Männliche und weibliche Blüten befinden sich also auf einem Baum und wachsen auf verschiedenen Astpartien. Die Walnuss kann sich grundsätzlich selbst befruchten. Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass sich männliche und weibliche Blüten eines Baumes zeitlich unterschiedlich entwickeln. Deshalb ist es von Vorteil, wenn sich andere Walnussbäume in der Nähe befinden. Im Erwerbsobstanbau werden deshalb immer mehrere Sorten gepflanzt.

Die Sache mit dem Laub
Walnusslaub wirkt naturgemäß auf andere Pflanzen keimhemmend. Ausgangspunkt ist der Stoff Juglon, der im Laub enthalten ist. Wie ja bekannt ist, sollten größere Mengen des Laubes nicht in einen kleinen Komposter gegeben oder als dicke Lagen zum Abmulchen verwendet werden. Hier gibt es bessere und mildere Varianten.

Krankheiten
Ist es nach der Blüte der Walnuss mehrere Wochen feucht, tritt bei uns häufig die Marssonia Blattfleckenkrankheit auf. Es handelt sich hierbei um eine Pilzerkrankung, die deutliche schwarze Flecken auf den Blättern und Früchten verursacht. Die Früchte werden innen oft trockenfaul und verpilzen. Ist der Befall stark, kann es dazu führen, dass das Laub abgeworfen wird. Nachdem der Pilz in diesem Laub überwintert, sollte befallenes Laub entfernt und vernichtet werden.

Ernten
Die Reife der Walnuss erfolgt unterschiedlich und erstreckt sich über eine längeren Zeitraum. Ist die Nuss reif, fällt sie von selbst vom Baum. Sind die Nüsse gefallen, sollte man sie umgehend auflesen und nicht lange im nassen Gras liegen lassen. Ein schonendes Trocknen an der Sonne oder bei Zimmertemperatur erhält die Kerne in voller Größe und verhindert ein „ranzig“ werden. Empfehlenswert ist es, die Nüsse einlagig in kleinen Portionen auszubreiten. Ein mehrmaliges Wenden macht Sinn. Eine gut getrocknete Nuss lässt sich über ein halbes Jahr lagern.

Aktueller Kreiswettbewerb „Das schönere Dorf – die schönere Stadt“
Schottenstein hat im Zwischenwettbewerb „Großgrün in den Ortschaften (2011)“ den 3. Platz belegt. Die grüne Kulisse am Südhang zum Itzgrund mit den vielen großen Nussbäumen ist vorbildhaft und verleiht dem Ort eine ganz besondere Note. Natürlich haben die Schottensteiner einen engen Bezug zu ihrem Grün und besonders zu ihren Walnussbäumen, die zahlreich und stattlich in der Itzgrundgemeinde zu finden sind.

Interview mit der 1. Vorsitzenden des OGV Schottenstein, Ute Florschütz:
In Schottenstein gibt es so viele Nussbäume wie kaum anderswo im Landkreis. Ist bekannt, wie viele große Nussbäume in Schottenstein stehen?
Genau kann ich das nicht sagen, auf jeden Fall sind es über 120 Stück. Die meisten dieser Bäume stehen über einer gedachten Linie Kirche – Herrengasse. Hier wachsen und tragen die Bäume am Besten.

Gibt es einen Grund, warum so viele Nussbäume in Schottenstein gepflanzt wurden?
Einen Grund kann ich nicht mehr herausfinden. Hier in Schottenstein gab es schon immer viele Nussbäume. Teilweise sind sie auch Hausbäume. Zwei dieser Hausbäume sind schon über 100 Jahre alt sind.

Wie stehen die Schottensteiner zu ihren Nussbäumen?
Die Bürger halten an Ihnen fest. Wenn neue Bäumchen aufgehen, werden diese an eine geeignete Stelle versetzt. Auch in der Flur sind Nussbäume zu finden. Die Nüsse werden vielfältig verarbeitet z. B. als eingeweckte grüne Nüsse, Nusslikör oder „Lebenselexir“ (gut, wenn der Magen mal drückt) und natürlich zum Backen (Nussplätzchen und Nusskuchen in vielen Variationen).

Veranstaltungshinweis
Die Abschlussveranstaltung im aktuellen Wettbewerb „Das schönere Dorf – die schönere Stadt“ mit Prämierung der Sieger und Auszeichnung der Teilnehmer durch Landrat Michael Busch und der 1. Vorsitzenden, Christine Heider, findet am Donnerstag, 15. November um 19:00 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Coburg statt. Hierzu sind alle Teilnehmer des Wettbewerbs herzlich eingeladen. Wegen der begrenzten Platzkapazität wird um eine kurze schriftliche Voranmeldung bei Kreisfachberater Thomas Neder am LRA Coburg gebeten. (E-mail: thomas.neder@landkreis-coburg.de / Fax.: 09561 51489341)

Fotos: Thomas Neder

 
Unveredelte Sämlingsbäume liefern zwar oft kleine hartschalige Nüsse, sind dafür aber umso langlebiger.
 
   


Im "Nussdorf" Schottenstein stehen über 120 große Nussbäume. Die meisten dieser Bäume stehen über einer gedachten Linie Kirche – Herrengasse. Hier wachsen und tragen die Bäume nach Aussagen von Ute Florschütz am Besten.