Wildrosen selbst vermehren
 

(TN) Es muss nicht immer die opulente Blütenfülle und auffallende Farbklecks der Blüten sein, der einer Rose ihren Charme verleiht. Wer auf Robustheit setzt, Insekten und Vögeln den Tisch für Herbst und Winter decken möchte, ist mit Wildrosen oder Rosen mit Wildrosencharakter gut bedient.
Wildrosen können auf verschiedene Arten vermehrt werden. Grundsätzlich gibt es folgende gängige Vermehrungsmethoden bei Rosen: Anzucht aus Samen, Veredlung, Stecklinge, Steckholzvermehrung, Wurzelschnittlinge und das Abtrennen von Ausläufern bei Ausläufer treibenden Arten).

Jetzt zum Ende der Gartensaison, wenn wieder etwas mehr Ruhe einkehrt, kann man den einen oder anderen Versuch wagen. Folgende Vermehrungsarten sind auch jetzt zum Ende der Gartensaison interessant:

Abtrennung von Ausläufern:
Diese sehr einfache Methode geschieht im Herbst oder im Frühjahr vor Beginn des Triebes. Die Triebe werden mit einem Spaten abgetrennt und um etwa 1/3 eingekürzt, damit sie sich gut verzweigen. Die Ausläuferbildung ist bei den Wildarten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sehr stark ist sie bei der sehr schön blühenden Rose Rosa francofurtana, ebenfalls stark bei der Kartoffelrose (Rosa rugosa) ausgeprägt. Nicht immer ist dieser Expansionsdrang erwünscht. Notfalls kann man ihn wie beim Bambus mit einer Wurzelsperre in den Griff bekommen. Man kann natürlich aus der Not eine Tugend machen und diese leichte Form der Vermehrung nutzen.

Vermehrung durch Steckholz:
Steckhölzer werden in der Regel Ende November von kräftigen einjährigen Trieben vor der ersten stärkeren Frösten geschnitten und bis zum Stecken im Frühjahr kalt, frostfrei und bei hoher Luftfeuchte z.B. in etwas angefeuchtetem Sand gelagert oder im Felsenkeller aufbewahrt. Gesteckt wird das ca. 20 cm lange Steckholz im zeitigen Frühjahr in eine sehr lockere Erdmischung. Dies kann in einem hohen Pflanzcontainer oder auf einem Beet erfolgen. Nur das oberste Auge sollte aus der Erde schauen. Vor dem Stecken wird das Steckholz dicht unter dem untersten Auge angeschnitten und das Steckholz event. in ein Bewurzelungshormon (Wurzelfix etc.) getaucht. Durch das Pinzieren (Einkürzen) des jungen Triebes kann man eine rechtzeitige Verzweigung erreichen.

Wildrosen durch Aussaat vermehren:
Während sich Hybridsorten nicht samenecht vermehren lassen, ist dies bei Wildrosen teilweise artenrein möglich, so denn die Blüten der Rose nicht mit dem Blütenstaub einer anderen Rose in Kontakt gekommen sind. Die Aussaat ist deshalb etwas schwierig, da alle Rosensamen während und unmittelbar nach ihrer Reife an der Mutterpflanze eine Samenruhe überwinden müssen, bevor sie keimen können. Denn es wäre in der Natur wenig sinnvoll, wenn sie noch an der Mutterpflanze oder vor Wintereinbruch mit der Keimung beginnen würden. Häufig muss in unseren Breitengraden zunächst eine Kälteperiode auf die Samen wirken.

Werden Samen nun künstlich diesen jeweiligen Bedingungen ausgesetzt, spricht man von Stratifikation. Diese Form der Samenbehandlung wird nicht nur bei Rosen, sondern bei einer großen Vielzahl von Gehölzen in den Anzuchtstationen der Baumschulen angewandt. Ambitionierte Hobbygärtner haben erfolgreich folgende Methode angewandt: Ernte der reifen Hagebutten im Herbst. Trennung von Fruchtfleisch und Samen (bei größeren Mengen z. B. mit Hilfe eines Haushaltsmixers). Kleine Mengen können nat. auch einfach mit einem Messer aus der Frucht herausgelöst werden. Samen mit feuchtem Sand mischen und in eine durchsichtige Plastiktüte und einer verschraubbares Glas, das mit Aussaaterde gefüllt ist, bei Zimmertemperatur etwa 2-3 Monate lagern. Danach die Tüte mit den angequollenen Samen ca. 4 Wochen im Kühlschrank bei etwa 4 Grad lagern. Ausgesät wird dann bei 10 bis 25 Grad. Die Keimung kann einige Monate dauern. Manchmal lassen sie die Rosensamen auch ein ganzes Jahr Zeit. Geduld sollte man hierbei schon etwas mitbringen. Übersichtlich und einfach ist die Aussaat einzeln in Multitopfplatten. In diese wird entweder die übliche Aussaaterde oder ein Torf-Sandgemisch gefüllt. Die obere Abdeckung der Samen kann aus einer Schicht von 5 mm feinem Kies oder Sand bestehen. Stehen die Sämlinge einzeln in Multitopfplatten, kann man auf das übliche Vereinzeln (Pikieren) verzichten. Die durchgewurzelten Jungpflanzen werden später einfach in kleine Töpfen gesetzt, die mit lehmhaltiger Erde gefüllt sind.

Fotos. Thomas Neder


Steckhölzer werden in der Regel Ende November von kräftigen einjährigen Trieben vor der ersten stärkeren Frösten geschnitten .

Zur Aussaat wird bei den reifen Hagebutten das Fruchtfleisch vom Samen getrennt.

Bei größeren Mengen kann man Fruchtfleisch und Samen auch mit Hilfe eines Haushaltsmixers trennen.


Wer auf Robustheit setz und Insekten und Vögeln den Tisch für Herbst und Winter decken möchte, ist mit Wildrosen oder Rosen mit Wildrosencharakter gut bedient.



Zum Stratifizieren werden die Samen mit feuchtem Sand gemischt und in eine durchsichtige Plastiktüte oder in ein verschraubbares Glas gefüllt.