Kaffee-Ernte von der Fensterbank
 

(TN) Tee wurde in China bereits vor ca. 2700 Jahren getrunken. Kaffee hat zwar keine so lange Geschichte, kann aber immerhin auch auf 1000 Jahre Anbau zurückblicken. Seine Kultur begann auf der Arabischen Halbinsel. Dort wurde der Kaffeegenuss schnell in der Arabischen Welt bekannt. Die Heimat der wichtigsten Coffea Art (Coffea arabica) liegt in den Hochebenen Äthiopiens. Bekannt sind etwa 60 Arten. Die Nutzpflanze Kaffee zählt zur Familie der Krappgewächse (Rubiaceae).

Manchmal findet der Kaffee Strauch aber auch auf der Fensterbank ein neues zu Hause. An einem geräumigen hellen Platz kann man viele Jahre Freude an der robusten Pflanze haben. Der Kaffeestrauch ist ursprünglich eine Pflanze des lichten Unterholzes. Ost-, Nord- oder Westfenster eignen sich gut. Eine volle Sonnenbestrahlung mag er hingegen nicht so gerne.

Aufgrund seiner Größe (Wildformen erreichen bis zu 6m) kann man ihn schon zu den Kübelpflanzen zählen. Wird die Kaffeepflanze zu groß, was spätestens nach einigen Jahren der Fall sein wird, und ist man nicht gerade stolzer Besitzer eines Wintergartens, in dem 1,5 bis 2 m Höhe erwünscht sind, wird man dezent und regelmäßig zur Schere greifen müssen. Einen regelmäßigen Besuch beim Friseur verträgt der Kaffeestrauch aber relativ gut. Auch ein Standort am beheizten Fenster wird vertragen, auch wenn er es im Winter lieber etwas kühler und luftfeuchter hätte. Steht der Kaffestrauch über der Heizung, darf der Ballen aber nicht austrocknen, sonst werden schnell Blätter geworfen und es entstehen unansehnliche Trockenränder an den Blatträndern. Lästige Spinnmilben können die Folge sein. Gleichmäßige Ballenfeuchtigkeit ist der Garant für ein zügiges Wachstum. Im Winter kann die Temperatur bis ca. 15 Grad sinken. Steht er kühl, werden die Wassergaben nat. etwas reduziert. Könnte er sich seinen Standort auswählen, würde er wohl „luftiges Lauwarmhaus“ wählen. Von Krankheiten wird der Kaffeestrauch bei guter Pflege weitgehend verschont.

Zum Gießen verwendet man am besten Regenwasser oder mischt es mit normalem Leitungswasser. Gedüngt werden kann er im Turnus mit den anderen Topfpflanzen.

Der Kaffeestrauch ist eine dankbare Blatt, vor allem aber eine interessante Blüten- und Fruchtschmuckpflanze. Die dunkelgrünen, leicht glänzenden Blätter werden bis zu 15 cm lang und sind am Rand leicht gewellt. Die weißen, dezent duftenden Blüten stehen zu 5 bis 15 in den Blattachseln. Sie sind relativ kurzlebig, duften aber etwas nach Jasmin. Von der Blüte bis zur leuchtend roten Frucht vergeht nicht selten ein ganzes Jahr. Die Blüten erscheinen bei uns normalerweise im Sommer. Mit der Ausfärbung der Beeren lässt sich die Pflanze dann aber oft bis zum Winter Zeit. Der Fruchtertrag setzt etwa ab dem 3. – 4. Jahr ein. Die Pflanzen sind dann schon relativ stattlich. Mit einem Pinsel in der Hand, mit dem man wie ein Insekt von Blüte zu Blüte wandert und den Pollen überträgt, kann man die Bestäubungsrate der Blüten deutlich erhöhen.

Der Kaffeestrauch lässt sich sowohl durch Stecklinge, als auch durch Samen vermehren. Der Samen sollte relativ frisch sein, da alter Samen schlecht keimt. Zum Aussähen wird die Kaffeekirsche geschält und auch das Silberhäutchen um die Bohne entfernt. Die Keimung erfolgt bei ca. 22 – 25 Grad in etwa 5 bis 6 Wochen.

Gedüngt wird vom Frühjahr bis zum Herbst einmal wöchentlich. Im Winter reicht ein Turnus von 4-6 Wochen aus.

Kaffee selbst rösten
Kaffee kennt man eigentlich nur im verarbeiteten Zustand, meist als Pulver oder als `pad` zur schnellen Zubereitung. Rohkaffee als Kern einer rot leuchtenden Frucht wirkt schon sehr exotisch. Kaffeeernte von der eigenen Fensterbank ist daher natürlich etwas ganz Besonderes und ein Experiment der besonderen Art.

Sind die Samen reif, kann man die geernteten Samen aus den Früchten entfernen, trocknen und dann z. B. in einer Pfanne unter ständigem Rühren vorsichtig anrösten, bis sie schön braun geworden sind. Zum Rösten sind Temperaturen von ca. 180 bis 230 Grad notwendig. Beim Rösten färben sich die Bohnen von gelb nach dunkelbraun. Der Röstvorgang dauert etwa 10 bis 20 Minuten. Nach einer gewissen Zeit fangen die Bohnen an zu knacken. Ist das erst geräuschvolle Bräunen beendet, sollte man sie vom Herd nehmen. Nach dem Rösten brauchen die Bohnen noch zwischen 12 und 72 h um ihr volles Aroma zu entfalten. Später sind sie bereit zum Mahlen. Alternativ zur Pfannenröstung kann man bei den Bohnen auch eine kleine Röstung auf einem Backblech oder einem Popcorn-Röster versuchen.

Fotos: Thomas Neder

Sind die Samen reif, kann man die geernteten Samen aus den Früchten entfernen, trocknen und dann z. B. in einer Pfanne unter ständigem Rühren vorsichtig anrösten, bis sie schön braun geworden sind.
Reife Kaffeesamen färben sich rot. Grün sind sie noch unreif. Im braunen Zustand können alte Samen noch lange am Strauch bleiben. Die rote Schale wird zur Aussaat und zum Rösten entfernt.