Pfropfen hinter die Rinde
 

(TN) Pfropfen hinter die Rinde lässt sich leicht erlernen. Voraussetzung für dieses Verfahren ist ein gutes Lösen der Rinde, das je nach Witterung von Ende April bis Ende Mai möglich ist. Der Zeitpunkt der Blüte ist für die Frühjahrsveredlung aber nur ein grober Anhaltspunkt. Ist die Zeit ideal, kann man beim Ansetzen des Messers am Pfropfkopf ein deutliches „Knacken“ vernehmen – ein sicheres Zeichen für ein erfolgreiches Lösen der Rinde. Löst sich die Rinde schlecht oder nur unvollständig, empfiehlt es sich, lieber noch etwas mit dem Veredeln zu warten.

Arbeitsschritte
Bevor man den ersten Veredlungsschnitt ansetzt, geht es darum, geeignete Schnittstellen am Baum zu schaffen, die zum Einsetzen der Reiser geeignet sind.

Abwerfen
Soll der ganze Baum umveredelt werden, muss ein Teil der Krone des Baumes abgeworfen (zurückgesetzt) werden. Wird nur ein Teil des Baumes veredelt, wird man das „Abwerfen“ nur auf einige Astpartien beschränken.

Wirft man den Baum ab, erfolgt dies am besten in pyramidaler Form. Ein gewisses Maß an sog. „Zugästen“ muss allerdings unbedingt erhalten bleiben, um den Baum im Gleichgewicht zu halten. Das Abwerfen macht nur bei völlig gesunden Bäumen im jungen bis mittleren Alter und mit harmonischem Kronenaufbau Sinn. Zweckmäßig ist ein Abwerfen erst kurz vor dem Veredeln. Der Abwurfwinkel von der Stammachse zu dem jeweiligen Hauptast sollte etwa 60 O betragen.

Trotz aller Begeisterung für das Veredeln sollte man nicht vergessen, dass jeder Schnitt eine Wunde verursacht, die der Baum wieder verheilen muss. Schnitte in den Starkastbereich sollten auch beim Veredeln vermieden werden.

Schnitt am Ast
Ist das Abwerfen beendet, wird anschließend die Rinde auf der Oberseite des Astes durch einen Längsschnitt geöffnet. Ein Messer mit gerader Klinge eignet sich hierbei besser als gebogene Formen, wie z. B. Hippen. Dickere Äste erhalten je nach Durchmesser bis zu 3 weitere Schnitte, die gleichmäßig über die Schnittfläche verteilt werden. Veredlungsstellen bis ca. 3 cm erhalten 1 Reis, bei 4-5 cm Durchmesser werden 2 Reiser und bei 5-8 cm ca. 3 Reiser eingesetzt. Mehrere eingesetzte Reiser vermindern nicht nur das Risiko eines Misserfolges, sondern sorgen auch für ein zügiges Verheilen der entstandenen Schnittwunden. Am Ende wird am besten nur das oben sitzende Reis belassen. Der Rest wird entfernt.

Es gibt eine ganze Reihe von Varianten, auf welche Art und Weise das Reis hinter die Rinde gepfropft werden kann.

Einfaches Rindenpfropfen

Schnitt am Edelreis
Der Grundschnitt am Edelreis ist identisch mit der Grundtechnik beim Kopulieren. Wer den Kopulationsschnitt gut beherrscht, wird auch mit dem Kopulieren hinter die Rinde wenig Mühe haben. Ein glatter langgezogener Schnitt sorgt für eine möglichst große Kontaktfläche zwischen Edelreis und Unterlage.

Schnitt am Ast
Nach dem Kopulationsschnitt am Edelreis erfolgt ein in der Länge entsprechender Längsschnitt am abgeworfenen Ast. Wird nur ein Reis eingesetzt, sollte es aus statischen Gründen am besten auf der Oberseite sitzen. Bei stärkeren Ästen verfährt man, wie oben beschrieben.

Nach dem Längsschnitt wird mit Hilfe des Messers versucht, die Rindenflügel links und rechts leicht anzuheben, um das Edelreis einzuschieben. Steht der Baum im Saft, geht dies sehr leicht. Hierbei ist es wichtig, nicht mehr an Rinde zu lösen, als für die Aufnahme des Reises notwendig ist. Beim Einschieben des Reises sollte ein deutlicher Widerstand spürbar sein. Das Edelreis wird in Folge nur so weit eingeschoben, dass der halbmondförmige Schnittanfang noch etwas über die Ebene des Pfropfkopfes ragt. Je Reis belässt man etwa 4 bis 6 Augen. Das oberste Auge sollte vom Zentrum des Baumes wegzeigen.

Foto: Thomas Neder

Ein glatter langgezogener Schnitt am Edelreis sorgt für eine möglichst große Kontaktfläche zwischen Edelreis und Unterlage.

Beim Einschieben des Edelreises sollte ein deutlicher Widerstand spürbar sein. Das Edelreis wird in Folge nur so weit eingeschoben, dass der halbmondförmige Schnittanfang noch etwas über die Ebene des Pfropfkopfes ragt.
Das eingesetzte Reis wird am einfachsten mit einem Veredlungsband (Thesakreppband) verbunden. Am besten verstreicht man den ganzen Pfropfkopf dünn mit Veredlungswachs (Maywachs).