Es leuchten die Christrosen

Mehrere Arten strecken die Blütezeit

 

(Tn) Schneerosen, Christrosen oder Lenzrosen, wie sie genannt werden, sind geschätzte Blütenpflanzen. Sie erfreuen uns mit ihren Blüten je nach Art und Sorte vom Spätherbst bis in das zeitige Frühjahr. Durch Verwendung verschiedener Arten kann man die Blütenperiode strecken. Helleborus niger `Praecox` auch Weihnachtspfingstrose genannt, wagt sich mit ihren Blüten schon Ende November aus der Deckung. Die reine Art selbst lässt sich oft bis zum Februar Zeit. Die robusten und auffallend gefärbten Orientalis-Hybriden blühen bis in den April hinein.

Klassisch versteht man unter der Christrose aber wohl noch immer die Art Helleborus niger mit ihren strahlend weißen oder rötlich angehauchten Blütenblättern. Dem Klassiker unter den Christrosen machen zunehmend aparte Wildarten, oder robuste Hybriden Konkurrenz, die mit weißen, rosafarbenen oder purpurnen Blüten gefallen.

An guten Standorten langlebig
Christrosen sind Kinder der südlichen und teilweise nördlichen Kalkalpen. Auch im Apennin und in Jugoslawien und im westlichen Asien findet man über 20 Wildarten in freier Natur. Sie sind giftig. Lenzrosen lieben einen kalkhaltigen lockeren Humusboden in Gehölznähe. Er darf ruhig auch steindurchsetzt sein. Dort können sie ungestört viele Jahre wachsen und gedeihen. Es sind Exemplare bekannt, die schon mehrere Jahrzehnte am selben Standort prächtig gedeihen. Auf Wurzelverletzungen reagieren sie allgemein empfindlich. Werden ältere Exemplare geteilt, sollte man die Wurzeln nicht zurückschneiden, da sie sonst leicht von Fäulnispilzen befallen werden können. Auch eine Vermehrung durch Aussaat ist möglich. Sie sollte direkt nach der Samenernte erfolgen. Helleborus gelten, auch wenn sie zur Blüte reichlich Feuchtigkeit lieben, als nässeempfindlich. Sommertrockenheit wird auch im schattigen Bereich gut vertragen. Stehen sie in Gehölznähe, sorgt der sommerliche Durst der Sträucher von selbst für einen trockeneren Standort.

Wenn der Standort nicht stimmt
Passt der Standort nicht und steht sie zu feucht oder ist der pH-Wert des Bodens zu niedrig, werden sie häufig von der Schwarzfleckenkrankheit (Coniothyrium hellebori) einem Pilz befallen, der sich der sich in Form schwarzer Blattflecken zeigt. Allzu gut gemeintes Wässern oder Düngen kann das Problem noch verschärfen. Ein weiteres Problem ist gelegentlich die Stengelgrundfäule. Sie wird durch Phytophtora oder Phytium Pilzen verursacht. Befallenes Blätter- oder Pflanzenmaterial sollte man restlos entfernen und über die Biotonne und nicht über den Kompost entsorgen. Kümmern die Pflanzen vor sich hin, sollte man über eine Standortverbesserung oder ein Umpflanzen nachdenken. Gelegentliche Kalkgaben in Form von kohlensauerem Kalk oder etwas Kalksplitt können manchmal auch helfen.

Die Sache mit den Blättern
Mehr ein optisches Problem ist das nach dem Winter häufig stärker geschädigte alte Laub. Oft liegt es wie ein malträtierter Kranz um die innen neu nachwachsenden Blüten. Die kann vor allem bei den Helleborus Orientalis Hybriden beobachtet werden. Aus Sicht der Pflanzen ist es wohl besser, es zu belassen, bis es von selbst abgeworfen wird, denn es dient nach wie vor zur Pflanzenernährung. Im Einzelfall wird man wohl einen Kompromiss finden. Bei Wildarten wie Helleborus foetidus darf gesundes Laub nat. nicht entfernt werden.

Passende Nachbarn
Grazile Farne, schattenliebende Gräser oder bunte Frühlingsblüher wie Schneeheide, Gedenkemein, Krokusse, Blausterne, Traubenhyazinthe oder Leberblümchen sind passende Nachbarn. Im August gepflanzt, können sie bis zum Herbst noch gut einwurzeln. Viele Helleborus Arten sind langsam wachsend. Manchmal lassen sie sich bis zur ersten Blüte einige Jahre Zeit.

Die hübschen Wilden
Zu den interessanten Wildarten gehört z. B. Helleborus foetidus. Sie wächst und blüht seit vielen Jahren zuverlässig am Obstlehrgarten des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege. Die hellgrünen glockigen Blüten sind zwar etwas zurückhaltender, aber die purpurnen Spitzen verleihen der Blüte einen besonderen Charme. Je nach Witterung erscheinen sie die bis zu 30 cm hohen Blütenstände von Januar bis März. Die Blätter sind palmenförmig ausgebildet und sehr dekorativ. Sehr Apart ist z.B. auch die Sorte `Altenburg Selection`. Die Blüten sind außergewöhnlich standfest. Die Blattstiele glänzen burgunderrot, die Blätter schimmern glänzend. Die Züchtung `Wester Flisk` hat ebenfalls hübsche rötliche Blattachseln. Fächerförmig aufgebaut, machen die grob gesägten Blätter die Art viridis auch zu einer Blattschmuckstaude.

Zarter Duft der Wildarten
Auch Liebhaber von Duftpflanzen werden in der breiten Palette der Wildarten fündig. Nach Holunder duftet Helleborus cyclophyllus, Angenehm duftet auch Helleborus odorus.

Die robusten Hybriden
Anspruchslos, klimahart und anpassungsfähig an den Standort sind die sog. Orientalis Hybriden. Sie blühen von März bis April. Die Blütenfarbe der Sämlinge ist ein Farbenspiel von weiß bis rosa. Wegen ihrer Robustheit und Blütenfreudigkeit werden sie immer stärker in den Gärten verwendet.

Die Klassiker
Helleborus niger ist der Klassiker unter den Christrosen. In der Natur kommen sie in den östlichen Kalkalpen vor und zeigen ihre Blüten schon nach der Schneeschmelze. Man nennt sie deshalb auch Schnee- oder Lenzrose. Im Handel um Weihnachten blühende Exemplare werden oft gärtnerisch so „vorbehandelt“, dass sie vorzeitig in Blüte kommen. Ausgepflanzt verhalten sie sich so wie ihre wilden Verwandten und blühen je nach Lage und Witterung um Februar.

Sie sind ausgezeichnete Schnittblumen. Geschnitten wird, wenn ein bis zwei Staubblattkreise geöffnet sind. Die Blütenstiele sind wasserabweisend. Man kann daher die Stile von unter kreuzweise einschneiden oder ritzt sie von der Seite her mit einer Nadel ein.