Aussaat von Stauden
 

Zahlreiche Stauden lassen sich leicht in größeren Mengen durch Samen vermehren. In der Regel sind vor allem Arten und Sorten interessant, die sortenrein fallen, d.h. aussehen wie die Mutterpflanze. Aber auch Sorten die aufspalten, die sich also durch Neukombination der Gene teils erheblich von der Mutterpflanze unterscheiden (wie z.B. Rittersporn Hybriden), können für den experimentierfreudigen Gärtner interessant sein, wenn er selbst neue Sorten züchten will.

Die Samen kauft man entweder in der Samenhandlung oder erntet die Samen direkt nach der Ernte. Nach dem Reinigen, das z.B. mit einem Stapelsieb leicht gelingt, werden die Samen kühl (bei etwa 5oC) und trocken in einem beschrifteten Papierumschlag aufbewahrt. Man gibt ihn am besten noch in einen luftdichten Plastikbehälter. Ein Trocknungsmittel wie Kieselgel nimmt Feuchtigkeit auf.

Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist keimfähiges Saatgut, nährstoffarme Aussaaterde, passende Aussaatgefäße, die richtige Aussaatzeit und in Sonderfällen eine spezielle Behandlung des Saatgutes. Die Arbeitsschritte untergliedern sich in Aussaat, Pikieren, Topfen, Auspflanzen.

Für die Aussaat eignen sich saubere Kunststofftöpfe (ca. 9-13cm Durchmesser), Aussaatschalen oder Multitopfplatten. Im letzteren Fall werden die Keimlinge beim späteren Pikieren (Vereinzeln) nicht gestört und können zügig weiter wachsen.

Wer es sich einfach machen will, kauft Aussaaterde. Eigene Aussaatmischungen können z. B. bestehen aus: 2 Teilen sterilisierter Erde, 2 Teilen Torf oder Torfersatz, bzw. Lauberde und einem Teil feinem Sand.

Die Aussaatbehälter füllt man bündig mit angefeuchteter Aussaaterde und verdichtet sie leicht, so dass die Erde nun etwa 1 cm unter der Kante liegt. Die Samen sät man anschließend dünn und gleichmäßig aus. Gute Dienste leistet ein gefaltetes Blatt Papier. Ganze feine Samen, wie man sie von Glockenblumen kennt, kann man auch mit Sand mischen. Eine hauchdünne Schicht gesiebter Erde bildet den Abschluss. Alternativ eignen sich dünn darüber gestreuter Sand oder auch eine dünne Schicht aus fein gekörntem Vermiculit. Sand und Vermiculit vermindern den Befall mit Keimlingskrankheiten. Töpfe kann man zum Angießen ins Wasser stellen, bis die Oberkante dunkel ist. Eine feine Haarbrause leistet die gleichen Dienste.

In der Regel sät man im Spätwinter aus. Aber auch schon im Spätherbst kann ausgesät werden. Man stellt die Aussaatgefäße an einem regengeschützten Platz im Freien z. B. in einem kalten Kasten auf. Aufgelegter Draht schützt vor scharrenden Katzen und Vögeln. Profis gehen bei der Aussaat sehr differenziert vor. Im Hausgarten muss man realistischer Weise vereinfachen. Durch Aussaaten vom Spätherbst bis in den Spätwinter erzielt man bei einer ganzen Reihe von Stauden gute Ergebnisse. Liegt Schnee, kann man die Aussaaten auch hiermit abdecken. Sog. Normalkeimer warten mit dem Keimen bis zum Frühjahr und die etwas problematischen Kaltkeimer bekommen in der Regel durch diese frühe Aussaat die zur Überwindung der Keimruhe notwendige Summe an tiefen Temperaturen.

Zu den problemlosen Normalkeimern gehören z. B. Salbei (Salvia sp.), Brennende Liebe (Lychnis chalcedonica), Feinstrahl (Erigeron sp.), Blaukissen (Aurbrieta sp.) oder Steinkraut (Alyssum sp.).

Zu den Kaltkeimern zählen z. B. viele Enzian- (Gentiana sp.) und Primelarten (Primula sp.), Mannsschild (Androsace sp.), Becherwurz (Cotyledon sp.), Küchenschelle (Pulsatilla sp.).

Werden Kaltkeimer erst im Frühling ausgesät, kann dies aber Probleme bereiten, da die sog. Keimhemmung noch nicht aufgehoben ist. Hier bietet sich folgende Variante an: Man stellt die Aussaaten am besten erst 2-4 Wochen warm bei +18 bis +22 Grad auf und setzt sie dann 4-6 Wochen einer Temperatur von -4 bis -4 Grad aus. Dies erreicht man z.B. in einem ausrangierten Kühlschrank.

Nach der Keimung, wenn die Pflanzen zwei gut ausgebildete Keimblätter haben und ca. 1,5 bis 3 cm groß sind, wird die Kinderstube zu eng. Die jungen Pflanzen müssen dann pikiert (vereinzelt) werden. Hierzu ist ein Pikierstab ideal. Auch ein Bleistift oder ein zugespitztes Stäbchen leistet gute Dienste. Die jungen Stauden nimmt man vorsichtig aus der Saatschale, und kürzt bei Bedarf zu lange Wurzeln mit den Fingerspitzen etwas ein. Polsterstauden wie Steinkraut, Blaukissen, Schleifenblume pikiert man am besten in kleinen Tuffs von mehreren Sämlingen. Dies gibt schnell kräftige Pflanzen. Solitärstauden wie Rittersporn, kann man auch einzeln pikieren. Eine Multitopfplatte mit ausreichend großen Segmenten ist hierfür bestens geeignet. Hier lassen sich die Pflanzen nach dem Durchwurzeln spielend leicht herausnehmen, ohne dass die Wurzeln beschädigt werden. Natürlich kann man auch in Schalen pikieren. Das Substrat sollte nährstoffreicher sein, denn die Jungpflanzen sollen nun zügig heran wachsen. In der Regel kann man bei den meisten Stauden nach ca. 6-8 Wochen die Pflanzen in kleine Töpfchen setzen und später, wenn der Topf ausreichend durchwurzelt ist, dann an ihren endgültigen Standort setzen.

 

Fotos: Thomas Neder

In der Regel sät man Stauden im Spätwinter aus. Aber auch schon im Spätherbst kann ausgesät werden.