Naturgemäßer Obstbaumschnitt erhält Streuobstwiesen
 

(TN) Streuobstwiesen prägen nachhaltig das Bild fränkischer Landschaften. Nach den großen Rodeaktionen der 50er und 60 er Jahre haben sich durch zahlreiche Neupflanzungen, an denen auch sich vielerorts auch die Obst- und Gartenbauvereine des KV Coburg für Gartenbau und Landespflege engagiert und beteiligt haben, die Bestände gut erholt.

Früher primär zur Erweiterung und Sicherung der Ernährungsbasis angelegt, erfüllen Streuobstwiesen heute vor allem wichtige ökologische und ästhetische Funktionen. Auch als dankbare Lieferanten von Mostobst stehen Streuobstwiesen hoch im Kurs. Obstbaumwiesen an den Ortsrändern sind in der heutigen Zeit vielerorts eine ideale Eingrünung und stellen einen sanften Übergang zur umgebenden offenen Kulturlandschaft dar.

Nach der Pflanzung ist es aber noch lange nicht getan. Die Kapriolen des Wetters fordern vor allem in den ersten Jahren eine verstärkte Pflege und Kontrolle. Neben einem fachmännischem Pflanz- und Erziehungsschnitt, der die Basis für eine stabile Kronenausbildung legt, ist auch die Wasserversorgung in Trockenperioden immer wichtiger.

Neben dem Erziehungsschnitt an Jungbäumen kommt besonders dem naturgemäßen Pflegeschnitt an Altbäumen eine wichtige Bedeutung zu. Gekonnte Schnitte an Altbäumen stellen das Gleichgewicht zwischen Fruchtertrag und Triebbildung wieder her und verhindern ein Vergreisen des Baumes. Fachmännisch umgesetzt, sorgt der Schnitt für langfristig stabile Bäume und verhindert das Auseinanderbrechen statisch ungünstiger Kronensysteme. Dieses Zusammenbrechen ist vielerorts leider immer öfter zu sehen. In Folge entstehen oft große kaum verheilende Wunden. In vielen Fällen leitet der Ausbruch großer Äste den vorgezogenen Niedergang des Baumes ein.

Im Prinzip geht es beim Pflegeschnitt von Altbäumen vor allem darum, den natürlichen Wuchs des Baumes zu erhalten und mit leichten korrigierenden Eingriffen zu helfen. Wird dies rechtzeitig umgesetzt und nicht völlig „verschlafen“, hält sich der Schnittaufwand in erträglichen Grenzen und die Grundlagen für ein langes (Über)Leben sind gelegt.

Neben dem Erhalt des natürlichen Habitus geht es hierbei vor allem darum, eine Überbauung der unteren durch die oberen Äste zu vermeiden. Das heißt vereinfacht: Die Äste sind oben kürzer als unten. Das Licht erreicht somit von oben bis unten alle Regionen. Hierzu schneidet man weniger im Feinastbereich, als vielmehr im Mittelastbereich. Den Aufbau störende Äste (z.B. ins Kroneninnere ragende Äste) werden entfernt, bzw. abgeleitet. Große Wunden über 8-10 cm Durchmesser am Leitast oder am Stamm sollte man tunlichst vermeiden, da diese den Baum oft überfordern und nicht mehr verheilen. Bogig nach unten hängendes Fruchtholz sollte an Stelle junger Fruchtruten sanft über mehrere Jahre hinweg entnommen werden. Etwas Gefühl und Augenmaß beim Schnitt zahlt sich aus, denn stark geöffnete Kronen treiben oft übermäßig stark durch und verursachen dann ein noch mehr an Arbeit.

Die Schnittführung sollte sauber erfolgen. Stummelschnitte gilt es zu vermieden. An Stelle eines großen Schnittes sind mehrere kleine Ableitungsschnitte viel baumverträglicher. Eine Desinfektion des Schnittwerkzeugs mit 70%igem Alkohol verhindert eine Übertragung von Obstbaumkrebs (und Feuerbrand).

Ausführliches zur Theorie und Praxis des Obstbaumschnitts vermittelt ein Seminar des Kreisverbandes Coburg.

21. Februar
Gartenpflegerkurs Teil 3 „Theoretische Grundlagen des Schnitts von Obst- und Ziergehölzen“, Ref.: Thomas Neder (Gasthof Zum Jäger in Haarth) Beginn 19:00 Uhr.

22. Februar
Gartenpflegerkurs Teil 4 „Praktische Ausführungen zum Schnitt von Obstgehölzen“, Ref.: Thomas Neder (Treffpunkt: Obstlehrgarten), Beginn 13:30 Uhr.

Die Ausgabe der Edelreiser erfolgt am 18. April von 13:30 bis 15:30 Uhr am Reiserkeller in Ebersdorf. Im Anschluss darin findet um 17:30 Uhr ein Veredlungskurs am Obstlehrgarten statt (Ref.: Thomas Neder).

Anmeldungen sind beim Geschäftsführer des Kreisverbandes, Thomas Neder am LRA Coburg möglich.

Foto: Neder

Obstbaum „quo vadis“ (wohin gehst Du) muss man sich leider bei so manchen Beständen fragen. Ein fachgerechter Schnitt hätte dies vermeiden können.

Neben dem Erziehungsschnitt an Jungbäumen kommt besonders dem naturgemäßen Pflegeschnitt an Altbäumen eine wichtige Bedeutung zu. Gekonnte Schnitte an Altbäumen stellen das Gleichgewicht zwischen Fruchtertrag und Triebbildung wieder her und verhindern ein Vergreisen und Zusammenbrechen des Baumes.
Große Wunden über 8-10 cm Durchmesser am Leitast oder am Stamm sollte man tunlichst vermeiden, da diese den Baum oft überfordern und nicht mehr verheilen.