Zimmerfarne selbst vermehren – Die Anzucht des Goldtüpfelfarns
 

(TN) Für Liebhaber ausgefallener Wohnideen mit stoischer Geduld und dem notwendigen Spitzengefühl, stellt die eigene Anzucht von Farnen eine interessante Möglichkeit dar, einen Teil ihres Zimmerinventars selbst zu kreieren.

Lebensweise
Die wohl merkwürdigste und etwas geheimnisumwitterte Eigenart der Farne ist sicherlich ihr komplizierter Fortpflanzungsmechanismus. Während bei den Blütenpflanzen durch auffallende Signalfarben zahlreiche Insekten und Vögel angelockt werden, und somit die Vermehrung durch Samen sichergestellt wird, sucht man bei den Farnen vergeblich nach Blütenständen. Grundlage der Farnvermehrung sind die unscheinbaren Sporen, die auf der Unterseite der Blätter gebildet werden. Hierbei handelt es sich um einzellige ungeschlechtliche Gebilde, die in besonderen Sporenbehältern (Sporangien) entstehen. Viele dieser Gebilde sind wiederum zu unterschiedlich gestalteten Häufchen, den Sori vereint. Vor der Reife sind sie meist von einem nierenförmigen Schleier (Indusium) bedeckt und somit gut geschützt. Sind die Sporen reif, springen die Behälter auf und streuen diese aus. Auf feuchtem Untergrund und bei günstigen Wachstumsbedingungen teilt sich die Zelle rasch und bildet nach kurzer Zeit einen kleinen, häufig herzförmigen Vorkeim (Protahllium). Dieser bildet an seiner Unterseite wurzelähnliche Fasern, sogenannte Rhizoide aus. Sie sorgen während der besonders sensiblen Anfangsphase für den nötigen Halt (z. B. bei Niederschlägen) und übernehmen die Nährstoffversorgung. Auf der erdzugewandten Seite des Vorkeims befinden sich zudem flaschenförmige Vorwölbungen (weibliche Organe oder Archegonien) und kleine kuppelförmige Gebilde (männliche Organe oder Anteridien). Nach einer gewissen Zeit öffnen sich die kugeligen Ausstülbungen und entlassen korkenzieherförmige Schwärmer oder Spermathozoide (wie Tiere bewegliche Samenzellen). Diese können sich mit Hilfe kleiner Wimpern im dünnen Feuchtigkeitsfilm, der meist der Unterseite der Farnwedel anhaftet, fortbewegen. Angelockt vom farblosen aber duftenden Schleim der weiblichen Organe, schwimmen die Schwärmer durch den Hals der falschenförmigen Vorwölbung und verschmelzen mit der im Flaschenhals liegenden Eizelle. Nach erfolgter Befruchtung entsteht durch rasche Zellteilung ein kleines Keimpflänzchen.

Der Goldtüpfelfarn
Besonders geeignet für die Kultur im Zimmer ist der Goldtüpfelfarn (Phlebodium aureum). Diese Farnart ist ursprünglich in Südamerika beheimatet. Sie besticht vor allem durch ihre häufig über 1 m langen Farnwedel, die besonders frei hängend zur Geltung kommen. Warmes Wohnraumklima und trockene Luft machen ihm erstaunlich wenig aus, auch wenn er sich in feuchter Umgebung sichtlich wohler fühlt und dies durch einen deutlichen Mehrzuwachs belohnt. Die Kultur ist sowohl in normaler Einheitserde als auch in grober Farnerde möglich.

Anzucht Sporenernte:
Während auf jungen Farnblättern überhaupt noch keine Sporenlager zu erkennen sind, entwickeln sich auf den ausgewachsenen Wedeln im Laufe der Zeit deutlich sichtbare Sporenketten, die ihre Farbe je nach Reifestadium von grün während der Bildungsphase nach mittelbraun im erntefähigen Zustand ändern. Matte und helle Sporenkapseln an alten Blättern weisen wiederum darauf hin, dass die Sporen bereits ausgestreut sind. Durch stärkeres, aber dennoch behutsames Abklopfen der geeigneten Wedel mit der Hand, können aus den Kapseln fallende Sporen auf einem darunter gehaltenen weißen Blatt Papier sichtbar gemacht werden. Wer den Vorgang etwas professioneller gestalten will, kann den betreffenden Wedel ganz abschneiden, in eine Papiertüte stecken und eine Nacht bei ca. 300C (z. B. in der Nähe eines Heizkörpers) lagern. Die Sporen fallen dann ganz von selbst aus und sind nur geringfügig mit Blattstückchen oder leeren Kapseln verunreinigt

Aussaat:
Wer es sich einfach machen will, kann als Aussaatsubstrat reinen Weißtorf verwenden.
Das Substrat wird in kleinere Aussaatschalen mit einem dicht schließenden Deckel lichtdurchlässigen Deckel gefüllt und die Sporen mit Hilfe eines zusammengefalteten Papiers gleichmäßig aber nicht zu dicht über die Aussaatschale verteilt. Die heranwachsenden Vorkeime behindern sich sonst gegenseitig im Wachstum. Im Gegensatz zur üblichen Aussaat von Stauden oder anderen Zierpflanzen dürfen die Sporen nicht mit Erde abgedeckt werden, sondern sollten noch zusätzlich etwas 16h mit Kunstlicht beleuchtet werden. Eine energiesparende Pflanzenleuchte etwa 20 cm über den Aussaatschalen angebracht, beschleunigt den Keimvorgang und sorgt für ein rasches Heranwachsen der jungen Pflanzen. Beträgt die Temperatur etwa 200C, so sind nach 3 Wochen bereits die ersten grünen Punkte zu erkennen – ein Hinweis auf die erfolgte Keimung. Die Anzuchtgefäße sollten nur wenn unbedingt nötig (z. B. zum Besprühen) geöffnet werden, um Infektionen durch in der Luft vorhandene Pilzsporen zu vermeiden. Wird ein Befeuchten des Substrates notwendig, so sollen die Aussaatschalen nur mit abgekochtem Wasser aus einem gewöhnlichen Handsprühgerät befeuchtet werden. Nach weiteren 5 bis 10 Wochen (spätestens dann, wenn sich die Vorkeime gegenseitig berühren) werden kleine Grüppchen von etwa 5 Vorkeimen im Abstand von etwa 2 cm in neuen Schalen pikiert (vereinzelt). Die Anzuchtgefäße bleiben weiterhin unter dem Kunstlicht stehen und werden gelegentlich übersprüht, um den nötigen Feuchtigkeitsfilm auf der Unterseite der kleinen Pflanzen zu erhalten. Stehen sie zu trocken, so unterbleibt die Befruchtung und man wartet vergeblich auf das erste kleine Farnblättchen und somit den verdienten „Etappensieg“. Bei einer Größe von 2 bis 3 cm werden die Pflänzchen wiederum in kleine Töpfchen oder Multitopfplatten gesetzt, unter ein kleines Plastikzelt gestellt, häufig übersprüht, z.B. 0,5% Mairol auf 1l Wasser beimischen und vorsichtig an die rauen Umweltbedingungen gewöhnen. Bis zur stattlichen Pflanze können dann noch 2 bis 3 Jahre vergehen. Aber die beeindruckende Erinnerungen an die Zeit der Kinderstube sind ja bekanntlich nicht nur bei den Menschen von besonderem Erinnerungswert.

Fotos: Thomas Neder

  Grundlage der Farnvermehrung sind die unscheinbaren Sporen, die auf der Unterseite der Blätter gebildet werden. Hierbei handelt es sich um einzellige ungeschlechtliche Gebilde, die in besonderen Sporenbehältern (Sporangien) entstehen.
Bei einer Größe von 2 bis 3 cm werden die Pflänzchen in kleine Töpfchen oder Multitopfplatten gesetzt und unter ein kleines Plastikzelt gestellt. Läuft alles wie geplant, sind nach 3 Wochen bereits die ersten grünen Punkte in Form von Vorkeimen zu erkennen, ein Hinweis auf die erfolgte Keimung der Sporen.
Die wohl merkwürdigste und etwas geheimnisumwitterte Eigenart der Farne ist sicherlich ihr komplizierter Fortpflanzungsmechanismus. Spätestens dann, wenn sich die Vorkeime gegenseitig berühren, werden kleine Grüppchen von etwa 5 Vorkeimen im Abstand von etwa 2 cm in neue Schalen pikiert (vereinzelt).