Naschereien aus dem Süden - Feigen gedeihen auch im Itzgrund

(TN) Der sonnige Süden hat einiges zu bieten - optisch, klimatisch und kulinarisch.
Auf dem Gemüsebeet, im Obstgarten oder im Reich der Kübelpflanzen gibt es ein interessantes Sortiment erlesener „Naschereien“. Mit etwas gärtnerischem Geschick können sie auch bei uns, in klimatisch weniger verwöhnten Regionen, wachsen und gedeihen.

Schon bei Mose erwähnt – Die Fruchtfeige

„Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz…“ (1.Buch Mose). Schon in der Bibel wird der Feige (Ficus carica) ein besonderer Platz eingeräumt.
In besonders begünstigten Lagen, wie windgeschützten Innenhöfen, oder am warmen Mauerspalier mit Winterschutz ist bei uns eine Freilandpflanzung der sonnenverwöhnten Pflanze einen Versuch wert. Dort liebt die exotische Obstart einen humosen und durchlässigen Boden. Er sollte nicht zur Vernässung neigen. Haben sich die verwöhnten Sonnenkinder am Standort etabliert, können robuste Sorten bis zu 15 Grad minus kurzzeitig ertragen. Es macht Sinn, die Feige im Winter mit Schilfmatten, dickem Vlies, Nadelholzzweigen oder einer Laubpackung zu schützen. In harten Wintern gefriert sie oft bis zum Boden zurück, treibt dann aber meist willig aus der Basis wieder aus.

In der Regel wird man die Feige als mobile Kübelpflanze halten. Da sie üppig wachsen kann, werden Containergrößen von 25 bis 100 l schnell erreicht. Im Topf gezogen, sollte sie möglichst lange an der frischen Luft bleiben. Leichte Fröste werden ertragen. Ein temporäres Rücken der Pflanzen an die Hauswand bei den ersten Kälteeinbrüchen, kann den Frischluftaufenthalt am Saisonende verlängern. Überwintern lässt sich die Pflanze kalt aber frostfrei. Die dekorativen 3-5 lappigen und bis zu 20 cm breiten Blätter werden abgeworfen. Man kann sie daher auch dunkel und kalt überwintern. Stattliche Exemplare lassen sich bei Platzmangel notfalls auch liegend über den Winter bringen. Gegossen wird in der kalten Jahreszeit nur wenig.

Wilde Feigen sind auf Fremdbestäubung durch die Gallwespenart Blastophaga angewiesen um fertile Samen zu bilden. Kultursorten sind selbstfruchtbar oder parthenocarp. Es macht daher Sinn, nur diese Sorten – sprich Sorten des adriatischen Typs zu kultivieren. Neben der sog. Bayernfeige `Violetta` gibt es z. B. robuste Sorten wie `Brown Turkey`, `Nordland Bergfeige, `Contessina Feige` oder die sehr früh reifende `Rossa Rotonda`. Die meisten Sorten fruchten an den im letzten Jahr gebildeten Trieben. Je mehr dieser Triebe den Winter überstehen, desto reicher wird die Ernte ausfallen. Die kleinen Früchte überwintern in den Blattachseln. Die an den diesjährigen Trieben im Frühjahr angesetzten Früchte kommen in unseren Klimazonen in der Regel nicht mehr im gleichen Jahr zur Reife. Die Früchte reifen sehr ungleichmäßig. Sie sind dann genussreif, wenn das Fruchtfleisch unter Fingerdruck sanft nachgibt. Ein Schnitt wird in der Regel nur dann notwendig, wenn die Pflanzen zu groß geworden sind. Durch ein Pinzieren im Sommer kann man für einen reichen Neuaustrieb sorgen. Dies kann sich im nächsten Jahr positiv auf den Fruchtansatz auswirken.

Will man Früchte ernten, sollte man bei der Containerkultur darauf achten, dass der Wurzelballen im Frühjahr und Sommer nicht komplett durchtrocknet. Dies führt oft zum Abstoßen der Früchte. Ebenso sollte man bei einer Überwinterung in Glasanbauten darauf achten, dass gut gelüftet wird und es zu keiner Überhitzung kommt. Nach derartiger Stress-Situation wird der Fruchtansatz ebenfalls schnell abgeworfen.

Interview mit Feigenliebhaberin Ulrike Schorn aus Gleußen:

Ulrike Schorn, 1.Vorsitzende des GV Gleußen kultiviert in Ihrem Hof eine stattliche Feige als Kübelpflanze. Schon seit vielen Jahren hat die edle Kübelpflanze in der warmen Jahreszeit dort ihren festen Platz und wird auch eifrig beerntet.

Wieso gerade Feigen?

Ich esse die köstlichen Früchte sehr gerne frisch und am liebsten direkt vom Strauch. Auch in der Küche verwende ich die Früchte gerne zum Kochen und Experimentieren.

Wie sieht es mit der Ernte aus?

Dieses Jahr ist leider nicht gerade das beste Feigenjahr. Bis zum Ausreifen der Früchte wird es wohl noch 14 Tage dauern. Ich hoffe, die Sonne zeigt sich nochmals, denn ein wenig Wärme wäre nicht schlecht für das Ausreifen.

Wie sieht das Winterquartier der Feigen aus?

Ich überwintere die Pflanze frostfrei in unserem alten ausrangierten Kuhstall. Die Pflanze steht halbdunkel, was ja nichts ausmacht, da sie ihr Laub eh abwerfen. Gegossen wird in der Überwinterungszeit überhaupt nicht. Ins Freie darf sie nach Abklingen der Fröste, noch bevor das Laub ausgetrieben hat.

Bezugsquellen:
www.lubera.de
www.haeberli-beeren.ch
www.poetschke.de

Eine stattliche Feige im mobilen Container hegt und pflegt Ulrike Schorn, 1.Vorsitzende des GV Gleußen, seit vielen Jahren in ihrem Innenhof. Alljährlich reifen viele Hände der leckeren Früchte. Zur Überwinterung dient der frostfrei gehaltene ehemalige Kuhstall des landwirtschaftlichen Anwesens.

 

Feigen sind dann genussreif, wenn das Fruchtfleisch unter Fingerdruck sanft nachgibt. Neben den bekannten Sorten gibt es auch exotisch anmutende gelb-grün panaschierte Auslesen.