Die Mistel – weit mehr als ein weihnachtliches Glückssymbol  

 

Lebensweise
(TN) Die Mistel (Viscum album), ein Sandelholzgehölz (Santales), zählt zu den parasitischen Blütenpflanzen. Da die Mistel  in der Lage ist, durch Photosynthese organische Substanzen selbst herzustellen, aber von Ihrem Wirt Wasser, Mineralien und organische Verbindungen benötigt, zählt sie zu den Halbparasiten. Um ihren Nährstoffbedarf ganz zu decken, ist die Intensität der Transpiration sehr hoch. Dies hat zur Folge, dass sie im Laufe ihres Wachstums  ihrer Wirtspflanze stetig mehr Wasser und Nährstoff entzieht. Nicht selten führt dies zum Absterben von Trieben oberhalb der Befallsstelle. Generell vermindert die Mistel als aufsitzender Sprossparasit die Vitalität des Wirtes. Bei starkem Befall kann dies auch  zum vorzeitigen Tod des ganzen Baumes führen. Neuerdings wurde in Gebieten mit starken Wald- oder Baumschäden eine deutliche Zunahme des Befalls mit Misteln festgestellt. Auch im Coburger Land ist die Mistel auf dem Vormarsch.

Die Mistel  ist eine Licht und Wärme liebende Pflanze Ihre Verbreitung wird zum einen von der Winterkälte begrenzt, zum anderen richtet sich ihre Verbreitung  nach dem Vorkommen der Wirtsbäume.  Vor allem junge Bäume mit noch dünner Rinde oder kränkelnde  Bäume mit nachlassenden Abwehrkräften werden häufig befallen.

Blüte und Verbreitung
Erst nach etwa 5 Jahren blüht die Pflanze zum ersten mal Mispeln sind zweihäusig. Es kommen an einer Pflanze deshalb nur männliche oder weibliche Blüten vor. Für die Bestäubung sorgen Insekten. Bei den weißen Mistelbeeren, die um Weihnachten vollreif werden,  handelt es sich um Scheinbeeren. Sie werden entweder von Vögeln gefressen oder fallen zu Boden. Manchmal bleiben sie auch mehr als ein Jahr am Baum und verharren somit in einer Art „Reifestarre“

Verbreitet werden die Samen der Misteln durch Vögel, wie Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel oder Seidenschwanz. Gefressene Samen durchlaufen den Verdauungstrakt der Vögel und werden andernorts wieder ausgeschieden oder werden am Schnabel, bzw. am Gefieder haftend an Ästen abgestreift, wo sie oft gute Startbedingungen vorfinden.

Meisen hingegen zählen zu den Mistelzerstörern. Blaumeise, Kohlmeise und Kleiber picken gerne an den abgestreiften nährstoffreichen Samen und zerstören sie hierdurch.

Wachstum
Die Keimung der Samen beginnt etwa im März. Während sich fast alle  Pflanzenkeimlinge dem Licht zuwenden, wächst der sich streckende Keimblattstamm der dunklen Rinde des Wirtes  entgegen (negativer Phototropismus). Der sog. Primärsenker braucht mehrere Wochen, bis er die Rinde eines jungen Zweiges durchwächst. Dies geschieht durch Ausscheidung von Enzymen, welche die Rindenzellen auflösen. Die Mistel wird anschließend vom Baum umwallt. Dies führt allmählich  zu einer Einbindung in die Leitungsbahnen  des Baumes, wobei die Zellteilung des angrenzenden Gewebes angeregt wird. Eine Dickenzunahme des befallenen Zweiges  ist die Folge. Vitale Bäume schaffen es jedoch, den einwachsenden Primärsenker  zu überwallen. Hierdurch stirbt die junge Mispel ab.

Brauchtum und Mythologie
Im Brauchtum der Kelten und Germanen kommt der Mistel eine zentrale Bedeutung zu. Auch die Gallier verehrten sie. Neben Eisenkraut, Bärlapp und Bilsenkraut zählte die Mistel zu den wichtigsten Heilpflanzen der Druiden.
In Gebieten, in denen sich noch Rudimente altkeltischer Überlieferung nachweisen lassen, ist die Mistel als Glücksbringer geschätzt. „No mistletoe, no luck” (kein Glück ohne Mistelzweig) heißt es z.B. noch immer in England, wo vor allem an Weihnachten und Neujahr ein Mistelzweig ins Zimmer gehängt wird.


Fotos: Thomas Neder