Leuchtfeuer in lichtarmer Zeit -  Comeback des Zimmeralpenveilchens

 

Modetrends kommen, Modetrends gehen. Alpenveilchen wurden schon seit weit über 100 Jahren kultiviert. 1881 sorgte die erste deutsche Sorte `Rosa von Marienthal` für große Bewunderung.

Vor einigen Jahren noch galt Cyclamen persicum wie es botanisch genannt wird,  als ziemlich „verstaubt“ und nicht mehr „en vogue“. Dank einer ganzen Palette  gefälliger Neuzüchtungen mit attraktiven  Farbtönen erlebt die alte Topfpflanze eine echte Renaissance.

Zurück zu den kleinen „Wilden“
Die Bezeichnung „Alpenveilchen“ ist ein wenig irreführend. Das im Zimmer kultivierte Alpenveilchen stammt aus  dem Mittelmeerraum. Lediglich das Europäische Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens) kommt als Wildform in den Alpen vor. Es wurde  wie andere Wildarten in den letzten Jahren vermehrt mit den großblütigen Kulturformen gekreuzt. Das Ergebnis kann sich in Form sog. „Miniaturhybriden“ sehen lassen. Besonders vorteilhaft sind die straff aufrecht wachsenden Blüten und der geringe Platzbedarf der „Midis“. Sie eignen sich auch prima als flächige Unterpflanzung in kühlen Wintergärten. Sie sind zwar kälteresistenter, aber im Freiland nicht winterhart.

Viel zu schade für eine Wegwerfpflanze
Das Alpenveilchen (Cyclamen persicum) ist weit mehr als nur eine Wegwerfpflanze mit vorprogrammiertem Verfallsdatum. Respektiert man seine Ansprüche, kann man es über viele Jahre vital und gesund halten. Manche Liebhaber schaffen es, den  auffälligen Winterblüher durch gute Pflege über mehrere Jahrzehnte immer wieder zur Blüte zu ermuntern. Ausdauer wird belohnt.

Kühler und hell-schattiger Standort gesucht
Ein kühler und hell-schattiger Platz wird vom Alpenveilchen besonders geschätzt. Grelle Sonne mag die Kulturform gar nicht. Bei Temperaturen. zwischen 15 und 18 Grad fühlt sich das Alpenveilchen so richtig wohl und  man hat viel länger Freude an den herrlichen Blüten, als an einem viel zu warmen Platz über der Heizung. Die Pflanze bleibt deutlich vitaler und erschöpft nicht so schnell. Früher gab man ihm übrigens einen Platz zwischen den Doppelfenstern an der Nordseite des Hauses.

Auf ein neues (Blütenjahr)
Alpenveilchen sind ausdauernde Pflanzen, die mit Hilfe von Knollen widrige Jahreszeiten überdauern können. Diese Eigenschaft hat es Ihnen als Wildpflanzen ermöglicht, in ihren heißen und trockenen Heimatgebieten  am  Mittelmeer und in Kleinasien mit Sommertemperaturen von über 40 Grad zu überleben. Sie wachsen dort oft im lichten Schatten von Gehölzen auf steinigen und durchlässigen Böden. Wird es ihnen zu heiß, nehmen sie sich einfach eine wohlverdiente „Auszeit“, ruhen in der Hitze des Sommers und wagen sich erst wieder mit Beginn der kühleren und feuchteren Jahreszeit aus der Deckung.
Diese für Wildalpenveilchen typische Auszeit braucht man bei den Kulturtypen nicht zwingend einzuhalten. Öfter haben eingezogene Kulturpflanzen Probleme, im Spätsommer wieder richtig in Schwung zu kommen. 

Pflegetipps für ein langes Leben
Abgeblühtes und gelbe Blätter werden laufend mit einem kurzen Ruck ausgezupft. Ansonsten hält man die Pflanze in der Regel weiterhin flott in Kultur und sorgt auch im Sommer stets für eine schwache Feuchtigkeit. Ab Ende Mai kann man dem Alpenveilchen einen halbschattigen Platz im Freien gönnen – aber Vorsicht auch Schnecken fressen gerne von den Blättern und Knollen.  Beginnen die ersten Blätter wieder zu sprießen, kann man im August/ September die alte Erde entfernen, und frisches lockeres Topfpflanzensubstrat einfüllen. Nach dem Topfen sollte die Knolle 1/3 bis 2/3 aus der Erde herausragen. Wegen der geringen Wurzelintensität dürfen die Töpfe auch relativ flach sein.

Nicht mitten ins „Herz“ gießen
Das Gießen verlangt in der Tat etwas Fingerspitzengefühl. Am besten sorgt man stets für eine leichte Feuchtigkeit. Die Erde sollte nicht ganz austrocknen, aber auch keinesfalls zu nass sein. Hierauf reagieren die aparten Winterblüher  besonders empfindlich und werden dann schnell von Pilzen, wie Grauschimmel, Cyclamenwelke oder der Cylindrocarpon-Krankheit befallen.

Fotos: Thomas Neder