Zitruspflanzen in Kübeln kultivieren
 

(Tn) Als man anfing, in unseren Breiten Zitruspflanzen zu kultivieren, wurden diese meist direkt in den Boden ausgepflanzt. Zu Beginn der kalten Jahreszeit errichteten die Gärtner sog. „abschlagbare Pomeranzenhäuser“ um die Pflanzen. Erst später setzte sich die Kultur in mobilen Kübeln und Kästen durch. Es hatte den entscheidenden Vorteil, dass dieses von nun an bewegliche Grün, auch vorteilhaft zur Dekoration von Innenräumen verwendet werden konnte. Aber auch die Optik der Pflanzgefäße spielte eine große Rolle. Farbe, Form und Material wurden je nach Vorlieben des jeweiligen Herrschers mit großer Sorgfalt ausgewählt. Grau-weiß geflammte Holzkübel mit rundem Querschnitt, farbig eingefasste kubische Kästen aus Holz und grün bzw. schwarz glasierte Tontöpfe (sog. Scherben) waren charakteristisch für Schloss Seehof.

In Schloss Seehof in Memmelsdorf werden die Zitruspflanzen nach ihrem Sommeraufenthalt ab etwa Mitte Oktober in das östliche Orangeriegebäude zur Überwinterung eingeräumt. Dort finden in der Winterzeit auch zahlreiche Pflegearbeiten statt.

Im Gespräch mit Gärtnermeister Oliver Laufer, der für die Pflege der ca. 250 Pflanzen verantwortlich ist und seine Arbeit mit großer Hingabe verrichtet, erfährt man eine ganze Menge an wissenswerten Praxistipps.

Formierungsarbeiten während des ganzen Jahres
Im Gegensatz zur Kultur im Hausgarten, wo ein natürlicher Wuchs von „Zitrus und Co“ kein Problem ist, wird in Schloss Seehof gezielt auf geometrische Formen geachtet. Demzufolge ist die Schere oder die regulierende Hand des Gärtners während des ganzen Jahres im Einsatz. Ein Hauptteil der Formierungsarbeiten geschieht im Winter. Alles, was aus der Form wächst wird im Grunde entfernt. Dies können sowohl dickere Äste, als auch junge, steile und starkwachsende Jungtriebe sein, die man auch mit der Hand ausbrechen kann. Geschont werden vor allem untere Triebe, die aus dem Inneren in den belichteten Randbereich wachsen und dort fruchten. Nachdem die Triebe vor allem an der Terminalknospe und im Spitzenbereich Blüten bilden, werden diese geschont, so sie ins Erziehungskonzept passen. Stören sie, werden sie auch ganz herausgenommen. Akribisch ist man auf Sauberkeit bedacht. Nach dem Schnitt, der natürlich bei jeder Pflanze etwas anders ausfällt, wird die Schere in einer Mischung aus Spiritus und Wasser (Verhältnis von 1:1) desinfiziert.

Düngung und Gießen mit Augenmaß
Im Winter erhalten die Pflanzen etwa 1x pro Woche eine schwache Düngerration. Verwendet wird ein organischer Dünger, um bei Bedarf eine Grundversorgung an Nährstoffen zu gewährleisten. Im Sommer geht es dann natürlich etwas kräftiger zur Sache und die hungrigen Pflanzen erhalten 3x pro Woche verschiedene Düngercocktails, wie es Laufer bezeichnet. Verwendet wird u. a. ein stickstoffbetonter Dünger im Verhältnis von etwa (10/2,5/5). Teilweise werden sie auch in geringer Konzentration über das Blatt gegeben. Zusätzlich greift man auf ein Präparat mit leicht aufnehmbaren Aminosäuren, ein Algen- und Eisenpräparat zurück. Während man im Winter eine Mischung aus Leitungs- und Regenwasser zum Gießen verwendet, wird im Sommer Brunnenwasser verwendet. Das Wasser wird stets temperiert gegeben.

Mineralhaltiges und luftiges Substrat
Das verwendete Substrat besteht etwa zu 60% aus mineralischen Bestandteilen (Bims, Blähton, Lavabruch) und zu 40% aus organischen Komponenten (Rindenkompost, Kokosfaser, Torf). Eine etwa 5cm dicke Drainschicht aus Blähton kommt als unterste Schicht in den Topf. Eine Lage Geotextil trennt sie von dem darüber eingefüllten Substrat.

Die Pflanzen stehen maximal 5 bis 6 Jahre in ihrem Topf. Dann werden sie aus dem Topf genommen, erhalten einen fachmännischen Wurzelschnitt und kommen dann wieder zurück.

Ein großer Vorteil in Schloss Seehof sind die optimalen Überwinterungsmöglichkeiten in der historischen Orangerie. Hier überwintert man die Pflanzen bei 5 bis 8 Grad und einer Luftfeuchte von 70 bis 80%. Die hinteren Pflanzen werden zusätzlich mit Pflanzenleuchten belichtet.

Trotz der bodentiefen nach Süden exponierten Fenster, werden die Pflanzen, nach Bedarf ab März gleich mehrmals um 180 Grad gedreht. Dies soll eine möglichst gleichmäßige Belichtung gewährleisten und einseitigen Wuchs verhindern.

Besonders im Frühjahr, wenn die Sonneneinstrahlung zunimmt, wird es heikel. Hier ist dann Schattieren und sorgfältiges Lüften angesagt, um einen vorzeiten Austrieb zu verhindern. Erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai kommen die Pflanzen auf ihre Stellplätze im Freien. Dort werden sie mit stabilen Erdankern befestigt und gesichert. Hochstämmige Pflanzen werden zudem mit Spanndrähten am Holzkübel stabilisiert.

Im Winter können Pilzkrankheiten zum Problem werden. Vorbeugend werden abgefallene Blätter und Blütenpetalen sorgfältig entfernt und das Gießen auf das Notwendige reduziert. Im Sommer können Spinnmilben lästig werden. Um den Befall in Grenzen zu halten, werden die Pflanzen am Abend, wenn die Sonneneinstrahlung nachgelassen hat, des Öfteren mit dem Gartenschlauch abgebraust.

Fotos: Thomas Neder

 
Eine Fruchtform die deutlich von der üblichen Form einer Orange abweicht
besitzt die Sorte `Buddhas Hand`. Sie ist bei Sammlern und in der Küche
besonders beliebt.

Einer der Klassiker im Zitrussortiment von Schloss Seehof ist
die Myrtenblättrige Zitrone.

Hell,kühl und sparsam gegossen, so fühlen sich Zitrusgewächse
im Winter wohl.

Wer mit dem Obstbaumschnitt klar kommt, braucht auch vor
dem Schnitt seiner Zitrusgewächse keine Angst zu haben.