Kirschen fachmännisch pflanzen

 

(Tn) „Pflanzzeit im Obstgarten“ heißt es nun wieder.

Im Gegensatz zu Gemüse, das in der Regel nur ein Jahr auf den  Beeten steht, will im Obstgarten mit Standdauern von 10-20 Jahren und mehr, die Wahl der Sorte wohl überlegt sein. Mindestens genauso wichtig ist die Frage der Unterlage. Sie bestimmt u.a. die Wuchsstärke, den Ertragsbeginn und die Lebensdauer des Baumes.
Bei Kirschen kommt man im Hausgarten um schwächer wachsende „beherrschbare“ Unterlagen nicht herum. Sämlingsunterlagen wachsen viel zu stark und  überfordern deutlich das Platzbudget der allermeisten Hausgärten. Eine interessante und inzwischen weit verbreitete Unterlage bei Kirschen ist z.B. GiSelA5. Noch ein Stück schwächer wächst GiSelA3. Sie braucht jedoch einen optimalen Standort und will gut gepflegt werden. GiSelA5  kann man mit etwas Sachverstand auf Stehleiterhöhe begrenzen. Dies bietet z.B. auch die Möglichkeit, den Baum mittels Netz vor der Kirschfruchtfliege zu schützen. Dies ist vor allem bei Sorten des mittleren und späten Reifesektors interessant.

Leider ist die edle Kirschfrucht auch in Sachen Befruchtung anspruchsvoll. Hier gilt es einiges zu bedenken, um  die Grundlagen für einen guten Ertrag zu legen. Die meisten Kirschsorten sind selbststeril.  Das heißt, sie sind auf eine geeignete Befruchtersorte angewiesen. Für einen guten Ertrag rechnet man mit etwa 30 bis 60 % befruchteter Blüten eines Baumes. Damit die Bienen auch den richtigen Pollen auf die Mutterpflanze tragen, sollte die Befruchtersorte  nicht weiter als 20-30 m vom betreffenden Baum entfernt sein.

Kirschen besitzen, wie man durch Untersuchungen herausfand, jeweils zwei Sterilitätsfaktoren (S Allele – mit Nummer von 1-12 bezeichnet). Wird nun durch die Biene ein Pollen  auf eine Blüte mit demselben  S Allel übertragen, kann er nicht zur Eizelle durchwachsen. Er stirbt vorher ab. Die Befruchtersorte sollte daher zumindest ein anderes S Allel besitzen.

Ein Beispiel: Die Frühsorte Burlat besitzt die Allele  S3 und S9. Die Sorte Merchant die Allele S2 und S4. Sie unterscheiden sich in optimaler Weise in den beiden Allelen. Da die Blütezeit bei beiden Sorten mittelfrüh ist, stehen auch die Pollen zur gleichen Zeit zur Verfügung. Passt die Witterung und stehen beide Sorten dicht nebeneinander, ist die Grundlage für eine gute Befruchtung gelegt.

Eine Alternative zur Pflanzung geeigneter Partner stellt die Verwendung selbstfruchtbarer Sorten dar.  Die Sorte Sweetheart ist z.B. eine Sorte, die selbstfruchtbar ist. Hier kann dann auch ein Baum allein gute Ernten bringen.

Foto: Thomas Neder

   
 

Ein guter Ertrag bei Kirschen erfordert eine gute Planung. Hier gilt es passende Befruchtersorten gezielt zu kombinieren.