Herzen schlagen für alte Obstsorten

 

(TN) Alte Sorten oder besser doch neue?  Für versierte Pomologen und passionierte Gartenfreunde, die sich in die Kunst der Sortenbestimmung vertiefen, ist es ohnehin ziemlich klar. Ihr Herz pocht stark und laut für die alten, charakterstarken Veteranen.

Ein Obstsorten Seminar des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V.  bot einer erlesenen Schar Obstbegeisterter in einem 7 stündigen Crash Kurs die Basics der Sortenbestimmung. Nachdem Hauptkriterien der Sortenbestimmung, wie Kelch, Stilgrube, Grundfarbe, Farbe, Kerne etc. angesprochen wurden, kamen etwa 20 Standardsorten auf den „Untersuchungstisch“, wo das bereits erworbene theoretische Wissen praxisnah angewandt werden konnte.

Diplom Biologe Wolfgang Subal, der sich schnell als  Meister seines Faches entpuppte, lud die Teilnehmer nach dem theoretischen Teil  der Sortenbestimmung  in die Streuobstwiesen rund um das Apfeldorf Öttingshausen ein.

Wenn man in historischen Schriften liest, dass der hessische Pomologe August Friedrich Adrian Diel  Franken als die Wiege der deutschen Obstkultur bezeichnet, ist der noch immer vorhandene Sortenreichtum rund um die Öttingshäuser Flur ein kleines Indiz dafür, dass Diel Recht hat.  Pfaffenhofer Schmelzling, Später Transparent, Langer grüner Goulderling, Boikenapfel und Welschisner sind nur kleine Appetithäppchen dessen, was die Flur noch zu bieten hat.

Nicht umsonst wurde das  Gebiet auch in das von der Regierung in Oberfranken betreute Projekt Biodiversität mit aufgenommen. Erklärtes Ziel des Projektes ist die langfristige Erhaltung gefährdeter Obstsorten. Damit soll der akuten Verarmung der Sortenvielfalt Einhalt geboten werden. Die Intention des Projektes wird vor Hintergrund klar, dass auf einer Obstausstellung 1893 in Kulmbach noch 856 ! Sorten Äpfel und 220 ! Sorten Birnen ausgestellt wurden.

Der Geschäftsführer des Kreisverbandes Thomas Neder bedankte sich nach einem erlebnisreichen Seminartag voller kulinarischer und optischer Eindrücke  bei den Teilnehmern für das große mitgebrachte Interesse. Stephan Neumann als Vertreter der Regierung von Oberfranken versprach den Teilnehmern, die Ergebnisse des Projektes nach Abschluss der Untersuchungen zugänglich zu machen.

Fotos: Thomas Neder